Fairtrade Nicht nur für Ökos
Fairer Kaffee und Tee: Damit fing es in den 60er-Jahren an. Vor rund 20 Jahren entstanden dann die Weltläden, meist gut in Hinterhöfen versteckt. Inzwischen gibt es Fair-Trade-Produkte auch im Supermarkt.
Bevor ein Fairtrade-Produkt ein Gütesiegel bekommt, muss es einen speziellen, manchmal langwierigen Zertifizierungsprozess durchlaufen. Besonders für diejenigen, die das Produkt herstellen, lohnt sich dieser Aufwand. Fair Trade, das bedeutet: Ob Kaffee, Schokolade, Kleidung oder Spielzeug - die Bauern und anderen Produzenten bekommen einen fairen Mindestlohn bezahlt. Wichtig ist außerdem, dass bestimmte ökologische und soziale Anforderungen erfüllt werden. So sind zum Beispiel Kinderarbeit und Diskriminierung verboten und Sicherheit am Arbeitsplatz muss gewährleistet werden. Im ökologischen Bereich wird bei Fairtrade-Produkten unter anderem Wert darauf gelegt, dass die Fruchtbarkeit des Bodens bewahrt wird und möglichst wenige Chemikalien beim Anbau eingesetzt werden.
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In mehr als 60 Ländern profitieren über 1,2 Millionen Kleinbauern und Arbeiter von Fairtrade. Der Anteil am weltweiten Umsatz ist allerdings nach wie vor sehr klein: Je nach Produkt liegt er bei ein bis drei Prozent. Besonders gut verkaufen sich Kaffee, Blumen und Bananen - der Marktanteil fair gehandelter Blumen liegt derzeit bei fünf Prozent. Im Trend liegen auch Süßwaren, Eiscreme und Mischgetränke.
Fairtrade-Siegel
Das bekannteste Siegel ist das Fairtrade-Siegel, das in Deutschland der gemeinnützige Verein TransFair vergibt. Mehr Infos über Fairtrade und über Gütesiegel allgemein gibt es hier:
Raus aus der Nische
Andererseits ist der Umsatz von Fairtrade-Produkten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von 50 auf rund 400 Millionen Euro gestiegen. Und fair gehandelte Waren haben auch längst den Sprung aus dem Nischendasein in Welt- und Naturkostläden geschafft: Fair gehandelten Tee und Kaffee findet man inzwischen ebenso in Supermärkten wie Schokolade, Obst, Honig, Nüsse, Öl, Gewürze, Reis oder Säfte. Auch Baumwolltextilien, Teppiche, Produkte aus Holz, Sportbälle und Turnschuhe gibt es mittlerweile mit Fairtrade-Siegel.
Faire Städte
Fairtrade Towns
Die wichtigsten Infos über Fairtrade Towns finden Sie hier:
Es existieren sogar schon etliche Fairtrade-Towns: mehr als 1.000 Städte in 24 Ländern dürfen sich so nennen. In Deutschland gibt es knapp 90 Städte und Gemeinden, die ganz auf Fairtrade setzen, zum Beispiel Nürnberg und Augsburg. Knapp 70 weitere Städte und Gemeinden bemühen sich derzeit darum, die erforderlichen Kriterien zu erfüllen und in die Liste aufgenommen zu werden.
Kriterien für Fairtrade Towns
Kriterium 1
Ratsbeschluss
Die Kommune bzw. der Kreistag beschließt, dass bei allen Ausschuss-Sitzungen sowie im Bürgermeister- oder Landratsbüro Fairtrade-Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel verwendet werden. Außerdem wird entschieden, als Stadt, Gemeinde oder Landkreis den Titel "Fairtrade-Stadt" anzustreben.
Kriterium 2
Steuerungsgruppe
Eine lokale Steuergruppe wird gebildet, die die Aktivitäten auf dem Weg zur "Fairtrade-Stadt" koordiniert.
Kriterium 3
Einzelhandel & Gastronomie
Im Einzelhandel vor Ort werden Fairtrade-Produkte angeboten, ebenso in Cafés und Restaurants. Abhängig von der Einwohnerzahl gibt es eine Mindestanzahl solcher Geschäfte und Gastronomiebetriebe, die dies tun müssen.
Kriterium 4
Öffentliche Einrichtungen
In Schulen, Vereinen, Kirchen und anderen öffentlichen Einrichtungen werden Fairtrade-Produkte verwendet. Außerdem gibt es Bildungsangebote zum Thema "Fairer Handel".
Kriterium 5
Medien
Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten, die auf dem Weg zur "Fairtrade-Town" stattfinden.
Quelle: Kampagne Fairtrade-Towns
Regional = fair?
Auch regionale Produkte werden nicht immer fair gehandelt. Bestes Beispiel: die niedrigen Milchpreise in Deutschland. Deswegen gibt es inzwischen auch bei uns Zertifikate für fairen Handel, zum Beispiel das Zertifikat "Faire Milch" in Bayern und Baden-Württemberg. In Bayern hat sich außerdem das Bündnis "bio - regional - fair" gebildet.
Fairer Handel seit 20 Jahren
Alles begann 1992, als der im Jahr zuvor gegründete Verein "AG Kleinbauernkaffee e.V." sich in "TransFair e.V." umbenannte. Mitbegründer von TransFair war die Gepa, erstes fair gehandeltes Produkt in einem Supermarkt - Kaffee. Heute ist TransFair Deutschland nach eigenen Angaben die weltweit zweitgrößte Initiative ihrer Art. Sie handelt nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte. Außerdem will die Organisation das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum fördern. Mit Erfolg: In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Gesamtumsatz fair gehandelter Produkte verachtfacht, in 2011 konnte er einen Zuwachs von 18 Prozent verzeichnen.

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