Ratgeber - Verbrauchertipps

Hintergrund Online-Shopping

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Vertrauen beim Online-Kauf Was taugen Gütesiegel?

Kennen Sie das auch? Das ungute Gefühl, wenn man seine Kreditkarten- oder Kontonummer bei einem Online-Shop angibt, bei dem man noch nie etwas gekauft hat? Der Wunsch nach Sicherheit bei Einkäufen im Internet ist groß. Viele Händler werben daher mit Gütesiegeln - doch was taugen die wirklich?

Stand: 22.11.2013

Frau kauft per Computer ein, diverse Gütesiegel für Online-Shops | Bild: Colorbox, Trusted Shops, Tüv Süd, datenschutz cert GmbH, EHI Retail Institute

Ein Gütesiegel für sichere Internetshops wäre da schon hilfreich - aber nur eines, das auch hält, was es verspricht. Als verlässlich und relativ weit verbreitet gelten in Deutschland laut des gemeinnützigen Vereins "Initiative D21" vier Gütesiegel, mit denen 2011 ingesamt rund 7.500 Internetshops ausgezeichnet wurden.

Verlässliche Gütesiegel

TÜV SÜD

Tüv Süd Gütesiegel | Bild: Tüv Süd

"S@fer Shopping" von TÜV SÜD überprüft die ausgezeichneten Shops einmal im Jahr. Jedes Siegel - das trifft auch auf die anderen zu - ist also nur eine Momentaufnahme.

Trusted Shops

Trusted Shops Gütesiegel | Bild: Trusted Shops

Das Trusted Shop-Siegel ist auch international weit verbreitet.

EHI-Siegel

EHI-Gütesiegel | Bild: EHI Retail Institute

Internet Shopping Gütesiegel EHI: Das EHI ist ein wissenschaftliches Institut des Handels. Alle seriösen Gütesiegel-Initiativen legen ihre Prüfungskriterien offen - zum Beispiel Datensicherheit, Bezahlvorgang, Kundenservice usw.

Internet Shopping Gütesiegel ips

Internet Shopping Gütesiegel ips | Bild: datenschutz cert GmbH

ips steht für "internet privacy standards". Alle hier genannten Siegel sind in der Initiative D21 zusammengefasst.

Die schwarzen Schafe bleiben im Dunkeln

Auch wenn die Siegel für den Verbraucher hilfreich sind: Noch besser wäre es, wenn auch angegeben wird, welche Unternehmen negativ getestet worden sind, damit der Verbraucher umfassend informiert ist. Ein Wunsch, der wohl unerfüllt bleiben wird, denn getestet werden nur Unternehmen, die aktiv ein entsprechendes Zertifikat beantragen - und dafür bezahlen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jeder Internetkunde selbst ein Gefühl für die Seriosität eines Internetshops entwickelt.

Link-Tipp

Nähere Informationen zur Initiative sowie den vorgestellten Gütesiegeln erhalten Sie unter:

Shops ohne Siegel

Nicht jeder Shop wirbt mit einem der vier genannten Siegel - oder mit einem anderen. Was nicht bedeutet, dass solche Shops von Haus aus unseriös wären: Gerade Kleinunternehmer oder Upstarter können solch einen Siegelerwerb zu Beginn ihrer Online-Karriere finanziell oft gar nicht stemmen. Der TÜV verlangt beispielsweise mehrere tausend Euro Gebühr, selbst bei kleinsten Shops - und das jährlich, wohlgemerkt. Trusted Shops schlägt immer noch mit mindestens mehreren hundert Euro pro Jahr zu Buche. Kritiker könnten somit einwenden, dass mit dem Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher ordentlich Kasse gemacht wird. Denn auf dem freien Markt gilt eine einfache Faustregel: Wenn zwei vergleichbare Shops ein vergleichbares Sortiment anbieten, entscheidet oft genug das Vorhandensein eines Gütesiegels darüber, wer die Nase vorn hat.

Kundenbewertungsportale

Trusted Shops und eKomi gehören in Deutschland zu den bekannteren Anbietern von Kundenbewertungsportalen.

Neben Qualitätssiegeln gibt es auch Kundenbewertungsportale. Diese testen nicht den Shop, sondern stellen dem Shopanbieter zum Teil gebührenpflichtige Anwendungen zur Verfügung, die im Shop eingebunden werden. Kunden, die in diesem Shop eingekauft haben, können per zugesandter Mail eine Bewertung zu ihrem Einkauf abgeben. Der Durchschnitt dieser Bewertungen wird dann auf der Homepage des Shops abgebildet. Für viele Shopbetreiber stellen solche Bewertungsportale eine günstige Alternative zu den meist sehr viel teureren Zertifizierungen dar, um beim Kunden Vertrauen zu schaffen. Inwieweit solche Bewertungen autenthisch oder verlässlich sind, ist umstritten. Faustregel: Je mehr Kundenmeinungen abgebildet sind, desto authentischer sind diese.

Kritiker bemängeln zudem, dass solche Portale zum Teil sehr verkäuferfreundlich sind und Kritik oft nicht abgebildet wird. Andererseits können Kundenmeinungen neuen Shopbesuchern oft einen wertvollen ersten Eindruck bieten. Manche Dienstleister bieten sowohl Shop-Zertifizierungen als auch Kundenbewertungsportale an, zum Beispiel Trusted Shops.

Echt oder gefälscht?

Ein Blick auf die Homepage des Gütesiegel-Betreibers kann Aufschluss darüber geben, ob der Shop tatsächlich dort registriert ist.

Ein Gütesiegel - oder Bewertungsportal - sollte auf jeden Fall auf eine entsprechende Seite des Unternehmens verlinken, welches das Zertifikat anbietet. Dort wird genau aufgeführt, weshalb der Shop berechtigt ist, mit dem Siegel zu werben, meist in Form eines Zertifikats. Sollte kein Link vorhanden sein, handelt es sich mit einiger Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, wenden Sie sich direkt an den Gütesiegelvertreiber und fragen nach, ob der Shop tatsächlich registriert ist. Viele Zertifizierer bieten auf ihren Webseiten eine entsprechende Stichwortsuche.

Siegel ist nicht gleich Siegel

"https": Dieses Kürzel steht für eine verschlüsselte Verbindung.

Manche Online Shops werben auch mit Siegeln, die die sichere Datenverbindung garantieren sollen. Dass persönliche Daten wie Kreditkarten- oder Kontonummern über eine sichere ssl-Verbindung von Rechner zu Server geschickt werden, gehört allerdings längst zum minimalen Standard und sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Eine sichere Verbindung erkennt der Verbraucher in der Regel am Kürzel https://, das der Internet-Adresse vorausgeht, im Gegensatz zum Standardkürzel "http://".

Genau hinsehen

Was Gütesiegel im Allgemeinen betrifft, hilft es oft, in Internetforen gezielt nach den Erfahrungen anderer User zu forschen. Ebenso ist ein Blick ins Impressum des Shops hilfreich: Sind Firmenname, Inhaber und Adresse vollständig? Ist eine Festnetznummer angegeben? Es sollte auf alle Fälle stutzig machen, wenn nur ein Postfach oder eine Handynummer angegeben ist, oder das Impressum völlig fehlt - denn ein Impressum ist gesetzlich vorgeschrieben. Hundertprozentigen Schutz gibt es leider nicht: Auch Siegel, Impressum und ein seriöser Auftritt können gefälscht werden.


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