Ratgeber - Verbrauchertipps

Glühbirnen im Abseits Das leise Ende einer Ära

Die 100er ist schon lange weg, die 75er und 60er ebenso, und 2012 hat es die letzten großen Vertreter einer Ära erwischt: die 40- und 25-Watt-Birnen. Seitdem gilt ein EU-weites Herstellungs- und Vertriebsverbot für alle Standard-Glühlampen mit einer Leistung von mehr als 10 Watt.

Stand: 01.03.2013
Glühbirne | Bild: picture-alliance/dpa

Als 2009 die ersten Glühbirnen vom Markt verschwanden, war der Aufschrei noch groß. Davon ist schon lange nichts mehr zu spüren. Bereits vorproduzierte Mengen dürfen auch weiterhin noch verkauft werden - und die Lager vieler Einzelhändler und Baumärkte sind noch gut gefüllt. Selbst 60er-Birnen sind im Einzelhandel zu haben, obwohl deren Produktion bereits 2011 eingestellt wurde. Und der Online-Handel ist inzwischen ein echtes El Dorado für Glühbirnenjäger: Dort gibt es auch noch 100-Watt-Birnen zu kaufen, und das sogar im Zehnerpack.

Energiesparlampen ohne Quecksilber

Es leuchtet auch ohne Gift: Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Fachhochschule Aachen haben eine Energiesparlampe entwickelt, die effizient arbeitet und eine günstige CO2-Bilanz hat. Sie kommt ohne Quecksilber aus. Ihre Leuchtleistung entspricht einer 75-Watt-Glühlampe - und auch das Licht, das sie ausstrahlt, kommt dem herkömmlicher Glühbirnen sehr nahe. Die Energiesparlampe heißt 3rdPPBulb und besitzt keine Elektroden. Geplant ist, dass die Lampe 2014 auf den Markt kommt.

Keine Regel ohne Ausnahme

Letztes Aufbäumen: eine zerbrochene 40-Watt-Glühbirne, die noch einmal kurz aufleuchtet, bevor der Glühfaden verbrennt.

Ganz verschwunden ist die Glühbirne troz allem nicht: Eine Ausnahme betrifft schwache Glühbirnen mit einer Leuchtkraft von unter 90 Lumen, darunter fallen zum Beispiel Glühlämpchen für die Modelleisenbahn. Solche Glühbirnen passen allerdings nicht mehr in haushaltsübliche Fassungen (z. B. E27).

Auch besonders bruchfeste Spezialbirnen dürfen weiterhin verkauft werden, zum Beispiel Lampen, die im Bergbau, auf Schiffen oder bei Ofenbeleuchtungen verwendet werden. Für sie gibt es bislang keinen entsprechenden Ersatz. Solche Lampen finden sich inzwischen immer öfter auch im Einzelhandel, allerdings wird von ihnen als Alternative zu Energiesparlampen abgeraten: Ihre Effizienz ist noch schlechter als bei herkömmlichen Glühlampen, außerdem sind sie relativ teuer.

Wie es zu dem Verbot kam

Das Einsparpotential gegenüber den alten Glühbirnen entspricht laut Schätzungen der EU dem Stromverbrauch von rund elf Millionen Haushalten - konventionelle Glühbirnen wandeln nur fünf Prozent der Energie in Licht um, der Rest entweicht als Wärme. Zudem soll der flächendeckende Einsatz von Energiesparlampen den EU-weiten CO2-Ausstoß um 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich senken.

Kostenfaktor für den Verbraucher

Leuchtstoff- und LED-Lampen halten angeblich zwischen 6.000 und 15.000 Stunden, herkömmliche Glühbirnen nur 1.000 Stunden. Schon alleine wegen des geringeren Energieverbrauchs rechne sich die Anschaffung von Stromsparlampen, argumentieren Befürworter. Allerdings schrecken viele Verbraucher vor den hohen Anschaffungskosten einer modernen Lampe zurück: Der Preis liegt momentan meist zwischen zwei und zehn Euro pro Lampe.

Schon gewusst?

2011 kam das Aus für die 60-Watt-Birnen.

