Ratgeber - Verbrauchertipps


1

Private Altersvorsorge Viele Freiheiten, viele Fallstricke

Der Dschungel auf dem privaten Vorsorgemarkt ist unübersichtlich. Doch wer zusätzlich zu den staatlich geförderten Produkten wie Riester oder Betriebsrente noch Geld übrig hat und in eine private Vorsorge investieren will, muss gut beraten sein.

Stand: 26.11.2013
Illustration: Geldscheine unter der Bettdecke, im Hintergrund Firmengebäude | Bild: BR/ Anna Hunger

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe bei der Suche nach dem passenden Produkt: Einen Finanzberater zu finden, der gut berät und nicht nur seine eigenen Prämien im Auge hat. Wer sich vorher informiert - zum Beispiel über die Sonderhefte zur Altersvorsorge der Stiftung Warentest oder Broschüren der Verbraucherzentralen - und sich einen Termin bei einer Verbraucherberatung geben lässt, ist schon mal auf dem richtigen Weg.

Langer Atem ist nötig

Nicht unantastbar

Bei Beantragung von Hartz IV oder ALG II müssen Sie Ihre private Altersvorsorge auflösen und für den Lebensunterhalt verwenden. Bei staatlich geförderten Riester-Verträgen ist das nicht der Fall.

Viele private Renten- oder Lebensversicherungsverträge werden frühzeitig aufgelöst, weil die Einzahler unzufrieden mit ihrem Vertrag sind. Doch eine Kündigung will gut überlegt sein: Meist lohnt sich das nur in einer sehr frühen Phase, also in den ersten zwei oder drei Jahren nach Vertragsbeginn. Später ist es meist lohnender, den Vertrag weiterzuführen. Denn bei einem Wechsel fallen neue Provisionen an, die nur dem Finanzmakler etwas bringen. Außerdem muss man den Rückkaufswert versteuern. Zudem ist man älter und hat damit weniger Jahre bis zum Rentenbeginn.

Die richtige Strategie

Wie stelle ich mir meinen Lebensabend vor?

Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, ob Sie Ihr Geld vielleicht nicht doch für einen Wohnungskauf oder eine andere große Anschaffung brauchen, sollten Sie keine private Rentenversicherung abschließen - denn damit binden Sie sich für lange Zeit. Parken Sie Ihr Erspartes lieber auf einem Tages- oder Festgeldkonto, sodass Sie flexibel bleiben.

Spartipps:

Der beste Schutz für Ihr Vermögen liegt darin, es breit zu streuen. Setzen Sie nicht nur auf eine Anlageform und nicht nur auf ein Unternehmen.

Beachten Sie: Wenn Sie eine Renten- oder Lebensversicherung abschließen, binden Sie sich sehr lange. Wenn sich die Lebensumstände verändern, ist es aber nützlich, flexibel über sein Geld verfügen zu können.

Meiden Sie Angebote, die Sie nicht verstehen. Fragen Sie kritisch nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Es gibt keine dummen Fragen, nur undurchsichtige Angebote.

Fragen Sie, wieviel Provision Ihr Anlagenberater für den Abschluss Ihrer Versicherung bekommt.

Lassen Sie sich detailliert aufschreiben, welche Kosten über die gesamte Laufzeit bei einer privaten Altersvorsorge auf Sie zukommen.

Es ist hilfreich, nicht alleine zu einem Beratungsgespräch bei einer Bank oder bei einem Finanzmakler zu gehen. Vier Ohren hören mehr - und so haben Sie auch einen Zeugen, falls es Ärger geben sollte.

Lassen Sie sich nicht einreden, dass gute Produkte teuer sein müssen. Hohe Kosten bedeuten auch weniger Rendite.

Beiträge von Lebensversicherungen und Rentenversicherungen sollten jährlich und nicht monatliche bezahlt werden, das spart Zuschläge.

Beiträge zu Fondspolicen sollten dagegen monatlich gezahlt werden, so kann man besser von Kursänderungen profitieren.

Verlieren Sie nicht den Kopf, wenn die Kurse Ihrer Fonds sinken, sondern zahlen Sie konsequent weiter ein. Nur so können Sie den Durchschnittskosteneffekt nutzen - auf ein Tief an der Börse folgt wieder ein Hoch.

