Religion


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Türkische DITIB-Imame Kooperationspartner oder Problemfall?

Der türkische Moscheeverein DITIB in der Kritik: DITIB-Imame sollen als Spitzel für die türkische Regierung arbeiten. Der Generalbundesanwalt ermittelt. Auch ein Problem für Bayern? Hier ist die DITIB für den interreligiösen Dialog unverzichtbar.

Von: Daniel Knopp

Stand: 08.02.2017

Muslima zwischen deutscher und türkischer Flagge | Bild: picture-alliance/dpa/Boris Roessler

So sind die meisten bayerischen Imame DITIB-Imame. Auch ist die DITIB in zahlreichen Integrationsbeiräten vertreten und engagiert bei vielen Projekten. In Bayern gehören etwa 150 Moscheen zum DITIB-Dachverband. Zugleich sei die DITIB aber auch die mitgliedsstärkste Migrantenorganisation im Freistaat, sagt Aykan Inan von der DITIB in Südbayern. Mit den Mitgliederzahlen ist in den letzten Jahren auch das Selbstvertrauen gewachsen. Längst fordert DITIB-Funktionär Inan mehr Akzeptanz, mehr Rechte.

"Wir verstehen uns als größte Religionsgemeinschaft in Bayern. Eine Religionsgemeinschaft, die man anerkennen muss, von der Politik her, vom Ministerium her . Wir können unsere Satzungen offenlegen, wo man sieht: Wir sind eine Religionsgemeinschaft."

Aykan Inan, DITIB Südbayern

Kultusministerium skeptisch gegenüber DITIB

Beim bayerischen Kultusministerium hat die DITIB deswegen vor genau 3 Jahren einen Antrag gestellt. Sie will  Religionsgemeinschaft werden und in Bayern für alle Muslime den islamischen Religionsunterricht verantworten. Umso schwerer wiegen die aktuellen Vorwürfe gegen den größten bayerischen Moscheeverein. Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei entpuppt sich die starke Abhängigkeit der deutschen DITIB vom türkischen Staat als grundlegendes Problem. Das Kultusministerium ist daher skeptisch gegenüber der DITIB, auch wenn sich Ministeriumssprecher Ludwig Unger bei seiner Kritik erkennbar zurückhält.

"Zum Beispiel die starke Abhängigkeit vom türkischen Religionsamt, das Imame bezahlt, das Predigtvorlagen und dergleichen liefert. Die Diskussion zeigt, wenn möglicherweise ein Staat Einfluss nimmt auf Religion, dass das vielleicht mit Religionsgemeinschaft weniger, aber mit anderen Sachen mehr zu tun hat."

Ludwig Unger, Sprecher Kultusministerium

Etwa 170 DITIB-Imame in Bayern

Der Lehrer Timur Kumlu unterrichtet am 30.08.2013 an der Henri-Dunant-Schule in Frankfurt (Hessen) Mädchen und Jungen aus drei ersten Klassen in islamischer Religion.  | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Streit um Islamverband Ankara im Reli-Unterricht?

Angesichts der sich zuspitzenden Lage in der Türkei ist in Deutschland ein Streit um den muslimischen Religionsunterricht entbrannt. Mehrere Politiker kritisieren die Zusammenarbeit mit dem türkischen Verband Ditib. [mehr]

Fakt ist: die DITIB in Bayern der verlängerte Arm des türkischen Amts für Religion. Die etwa 170 bayerischen DITIB-Imame werden vom türkischen Staat bezahlt, eingesetzt und nach nur wenigen Jahren bereits wieder abberufen. Oft sprechen sie nur unzureichend Deutsch und sind für die türkischen Muslime, die zum Teil in der dritten Generation in Deutschland leben, keine wirklichen Gesprächspartner.

Doch nicht nur die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen hat seit dem Spitzel-Skandal gelitten. Auch der interreligiöse Dialog sei seit dem Putsch in der Türkei stark zurückgeworfen, sagt Andreas Renz, Islamwissenschaftler bei der Erzdiözese München und Freising.

"Aus meiner Sicht würde ich sagen, dass wir da momentan in einer sehr schwierigen Phase sind. Wir spüren die Spannungen, die es innerhalb der türkischstämmigen Muslime gibt: Die einen, die pro Erdogan sind und die anderen, die dagegen sind und entsprechend verfolgt werden. Das spürt man auch in der konkreten Situation vor Ort."

Andreas Renz, Islamwissenschaftler, Erzdiözese München und Freising

Forderung nach Loslösung vom türkischen Staat

Moschee im Dachverband der DITIB

Die DITIB ist zum Hemmschuh geworden. Um ihre Krise zu überwinden, muss sie sich grundlegend ändern und sich nach über 30 Jahren in Deutschland endlich vom türkischen Staat loslösen, so der einstimmige Tenor aus Politik und Kirche. Denn nur eine eigenständige DITIB könne ein zuverlässiger Partner für den interreligiösen Dialog, aber auch für die staatlichen Stellen in Bayern sein. Nicht zuletzt müssten DITIB-Imame in Deutschland ausgebildet werden.


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