Ratgeber - Verbrauchertipps

E-Books Lesen auf Knopfdruck

Kein Rascheln, keine Eselsohren, kaum Gewicht: E-Books sind kleine, handliche Lesecomputer, die den Buchmarkt umkrempeln könnten. Sehen so die Bücher der Zukunft aus?

Stand: 24.07.2012
E-Book-Reader | Bild: picture-alliance/dpa

E-Book-Lesen funktioniert ähnlich wie mp3-Player-Hören: Man geht ins Internet, sucht sich in einem Shop ein E-Book aus, lädt es auf einen Computer herunter und kopiert es mit einem USB-Kabel auf einen E-Book-Reader. Wer gerne wissen möchte, wie sich ein E-Book liest, kann das im Vorfeld mit einem Smartphone testen, empfiehlt Dominik Hoferer von der Computerzeitschrift Chip. Beachten Sie aber, dass Lesegeräte für E-Books mit zwei unterschiedlichen Techniken arbeiten, die Auswirkungen auf die Lesbarkeit der Texte haben.

Zwei Techniken für E-Book-Lesegeräte

E-Book-Reader arbeiten mit elektronischer Tinte, Tablet- oder Tabloid-Computer mit einem LCD-Bildschirm. Elektronische Tinte hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zur herkömmlichen Computerschrift gestochen scharf und damit sehr gut lesbar ist. Das schont die Augen - wie auch das unbeleuchtete Display. Es spiegelt nicht bei Tages- und bei Sonnenlicht. Ist es allerdings dunkel, braucht man eine kleine Leselampe für das Gerät. E-Book-Reader verbrauchen wenig Strom. Ihr Akku hält wochenlang durch.

LC-Displays kennt man von Flachbildschirmen. Sie sind beleuchtet, die Schrift ist nicht so scharf und der Akku läuft nur ein paar Stunden. Geräte mit dieser Technologie haben allerdings den Vorteil, dass man darauf nicht nur E-Books lesen, sondern zum Beispiel auch Videos und farbige, bebilderte Zeitschriften anschauen kann. Mit E-Book-Readern geht das nicht.

Vor- und Nachteile von E-Book-Lesegeräten

Nachteile

Generell:

  • Bei E-Books fehlt das sinnliche Erlebnis: kein Rascheln, keine Eselsohren, keine Urlaubskarten, keine Lebensflecken durch Kaffee, Tee oder Schokolade.
  • Das Orientierungsgefühl geht verloren, wenn unter dem Text nur Prozentzahlen statt Seitenzahlen stehen. Diese Anzeige variiert je nach Gerät.
  • Das Umblättern von Seiten dauert einen Augenblick. Je nach Einstellung wird beim Blättern jeweils eine schwarze Seite zwischengeschaltet, um das Display von Textfragmenten zu reinigen.

Speziell:

  • E-Book-Reader können bisher keine Farbe darstellen. Man kann sie nur zum Bücherlesen verwenden.
  • LC-Displays können Schrift nicht so scharf darstellen wie Bildschirme mit elektronischer Tinte. Folge: Die Augen ermüden schneller. Der Akku von Tabloid-PCs verbraucht zudem viel Strom und muss jeweils nach ein paar Stunden wieder aufgeladen werden.
  • Auf dem E-Book-Reader Kindle von Amazon können nur E-Books von Amazon gelesen werden.

Vorteile

Generell:

  • Mit einem E-Book muss man keine Bücherberge mehr durch die Gegend tragen und kann sich spontan entscheiden, was man lesen möchte.
  • Man spart Bücherregale und Platz im Gepäck.
  • E-Books sind bis zu 20 Prozent günstiger als herkömmliche Bücher.
  • Lesefutter kann man von zuhause aus direkt auf den Computer laden.
  • E-Books haben eine Suchfunktion, mit der man bestimmte Textstellen wiederfinden kann.
  • Die Schrift lässt sich vergrößern.
  • In E-Book-Readers kann man Lesezeichen setzen. Das Gerät springt zudem nach dem Einschalten wieder an die zuletzt geöffnete Stelle.

Speziell:

  • Mit Geräten, die das Format Epub unterstützen, können Sie in verschiedenen Online-Shops einkaufen und E-Books bei den Stadtbibliotheken ausleihen. Mit dem Kindle von Amazon geht das bisher nicht, der Hersteller will aber nach eigenen Angaben nachziehen.
  • Mit dem Kindle von Amazon ist man an den Hersteller gebunden, kann aber mit dem Gerät direkt ins Internet und zu Amazon gehen und E-Books bestellen. Das größte Sortiment an deutschen E-Books hat llibri.de. Das größte Angebot an englischen E-Books hat derzeit Amazon. Bei populären Sachbüchern und Belletristik hat sich das Angebot inzwischen stark vereinheitlicht, so die Computerzeitschrift c't.

