Ratgeber - Verbrauchertipps


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Versandhandel & Rückgaberecht Die Sache mit dem Widerrufsrecht

Wer es bequem mag, bestellt per Internet, Katalog oder telefonisch. Doch entsprechen die gelieferten Waren nicht immer den Erwartungen. Dann heißt es: Zurück mit dem Paket! Doch auch der Missbrauch des Widerrufsrechtes nimmt zu.

Stand: 21.04.2015

Junge Frau, die mit einem Handy telefoniert | Bild: colourbox.com

Bei Bestellungen im Internet oder Katalog gibt es genaue Regeln: Das Bestellte darf innerhalb von 14 Tagen (inklusive Wochenende und Feiertage) ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden. Das ist das gesetzliche Widerrufsfrist.

Keine Frist ohne Widerrufsbelehrung

Widerrufsrecht für Verbraucher auf einem Kaufvertrag

Die vierzehntägige Widerrufsfrist beginnt dann, wenn der Händler den Käufer in Textform, also per Fax, E-Mail oder schriftlich ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht informiert hat und der Käufer seine Ware erhalten hat. Wurde die Ware im Internet ersteigert, muss der Käufer unverzüglich nach Auktionsende über das Widerrufsrecht informiert werden. Dann gilt die Widerrufsfrist ab Eingang der Ware. Wenn der Verkäufer bei Fernabsatzgeschäften, also Verkäufen nach Bestellung, den Käufer nicht über sein Widerrufsrecht informiert, kann der Käufer den Vertrag sogar ohne zeitliche Beschränkung widerrufen.

Kommentarlos zurückschicken reicht nicht

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Wer im Internet einkauft oder bei einem Versandhändler bestellt, für den gelten neue Regeln. Die Rücksendekosten können nun auf die Kunden abgewälzt werden, auch das Verfahren beim Widerruf hat sich geändert. [mehr]

Seit Juni 2014 muss man den Widerruf ausdrücklich erklären, und zwar am besten schriftlich. Ein kommentarloses Zurückschicken der Ware reicht nicht mehr aus. Der Widerruf kann formlos erfolgen, in einem Satz. Angegeben werden sollte auf jeden Fall die Kundennummer, Bestellnummer und das Datum. Eine Begründung ist nicht notwendig. Auch telefonisch kann man widerrufen, mit der Schriftform ist man aber, falls es zum Streit kommt, auf der sichereren Seite. Bei sehr teuren Waren ist eine Rücksendung per Einschreiben überlegenswert.

Ausnahmen

Bei Rückgaben unbedingt die Fristen beachten!

Es gibt bestimmte Waren, für deren Kauf ein Widerruf ausgeschlossen ist: Individuell gefertigte Produkte, wie zum Beispiel auf Maß geschreinerte Möbel, verderbliche Produkte, sowie solche, die nicht zurückgeschickt werden können (wie zum Beispiel Heizöl). Software, CDs, DVDs und Videos, deren Schutzfolie aufgerissen oder Siegel gebrochen wurde, muss der Händler ebenfalls nicht zurücknehmen. Auch viele Dienstleistungen sind vom Widerrufsrecht ausgenommen.

Transport und Unterbringung: Storno statt Widerruf

Das Widerrufsrecht gilt nicht für Reisebuchungen oder Transportverträge wie Flugbuchungen. Das betrifft auch Fernabsatz-Verträge. Geregelt wird dies ausdrücklich durch § 312 b des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB): Ausgenommen vom Widerrufsrecht werden dort Dienstleistungen der Bereiche Unterbringung und Beförderung.

Ist eine Reise einmal verbindlich gebucht - auch per Mausklick oder Telefonat - bleibt dem Verbraucher nur die Möglichkeit der Stornierung, was abhängig vom Zeitpunkt in aller Regel mit entsprechenden Stornogebühren verbunden ist. Der Abschluss einer Reiserücktrittskostenversicherung kann daher unter Umständen sinnvoll sein.

Es darf geprüft werden

Kundenservice

Einige große Versandunternehmen sind kulant und räumen gegenüber dem Kunden eine Rückgabefrist von bis zu 100 Tagen ein. Der neueste Werbe-Trend, vor allem bei Textilien und Schuhen: Mehrere Modelle bestellen, eins aussuchen und bezahlen, den Rest kostenlos retour senden.

Abgesehen von diesen Ausnahmen liegt dem Widerrufsrecht der Grundsatz zugrunde, dass der Kunde die Möglichkeit haben muss, die Ware zu prüfen. Im Ladengeschäft geschieht dies meist gleich vor Ort, beim Autokauf etwa per Probefahrt. Dieses Recht gilt auch für Versandkunden, sie können die Ware jedoch erst daheim prüfen und bei Nichtgefallen anschließend den Kauf widerrufen - und das gilt selbst für so ausgefallene Versandartikel wie Wasserbetten.

Wann haftet der Kunde?

Allerdings darf der Kunde die Ware nicht so behandeln, als würde sie ihm bereits gehören, sprich: Die Ware darf zwar geprüft werden, aber nur auf eine Art und Weise, wie das auch in einem Geschäft in Beisein eines Veräufers erfolgen würde.

Link-Tipp

Der komplette Wortlaut zu § 312e BGB: "Wertersatz bei Fernabsatzverträgen" finden Sie unter:

Laut Bürgerlichem Gesetzbuch, §312e, hat der Verbraucher Wertersatz für die Nutzung von Waren nur dann zu leisten, "soweit er die Ware in einer Art und Weise genutzt hat, die über die Prüfung der Eigenschaften und der Funktionsweise hinausgeht, und wenn er zuvor vom Unternehmer auf diese Rechtsfolge hingewiesen ... und über sein Widerrufs- oder Rückgaberecht belehrt worden ist." Die Beweislast liegt grundsätzlich beim Händler.

Unzulässig von Seiten des Händlers sind:

  • Pauschale Bearbeitungsgebühren im Falle eines Widerrufs
  • Die Bedingung, dass die Rückgabe von Produkten nur in der unbeschädigten Originalverpackung akzeptiert wird

Portokosten bei Rückgabe

Online-Shop-Betreiber können die Portokosten für die Rücksendung komplett an den Kunden weitergeben, müssen darauf jedoch in ihrer Widerrufsbelehrung hinweisen. Große Online-Shops sind in dieser Hinsicht oft kulant und bieten Gratis-Retouren an.

Was die Hinsendekosten vom Händler zum Verbraucher betrifft - die muss im Falle des Widerrufs der Händler tragen.

Missbrauch des Widerrufsrechtes

Der Hochzeitsanzug: einmal getragen, dann zurückgeschickt - das Widerrufsrecht macht's möglich.

Unterm Strich ist zu sagen: Das Rückgabe-Recht bei Online-Käufen ist extrem kundenfreundlich - zu kundenfreundlich, finden manche. Den Smoking im Internet bestellen, einen draufmachen und das gute Stück nach 14 Tagen einfach zurückschicken: Auch das ist möglich. Rund 80 Prozent der Unternehmen klagen über Missbrauchsfälle. Mehr zum Thema unter:


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