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Produkt-Fälschungen Echte Schnäppchen?

Schick, schön, unschlagbar billig – und nur einen Mouse-Klick entfernt. Wer geschickt Angebote und Preise vergleicht, kann in Online-Shops günstig einkaufen. Aber Vorsicht: Schneller als man denkt, ist man Produkt-Fälschern auf den Leim gegangen. Und steht am Ende mit leeren Händen da.

Stand: 25.05.2012

Der Zoll beschlagnahmt täglich gefälschte Produkte | Bild: BWZ

Post vom Zoll

Ein stylisches Smartphone aus dem Online-Shop für weniger als Hundert Euro, da muss Gudrun S. einfach zuschlagen. Aber das vermeintliche Schnäppchen kommt nie bei ihr an. Dafür erhält sie Post vom Zoll: Das Handy wurde beschlagnahmt, es sei eindeutig ein Plagiat. "Die Ware sieht anderen Marken-Handys zum Verwechseln ähnlich, kostet aber anstatt mehrerer Hundert nur rund 70 Euro", so Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. "Da liegt der Fälschungs-Verdacht nahe."

Vorsicht beim Online-Shopping

Wer Produkte von Internet-Händlern kauft, die außerhalb der Europäischen Union sitzen, sollte grundsätzlich vorsichtig sein und sich vorab genau über den Firmensitz, die Zahlungs- und Liefer-Bedingungen informieren. "Zudem gelten außerhalb der EU oft weniger strenge Verbraucherschutz- und Urheberrechts-Bestimmungen", so die Expertin. Außerdem können Zusatzkosten wie Zölle und Einfuhrsteuern anfallen.

Umgang mit Produkt-Fälschungen

Nicht ganz echt: gefälschte Marken-Produkte.

Alle Postsendungen, die als Luftfracht nach Deutschland kommen, prüft der Zoll in Frankfurt. Geschulte Beamte nehmen gezielte Stichproben. Bei Verdacht - beispielsweise wenn am Paket eines Händlers kein Zahlungshinweis angebracht ist - öffnen Zoll-Mitarbeiter die Postsendung. Sie ziehen täglich Fälschungen aus dem Verkehr: Elektro-Produkte, Designer-Mode, Medikamente. "Wir kennen die internationalen Warenbewegungen genau", so Thomas Meister vom Münchner Zoll. "Produkte aus China kontrollieren wir zum Beispiel verstärkt nach Fälschungen." Die Zahl der aufgegriffenen Plagiate ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen: 2010 beschlagnahmte der Zoll im Postverkehr rund 17.000 Produkte, im Jahr 2009 waren es noch rund 6.000.

Schlechte Qualität und Gesundheitsgefahr

"Gefälschte Marken-Kleidung erkennen Sie spätestens daran, dass sie nach dem ersten Waschen zwei Nummern kleiner ist", sagt Thomas Meister vom Münchner Zoll. Geradezu gefährlich sei der Kauf gefälschter Medikamente oder Elektro-Produkte. "Denn hier bestehen häufig Gefahren für die Gesundheit. Wir haben schon erlebt, dass Akkus gefälschter Handys explodiert sind."

Im Auftrag der Rechte-Inhaber

Zoll-Mitarbeiter gehen im Auftrag der Marken-Inhaber gegen Produkt-Piraterie vor. Vom Hersteller der Original-Ware erfahren sie auch die Merkmale, an denen sie Plagiate erkennen können. Der Rechte-Inhaber entscheidet auch, ob er zivilrechtlich gegen Fälschungen vorgeht, so Meister. "Es kann durchaus passieren, dass Kunden, die unwissentlich gefälschte Ware gekauft haben, eine Unterlassungs-Erklärung unterschreiben müssen." Die Marken-Ihnaber können die Plagiate aber auch vernichten lassen. So war es bei Gudrun S. Das gefälschte Smart-Phone aus dem Online-Shop hat der Zoll mittlerweile verschrotten lassen. Die 70 Euro, die sie vorab an den Internet-Händler überwiesen hat, wird sie vermutlich nicht mehr wieder sehen. Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern: "Da sich der Firmen-Sitz nicht klar ermitteln lässt, kann man keine Klage zustellen. Das heißt, das Geld ist verloren."


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