Religion


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Debatte neu entfacht Auch in Deutschland wird wieder über Abtreibungen diskutiert

Zum sogenannten „March for life“, dem „Marsch für das Leben“ kamen am 27. Januar in Washington Abtreibungsgegner aus allen Teilen der USA zusammen. Sie haben mit Donald Trump nun einen Präsidenten im Weißen Haus, der beim Thema Lebensschutz ganz auf ihrer Seite steht. Auch nationalkonservative Parteien in Europa haben das Thema Abtreibung für sich entdeckt. Auch die AfD strebt eine Verschärfung des Abtreibungsrechts an.

Von: Antje Dechert

Stand: 27.01.2017

Eine Demonstration von "March for life" | Bild: picture-alliance/dpa/ Jacquelyn Martin

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat der neue US-Präsident ein Wahlversprechen eingelöst, indem er ein Abtreibungs-Dekret erlassen hat. Das sieht vor, alle staatlichen Zuschüsse für Organisationen zu streichen, die im Ausland - etwa in Entwicklungsländern – Schwangerenkonflikt-Beratungen und medizinische Dienste für Schwangerschaftsabbrüche anbieten. In einem nächsten Schritt will er die staatliche Finanzierung von Abtreibungen auch in den USA dauerhaft verbieten. Ein entsprechendes Gesetz wurde im Repräsentantenhaus Mitte der Woche verabschiedet. Es fehlt nur noch die Zustimmung des Senats.

Auch bei europäischen Nationalkonservativen ein Thema

In Polen wollte die rechtspopulistische Regierung Ende letzten Jahres ein Abtreibungsverbot durchsetzen, machte aber angesichts großer Proteste einen Rückzieher. In Frankreich macht sich Marine Le Penn gegen Abtreibungen stark. Und in Deutschland strebt die AfD eine Verschärfung des Abtreibungsrechts an.

Applaus für Trump kommt hierzulande aber auch von christlichen Lebensschützern. Die CDU-Politikerin Mechthild Löhr ist die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben, eine Organisation von Unionspolitikern, die dagegen sind, dass die Kosten für Schwangerschaftsabbrüche von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Sie werten Trumps Abtreibungs-Dekret als Kehrtwende zum Lebensschutz.

Scharfe Kritik von NGOs und Kirchen

NGOs dagegen kritisieren Trumps Abtreibungs-Dekret als ein frauenrechtliches Desaster – gerade für Frauen in Entwicklungsländern. Die Regelung führe dort nicht zu weniger Abbrüchen, sondern zu unverantwortlichen Praktiken in Hinterzimmern, kritisierte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung. Auch vergewaltigten Frauen stünden dann keine sicheren Abtreibungsdienste mehr zur Verfügung. Kritik an Trumps Entscheidung kommt auch aus dem katholischen Lager.

"Ich kann dazu wirklich nur entsetzt den Kopf schütteln. Sich Pro-Life zu nennen und dann zu vergessen, dass man kein Leben retten kann, jenseits der Mutter, dass man zur Rettung des Lebens immer die schwangere Frau braucht. Das ist einfach einfältig."

Elfriede Schießleder, die bayerische Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes

Beratung statt Verbot

Dass es zum Lebensschutz keine Einschränkung des Abtreibungsrechts braucht, dafür sei das deutsche Modell der beste Beweis, sagt auch die CSU-Politikerin und bayerische Landesvorsitzende der Schwangeren-Konfliktberatung Donum Vitae Maria Eichhorn. In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche unter gewissen medizinischen und psychischen Indikationen straffrei. Pflicht ist eine vorangehende Schwangerschaftskonfliktberatung.

"Tatsache ist, dass wir aufgrund der Beratungsregelung wesentlich weniger Abbrüche haben prozentual gesehen wie zum Beispiel in anderen europäischen Ländern wie Italien oder Spanien, die ja sehr katholische Länder sind. Und ich bin der Überzeugung, wenn wir diese Beratung zum Leben nicht hätten, hätten wir wesentlich höhere Abtreibungszahlen und das wird vielleicht von diesen Menschen nicht gesehen."

Maria Eichhorn (CSU), Landesvorsitzende Donum Vitae


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