Religion


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Populisten-Buddhisten? Kritik an Lama Ole Nydahls Diamantweg

Jedes Jahr Anfang August treffen sich in Immenstadt im Allgäu tausende Buddhisten, um Lama OIe Nydahl zu sehen. Dieser ist nicht unumstritten. Buddhismusforscher äußern Zweifel an Nydahls Legitimation und seine Lehre wird schon mal als Instant-Buddhismus kritisiert. Doch das tut seiner Popularität keinen Abbruch.

Von: Mechthild Klein

Stand: 01.08.2017

Tibetanische Gebetsfahnen hängen am 03.08.2016 über dem Zeltlager des Buddhistentreffens. | Bild: picture-alliance/dpa Karl-Josef Hildenbrand

Seit 40 Jahren zieht Lama Ole Nydahl, der dänische Begründer des Diamantweg-Buddhismus, durch Europa und gründet Zentrum auf Zentrum. In Deutschland gilt diese Gruppe aus der tibetischen Schule des Karma Kagyü  als die größte unter den Buddhisten.

In Immenstadt steht das Europazentrum, dort läuft gerade der Sommerkurs. Das zweiwöchige Treffen, zu dem Besucher aus aller Welt anreisen, findet zum zehnten Mal statt.

Umstrittener Gründer

An dem dänischen Lama Ole Nydahl scheiden sich die Geister. Kritiker werfen ihm einen leicht verdaulichen Lifestyle-Buddhismus vor. Nydahl hingegen, Ex-Hippie, trifft das kaum, er kokettiert mit seinem Image der Promiskuität: In einem Schweizer TV-Interview sagte er einmal, dass er mit 500 Frauen geschlafen habe. In seinen Belehrungen vergleicht er die Vorstufe zur Erleuchtung gern mit Motorradfahren oder Bungee-Jumping. Seine Anhänger lieben ihn für diesen Stil und viele meinen auch, er sei tatsächlich "erleuchtet".

Buddhismus cool oder Buddhismus light?

Diamantweg nennt sich die von Lama Ole gegründete tibetische Richtung aus der Schule der Karma Kagyü. Nach eigenen Angaben betreibt der Diamantweg weltweit über mehr als 650 Zentren, davon 151 allein in Deutschland. Der französische Tibetologe Thierry Dodin allerdings sieht diese Angabe eher skeptisch, da Nydhal auch kleine private Meditationsgruppen als vollständige Zentren zähle. Eine Praxis, die so nicht üblich ist unter buddhistischen Vereinen. Zudem kritisiert der Tibetologe, dass es beim Diamantweg-Buddhismus nur um Spaß gehe.

"In den offiziellen buddhistischen Zentren von Gelugpa, Sakyapa, Kagyüpa und Nyingmapa hat sich alles in Richtung Professionalisierung entwickelt. In gut informierte Diskussion über den Buddhismus, seinen Sinn, was Kultur ist und was überkulturell ist. Sowas sehe ich bei Ole Nydahl nicht, es fehlt einfach die Tiefe."

Thierry Dodin, Tibetologe

Kritik an fragwürdigen Aussagen Nydahls

Zudem fiel der Lama in der Vergangenheit mit fragwürdigen  Aussagen über islamistischen Terror und Flüchtlinge auf. Im vergangenen Jahr äußert er sich in einem Videointerview der "Nordhessen Rundschau" über die Terroranschläge von Islamisten in Brüssel:

"Ich denke, das steht alles im Koran drin: Also man kriegt einen Befehl von ganz oben, von irgendeinem Allah oder sowas, und dann bestärkt man sich darin, Ungläubige zu töten und das alles. Und dann am Ende, was haben wir dann? Dann haben wir Brüssel und Paris. Ein großes Problem, was wir uns da aufgehalst haben. Die Leute hätten einfach nur den Koran lesen müssen und verstehen müssen, (…), dann hätten wir vielleicht nicht so viele über die Grenze geholt oder aus dem Wasser geholt sogar."

Ole Nydahl

Nachdem im Internet eine Diskussion über die Aussagen Nydahls entstand, versuchte dieser, seine Worte zu relativieren. In einer Stellungnahmeschreibt er dem Sender:

"(...) dass ich keineswegs so verstanden werden möchte, als würde ich nicht Menschen aus Lebensgefahr retten oder sie gar ertrinken lassen wollen. (…) Ich bin Däne und bin hier mit meinem Deutsch anscheinend missverstanden worden."

Ole Nydahl

Kritische Lehrer-Schüler-Beziehung

Im tibetischen Buddhismus gibt es das Konzept "verrückte Weisheit" (engl. crazy wisdom). Dieses beinhaltet, dass ein Meister auf unkonventionelle Mittel zurückgreifen kann, um seine Schüler zum Erwachen zu führen. Viele Schüler hinterfragen deshalb ihren Meister und seine Aussagen nicht. Ein Lama steht über aller Kritik.

"Das heißt aber nicht, dass jederzeit alles erlaubt ist. Wenn jemand Äußerungen macht, macht es vielleicht Sinn für den Einzelnen oder für ein paar Leute, für die es bestimmt ist. Wenn aber dieselben Äußerungen vor großen Menschenmengen gemacht werden, dann hat es überhaupt nichts mehr mit individueller Belehrung zu tun."

Thierry Dodin, Tibetologe

Wenn die Position des Meister nicht hinterfragt wird, kann das zum Problem werden, weiß der buddhistische Mönch Tenzin Peljor. Er ist in den tibetischen Traditionen der Gelupgas und Kagyüpas ausgebildet und lehrt beim Bodhicharya-Zentrum in Berlin.

"Es gibt narzisstische Lehrer aus der tibetischen Tradition, die hier unterrichten, die genau hier in ihrem Narzissmus die nötige Unterstützung finden. (…) Am Ende trifft eine narzisstische Persönlichkeit auf einen naiven westlichen Schüler. Das geht am Ende nicht gut."

Tenzin Peljor, buddhistischer Mönch

Tenzin Peljor

Bekannt geworden ist der buddhistische Mönch als kritischer Blogger mit seinen Websites gegen Machtmissbrauch in buddhistischen Gemeinschaften. Er rät, bei der Wahl des Meisters immer genauer hinzusehen.  

Bislang werden diese Probleme in der Gesamtheit der Buddhistischen Gemeinschaften, im Sangha, kaum angesprochen. Die Diamantweg-Buddhisten stellen in der Deutschen Buddhistischen Union, dem Dachverband der deutschen Buddhisten, die Mehrheit. Und sie werden innerhalb des Dachverbandes nicht öffentlich kritisiert, getreu dem Motto: Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür. Das hat Tradition unter buddhistischen Gemeinschaften und es ist zugleich eine Methode, die dazu einlädt, wegzuschauen.


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