Religion


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"LAUDATO SI" Umweltenzyklika von Papst Franziskus

Es ist das erste Mal, dass ganz dezidiert ökologische Fragen im Mittelpunkt einer Enzyklika stehen. Papst Franziskus will mit seiner zweiten Enzyklika einen Beitrag zur UN-Klimakonferenz leisten, die Ende November in Paris stattfindet. Am Donnerstag wurde in Rom die päpstliche Umwelt-Enzyklika "Laudato si'" vorgestellt. Einen Entwurf hatte das italienische Magazin L'Espresso gegen den Willen des Vatikans bereits veröffentlicht.

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 18.06.2015

Papst Franziskus  | Bild: Johannes Moths

Aber was hat das Oberhaupt der Katholischen Kirche zum Umgang mit natürlichen Ressourcen und zu nachhaltiger Entwicklung zu sagen?

"Die Kirche ist zwar keine Expertin für Wissenschaft, Technik, oder für Wirtschaft, aber für Menschlichkeit."

Kardinal Peter Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden

Wenn drei von insgesamt sieben Milliarden Menschen auf der Erde in Armut lebten, ein Drittel in extremer Armut, während eine privilegierte Schicht von einer Milliarde Menschen den Großteil der Ressourcen unter sich verteile, ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen würde, dann müsse man seine Verantwortung wahrnehmen und neue Wege der Solidarität suchen, so der Kardinal aus Ghana, den Papst Franziskus neben zahlreichen Experten und Wissenschaftlern für diese Umweltenzyklika zu Rate gezogen hat.

Heftige Kritik aus den USA

Ohne den Wortlaut der Enzyklika überhaupt zu kennen, hagelte es in Amerika schon Wochen vorher heftige Kritik. "Das Kirchenoberhaupt soll sich auf seine wirklichen Aufgaben konzentrieren", meinen führende US-Republikaner.

"Der Papst soll die Wissenschaft den Wissenschaftlern überlassen."

Rick Santorum, katholischer republikanischer Präsidentschaftsbewerber

Viele Konservative in Amerika bestreiten den Klimawandel und bestreiten das Argument, die Erderwärmung sei durch menschliches Verhalten ausgelöst. Für sie mischt sich der Öko-Papst in Angelegenheiten ein, die ihn nichts angehen. Andere, die sich politisch für den Umweltschutz stark machen, bestärkt der Papst in ihrem Engagement.

"Die Enzyklika wird die Bemühungen zum Energiesparen und für die Energiewende befördern. Sie wird dazu beitragen, dass Unternehmen des Finanzsektors ihr Kapital aus klimaschädlichen Industrien abziehen und immer mehr Menschen ihr Geld in Solar- oder Windkraftanlagen investieren."

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Von der Umweltbewegung zur Enzyklika

Der erste Papst aus Lateinamerika greift in seinem Lehrschreiben auf die Erkenntnisse der Klimafolgenforschung und des Weltklimarates zurück und bringt dabei die Perspektive der Länder des Südens ein. Er mahnt die reichen Länder, ihren Wegwerfstil zu überdenken und in der globalisierten Welt Verantwortung zu übernehmen.

Sonnengesang

Der Name der Enzyklika Laudato si‘ verweist auf den Sonnengesang des Franz von Assisi. Das Lied preist die Schönheit der Schöpfung: Meer und Kontinente, Quellen und reife Felder, Wald und Täler – und mit dem Kehrvers „Sei gepriesen, o mein Herr“ dankt es dem Schöpfer. In Deutschland gehört es zu den beliebtesten Kirchenliedern beider Konfessionen.

Wer einen persönlichen Beitrag zur UN-Klimakonferenz Ende November in Paris leisten will, kann sich übrigens auf einen ökumenischen Klimapilgerweg machen.


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