Welche Geräte sind empfehlenswert?

Beleuchteter und unbeleuchteter Bildschirm

Diese Frage kann man (noch) nicht eindeutig beantworten. Die Angebote, die Technik und die Güte der Menüführung schwanken. Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet, sodass bisher nicht jedes Gerät jedes Format lesen kann. Ein Gerät sollten Sie in erster Linie danach aussuchen, wie Sie es benutzen wollen.

Immerhin bieten die meisten Online-Shops inzwischen die gleichen E-Books an. "Gibt es einen Bestseller digital, findet man ihn auch für sein Lesegerät", sagt die Computerzeitschrift c't (Ausgabe 24/11). Während man gute E-Book-Reader schon für rund 100 Euro bekommt, müssen Sie für einen ordentlichen Tablet-PC mindestens 400 Euro auf den Tisch legen.

E-Books und der deutsche Buchmarkt

Tablet- oder Tabloid-Computer

Noch sind die Deutschen beim Kauf von E-Books zurückhaltend: Der Marktanteil von E-Books machte 2010 nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandles nur 0,8 Prozent des gesamten Buch-Umsatzes aus. Aufgrund der bisher zögerlichen Nachfrage boten nur 35 Prozent der Buchverlage E-Books an, 2012 wollen es schon 60 Prozent sein. Fachleute gehen zudem davon aus, dass der Buchhandel verhindert, dass das E-Book sich durchsetzt.

Trotzdem rechnen Buchhändler dieses Jahr mit zweistelligen Zuwachsraten beim E-Book-Verkauf. Bis 2015 soll der Marktanteil von E-Books deutlich steigen - auf 9,2 Prozent, schätzt der Börsenverein. 2010 wurden vor allem wissenschaftliche Bücher und Fachbücher in digitaler Form gekauft.

Kleines E-Book-Lexikon

1

Buchpreisbindung: Deutsche E-Books unterliegen - wie Bücher aus Papier - der Buchpreisbindung, das heißt, dass neue E-Books im Handel überall gleich viel kosten müssen. Damit sollen kleine Händler geschützt werden.

2

DRM oder Adobe-DRM heißt "Digital Rights Management" und ist der bisherige Kopierschutz von E-Books. Er verhindert, dass man E-Book-Inhalte verleihen, verkaufen oder Texte kopieren kann.

3

Elektronische Tinte funktioniert durch einen chemischen Vorgang, der Elektrophorese heißt. Dabei schwimmen weiße und schwarze Plättchen in einer Flüssigkeit und werden über elektrischen Strom gesteuert. Je nach Steuerung sind weiße oder schwarze Stellen auf dem Bildschirm zu sehen.

4

E-Ink: Eigentlich eine Firma, die elektronische Tinte herstellt. Sie wird aber häufig gleichbedeutend mit dem verkauften Produkt verwendet. Ein weiterer Hersteller von elektronischer Tinte ist die Firma Sipix.

5

Epub heißt "Electronic Publication" und ist ein Datei-Format, das mit dem Kopierschutz DRM zusammenarbeitet. Mit dieser Ausstattung kann man in Stadtbibliotheken E-Books ausleihen.

6

Formate: E-Book-Reader können verschiedene Datei-Formate haben, zum Beispiel Epub, Mobipocket, PDF und verschiedenste Apps. Nicht alle E-Books können mit allen Formaten angezeigt werden.

7

Kopierschutz: E-Books haben meist den sogenannten DRM-Kopierschutz, der verhindert, dass E-Book-Inhalte verliehen, verkauft oder Texte kopiert werden können.

8

LCD heißt "Liquid Crystal Display" und ist ein beleuchteter Bildschirm mit Flüssigkristall-Technik. Auch Computer-Flachbildschirme nutzen diese Technik.

9

PDF ("Portable Document Format"): nicht alle E-Book-Reader können dieses Format richtig und gut anzeigen. Wollen Sie vor allem PDFs auf ihrem Gerät lesen, dann testen Sie die Anzeige vor dem Kauf.

10

Tablet- oder Tabloid-Computer: "Tablet" heißt Schreibtafel oder Notizblock, "Tabloid" bedeutet kleinformatige Zeitung. Ein Tablet-PC ist ein kachelartiges, handliches Gerät, das wie ein kleiner Computer funktioniert, zum Beispiel das iPad von Apple, das Galaxy Tab von Samsung, das Optimus Pad von LG oder das Xoom von Motorola.


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