Unternehmensbeteiligungen sind eine sehr unsichere Anlageform. Davon sollte man die Finger lassen, da es keinerlei Sicherheiten gibt. Dafür verdienen Vermittler besonders gut daran und beraten schlecht.

Der Schutz von Hinterbliebenen sollte mit einer Risikolebensversicherung abgefangen werden, nicht mit einer Kapitallebensversicherung oder einer privaten Rentenversicherung.

Sinkender Garantiezins

Der Garantiezins von privaten Lebens- oder Rentenversicherungen, also der Prozentsatz, den man zusätzlich zu den eingezahlten Beträgen später ausgezahlt bekommt, liegt seit 2012 bei 1,75 Prozent. Das ist wesentlich niedriger als bei alten Verträgen, die zum Beispiel in den 90er-Jahren geschlossen wurden. Doch der Garantiezins ist nur ein Indikator für die spätere Rentenhöhe: Erwirtschaftet das Unternehmen durch gute Anlagestrategien Überschüsse, werden diese an die Kunden weitergegeben - das erhöht die spätere Rente. Allerdings darf man in einer Niedrigzinsphase, in der wir uns befinden, keine allzu hohen Überschussbeteiligung erwarten. Aus Angst vor Börsencrashs investieren die Versicherungsunternehmen eher konservativ, was ebenfalls die Gewinne schmälert.

Varianten der privaten Vorsorge

Lebensversicherung

Die private Lebensversicherung ist "out", seit der Garantiezins immer weiter sinkt. Wenn nicht glücklich, dann doch einigermaßen zufrieden kann man sich mit einer Lebensversicherung schätzen, die vor längerer Zeit abgeschlossen wurde. Da liegt der Garantiezins noch um einiges höher und man muss bei der Auszahlung nichts versteuern, wenn man eine Einmalzahlung wählt. Bei Verträgen ab 2005 muss man die Hälfte der Auszahlung versteuern. Dazu muss der Sparer mindestens 60 Jahre alt und der Vertrag zwölf Jahre gelaufen sein. Wenn möglich, zahlen Sie Ihre private Lebensversicherung jährlich ein, das spart Kosten für die Ratenzahlung.

Im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge, zum Beispiel als Direktversicherung, kann eine Kapitallebensversicherung sinnvoll sein. Siehe dazu:

Rentenversicherung

Vorteile der privaten Rentenversicherung: Ihre Rente ist garantiert bis zum Tod - das Geld ist also nicht irgendwann mal aufgebraucht wie bei einer Lebensversicherung. Sie können allerdings auch eine Einmalzahlung wählen. Außerdem bekommen Sie schon eine Mindestrente bei Vertragsabschluss garantiert.

Rentenzahlungen aus privaten Rentenversicherungen sind nur zu einem geringen Teil steuerpflichtig. Dafür erhält man während der Ansparphase keine steuerlichen Vorteile wie bei einem staatlich geförderten Riestervertrag oder einer Betriebsrente.

Nachteile: Hohe Kosten drücken die Rendite stark. Man bindet sich lange an einen Versicherer, von dem man nicht sagen kann, wie gut er wirtschaften wird.

Bank-/Fondssparplan

Eignet sich für alle, die nur unregelmäßig sparen können. Man kann je nach Liquidität mal mehr oder mal weniger einzahlen. Im Vergleich zu einer klassischen Renten- oder Lebensversicherung fallen auch weniger Kosten an. Auszahlungen muss man mit 25 Prozent Abgeltungssteuer versteuern. Banksparpläne sind eher für konservative Sparer, Fondssparpläne eignen sich für Anleger mit mehr Lust auf Risiko. Letztere eignen sich besonders auch für junge Sparer, die noch genügend Zeit haben, Börsencrashs auszusitzen.

Fondspolicen

Schließt man eine fondsgebundene Rentenversicherung ab, sollte man sich mit Investmentfonds auskennen. Denn hier muss man selber regelmäßig überprüfen, ob die ausgewählten Fonds noch genügend Rendite abwerfen. Theoretisch kann man das auch dem Versicherungsunternehmen überlassen, doch viele Fonds sind nicht so ertragreich, wie vom Versicherungsmakler versprochen. Laut Stiftung Warentest sind von 22 Anbietern nur drei gut (Test 11/2011). Diese Geldanlage eignet sich deshalb nicht für jemanden, der nach der Abschluss eines Vertrages lieber seine Ruhe haben will.


1