Den Rekord für die Ewigkeit bekam 2011 eine Glühbirne aus Kalifornien. Seit 110 Jahren brennt sie fast ununterbrochen im Städtchen Livemore. Das langt für einen Eintrag ins Guinness-Buch. Als "Gegenstand der Zeitgeschichte" hat diese unscheinbare Birne bereits während des großen Bebens von San Francisco geleuchtet. Sie brennt - welch Ironie - ausgerechnet in einer Feuerwache. Da stellt sich die Frage, warum Glühbirnen moderner Bauart bereits nach ein paar Jahren den Geist aufgeben. Mehr dazu unter:

Energiesparlampen: die Qual der Wahl

Kronleuchter mit Lampen in Kerzenform | Bild: colourbox.com zum Artikel Strahlende Sieger LED-Lampen als Glühbirnenersatz

Das Wort "Glühlampenverbot" reicht und schon gehen wieder heftige Diskussionen los. Energiesparlampen machen kaltes Licht, brauchen ewig, bis sie hell sind, und haben gefährliches Quecksilber, so die Kritik. Also schnell Glühbirnen hamstern? [mehr]

Bei Energiesparlampen haben Verbraucher inzwischen die Wahl zwischen energiesparenden Leuchtstofflampen, Halogenlampen und Leuchtdioden (LED). Insbesondere Leuchtstofflampen sind umstritten: Manche Modelle enthalten flüssiges Quecksilber, das in dieser Form als besonders giftig gilt. Einige Hersteller haben das flüssige Quecksilber bereits durch gebundene Formen oder feste Amalgam-Verbindungen ersetzt, inzwischen gibt es auch Lampen mit Splitterschutz. In LED-Leuchten hingegen wird Quecksilber generell nicht verwendet.

Halogenlampen für "Nostalgiker"

Sieht fast aus wie eine "Alte": die Halogenlampe

Für Freunde der konservativen Glühlampe sind Halogenlampen eine echte Alternative: Sie funktionieren ähnlich bie bisherige Glühlampen, sparen ca. 20 Prozent an Energie und bieten das gewohnt warme Licht. Die Betriebsdauer einer Halogenlampe kann bis zum Dreifachen einer herkömmlichen Glühlampe betragen. Allerdings wird diskutiert, auch diese Lampen in einigen Jahren vom Markt zu nehmen, da sie weniger effektiv sind als die Konkurrenzmodelle. Weiteres Manko: Sämtliche Halogen-Lampen, die von Stiftung Warentest im August 2012 getestet wurden, erhielten lediglich die Note "ausreichend".

Wohin mit alten Energiesparlampen?

Oft werden quecksilberhaltige Energiesparlampen über den normalen Hausmüll entsorgt - so wie bislang die normale Glühbirne. Sparlampen müssten aber bei den Wertstoffhöfen abgegeben oder in Geschäften in Sammelbehältern entsorgt werden. Der Einzelhandel hat die Forderung des Umweltbundesamtes nach einer Rücknahme zurückgewiesen. Viele Händler seien gar nicht in der Lage, die quecksilberhaltigen Lampen fachgerecht zu lagern, hieß es beim Handelsverband.

Krank durch falsches Licht?

Viele Verbraucher lehnen das kalte Licht der neuen Lampen ab, Mediziner warnen sogar vor entsprechenden gesundheitlichen Risiken. Denn das als "kalt-weiß" empfundene Licht vieler Energiesparlampen enthält einen hohen Blauanteil, ähnlich dem natürlichen Tageslicht. Dieses blaue Licht unterdrückt laut Medizinern die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Inzwischen bietet der Markt aber auch warm-weiße oder neutral-weiße Energiesparlampen an.

"Das fängt mit Schlafstörungen an, geht aber wahrscheinlich noch wesentlich weiter in andere Bereiche der Medizin. Ich würde empfehlen, für die Abend-Beleuchtung den Blauanteil so niedrig wie möglich zu halten. Im Badezimmer vor dem Schlafengehen sollte also nicht das hellste Licht des Tages leuchten, sondern ein warm-weißes."

Dieter Kunz, Chefarzt der Abteilung für Schlafmedizin des St. Hedwig-Krankenhauses Berlin


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