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Neues EU-Reifenlabel Kennzeichnung mit Schwächen

Seit dem 1. November ist das neue EU-Reifenlabel auch hierzulande Pflicht und gilt für Autoreifen, die ab Mitte 2012 produziert wurden. Zugeschnitten ist das Label allerdings für Sommerreifen, für Winterreifen taugt es nicht als Kriterium.

Stand: 23.10.2012
 neues EU-Reifen-Label | Bild: picture-alliance/dpa

Das neue Kennzeichnungssystem bewertet folgende Kriterien eines Autoreifens: Rollwiderstand, Außengeräusch und Nasshaftung. Die Buchstaben-Symbolik erinnert an die Energielabel von Haushaltsgeräten. Insgesamt gibt es sieben Noten, wobei das dunkelgrüne "A" die Bestnote darstellt, ein rotes "G" das Schlusslicht.

Die geprüften Kriterien:

Rollwiderstand

Der Rollwiderstand gibt Aufschluss über den Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs: Auf die Reifen entfallen immerhin bis zu 30 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs, insofern ist dieser Wert ein nicht zu unterschätzendes Kriterium.

Außengeräusch

Der Lärmpegel des Reifens wird in Dezibel angegeben und zusätzlich graphisch dargestellt: ein Lautsprecher, von dem schwarze Schallwellen ausgehen. Je höher die Anzahl der schwarzen Schallwellen, desto lauter ist der Reifen.

Nasshaftung

Dieser Wert gibt an, wie gut die Reifenhaftung bei nasser Fahrbahn ist.

Wie aussagekräftig ist das Label?

Viele Experten sind sich einig, dass das Label insgesamt zu wenig über die vielfältigen Merkmale eines Reifens aussagt. Von rund 20 relevanten Leistungsmerkmalen werden nur drei bewertet. Hinzu kommt, dass einige Werte sich gegenseitig ausschließen, was die Bewertung betrifft. Ein Beispiel: Je besser die Nasshaftung, desto höher ist meist auch der Rollwiderstand - Bestnoten in beiden Disziplinen dürften daher nur die wenigsten Modelle schaffen.

Welche Autoreifen sind betroffen?

Die sogenannte DOT-Nummer an der Reifenseite gibt Aufschluss über das Alter des Reifens. "2712" bedeutet: Der Reifen wurde in der 27. Woche des Jahres 2012 hergestellt - ab dieser Produktionswoche sind alle Reifen kennzeichnungspflichtig. Ausnahmen gelten für runderneuerte Reifen, professionelle Geländereifen sowie Rennreifen.

Sicherheit vor Ökonomie

Der Auto Club Europa e.V. (ACE) empfiehlt auf seiner Internetseite, Reifen mit einer besseren Nasshaftung anderen Fabrikaten vorzuziehen – auch wenn dadurch die Energieeffizienz-Klasse absinkt:

"Bei einer Fahrt von Flensburg nach Passau kann man mit einem Reifen, der in der Kategorie 'Rollwiderstand' um eine Klasse besser ist, etwa einen Liter Sprit sparen – das sind derzeit 1,75 Euro. Beim Bremsweg auf nasser Fahrbahn verlängert sich dieser jedoch von Klasse zu Klasse um jeweils sechs Meter – das kann entscheidend sein, ob der Fahrer vor oder hinter einem Zebrastreifen zum Stehen kommt!"

ace-online.de, Oktober 2012

Darüberhinaus lasse sich durch eine zurückhaltende Fahrweise weit mehr sparen als durch Reifen, so die Meinung des ADAC-Reifenspezialisten Ruprecht Müller.

Gefährliche Manipulationen?

Das neue Label im Detail

Ein weiterer Kritikpunkt am neuen Label: Die Prüfung und Ermittlung des jeweiligen Wertes der Testkriterien wird vom jeweiligen Hersteller durchgeführt, nicht von neutralen Prüfinstituten. Zwar liegen dem Test spezielle Rahmenbedingungen zugrunde, trotzdem befürchtet der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD), dass dadurch manipulierte Billigimporte auf den Markt gelangen könnten. Übrigens: Auch das Zeichen "M + S" für Winterreifen ist nicht geschützt und ist daher kein definitiv verbindliches Merkmal für die Wintertauglichkeit von Reifen.

Irreführende Kennzeichnung

Die Bewertung, auch darin sind sich viele Fachleute und Verbände einig, ist besonders verwirrend, was Winterreifen betrifft. Kriterien, die speziell für Winterreifen wichtig sind, werden nämlich nicht erfasst. Dazu gehören unter anderem Angaben zu den Bremseigenschaften sowie zur Kurvenhaftung auf Schnee und Eis.

Selbst der beste Winterreifen könnte nach den aktuellen Kriterien bestenfalls die Note "C" erreichen, ließ der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) über eine Presseeklärung mitteilen. Beim Winterreifenkauf solle man daher primär auf das Schneeflockensymbol an der Reifenflanke achten, so der ARCD.

Unsere Empfehlung:

Lassen Sie sich beim Winterreifenkauf nach wie vor vom Fachmann beraten, beachten Sie außerdem aktuelle Winterreifentests ( z.B. Stiftung Warentest). Das neue Label eignet sich nicht als Kriterium für den Kauf von Winterreifen.

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