Religion


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Der Katakombenpakt Bischöfe verpflichten sich zu bescheidenem Leben

Verzicht auf teure Dienstwägen, Bischofspaläste und prunkvolle Ornate: 40 Bischöfe unterschreiben im November 1965 den sogenannten Katakombenpakt. Sie machen es sich zur Aufgabe, arm zu leben und für die Rechte der Armen zu streiten.

Stand: 30.03.2016

Die alte Kolonialstadt Olinda und das moderne Recife im Hintergrund - Bischofssitz von Dom Helder Câmara. | Bild: © SWR/SWR/Bernd Seidl, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung bei Nennung "Bild: SWR/SWR/Bernd Seidl" (S2). SWR-Pressestelle/Fotoredaktion, Baden-Baden, Tel: 07221/929-22287, Fax: -929-22059, foto@swr.de.

Am 16. November des Jahres 1965 steigen in Rom rund 40 Bischöfe – Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils – in die Domitilla-Katakomben hinab, feiern einen Gottesdienst und unterzeichnen eine radikale Selbstverpflichtung. Weitere 500 Bischöfe schließen sich der Selbstverpflichtung an.

Bischof Dom Helder Càmara: Einsatz für die Armen

Katakombenpakt Rom | Bild: picture-alliance/dpa

Für eine Erneurung der Kirche: Bischof Dom Helder Càmara (1909 - 1999)

Hat die Kirche ihren Auftrag vergessen, an der Seite der Armen zu stehen und für sie Partei zu ergreifen? Mit dieser und anderen Fragen ist schon der brasilianische Bischof Dom Helder Câmara zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nach Rom gereist. Nacht für Nacht notiert er während der Konzilssitzungen seine Gedanken. Es sind sehr persönliche Notizen, geprägt von weitreichenden Visionen für eine Erneuerung der Kirche und für eine gerechtere Welt. Helder Câmara ist ein Netzwerker und hat großen Einfluss auf die Diskussionen des Konzils. Er engagiert sich mit anderen Bischöfen für eine "dienende und arme Kirche". Als 1965 das Konzil ohne ein klares Statement zu Armut und Gerechtigkeit in der Welt zu Ende geht, unterzeichnen er und 500 seiner Kollegen den Katakombenpakt – das Gegenmodell zu einer feudalen, hierarchisch organisierten, selbstherrlichen Kirche.

Mit Papst Franziskus lebt die Idee des Katakombenpaktes wieder auf

Papst Franziskus | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Arme Kirche, Kirche der Armen Papst Franziskus und der Katakombenpakt

Der Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel überreichte Papst Franziskus 2013 ein Exemplar des sogenannten Katakombenpakts, eine Vereinbarung einer Gruppe von Konzilsbischöfen, sich für die Armen einzusetzen. [mehr]

Nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer verlassen die Bischöfe ihre Residenzen, legen ihre goldenen Ringe und Kreuze ab, um so ein eindeutiges Zeichen für die Solidarität mit den Armen zu setzen. Vor allem in Lateinamerika wird die Option für die Armen mehr und mehr zum Leitmotiv der Kirche. In den Dokumenten der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz findet die Hinwendung zum einfachen Volk seinen Niederschlag. Dieser Geist prägt auch den früheren Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio. Die Dokumentation von Bernd Seidl und Wolfgang Rommel erzählt die Geschichte des Katakombenpakts und seiner Entstehung. Originaldokumente, Archivmaterial und Zeitzeugen zeichnen ein eindrucksvolles Bild vom lebhaften Geschehen hinter den Kulissen des Konzils.

Literaturhinweis

Nobert Arntz: Der Katakombenpakt - Für eine dienende und arme Kirche
Topos Taschenbuch 2015


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