Servicenummer 115 Anlaufphase mit Hindernissen
Unter der 115 können bundesweit vielerorts sämtliche Behördenangelegenheiten abgewickelt werden. In Bayern wurde der Service zuerst nur in Kempten und im Landkreis Oberallgäu angeboten, seit 1. Juli gibt es ihn auch in München. Die Zwischenbilanz fällt durchwachsen aus.
Welche Ämter sind für welche Fragen zuständig? Wann haben sie geöffnet? Welche Behördengänge lassen sich online abwickeln? Der neue Telefonservice unter der 115 kann einem womöglich stundenlange Warterei und falsche Behördengänge ersparen - außer in Bayern:
115 in München
"Die 115 befindet sich im Aufbau. Ihre Region ist derzeit noch nicht angebunden. Bitte wenden Sie sich direkt an die gewünschte Behörde." Das bekommen Anrufer aus ganz Bayern zu hören, wenn sie die 115 wählen - außer im Allgäu und in München: In Kempten und im Landkreis Oberallgäu ist die Service-Nummer seit 1. März freigeschaltet, in München seit 1. Juli.
Zwischenbilanz: 115 im freien Fall
"Am Anfang hatten wir große Resonanz in der Presse, daher waren auch die Anrufe dementsprechend gut. Inzwischen aber kommen nur noch zehn Prozent aller Anrufe über die 115 herein."
Konrad Pfister, Amtsleiter des Bürgerservice
Im Landkreis ist der Anteil sogar noch kleiner als in Kempten. Von 240 Anrufern täglich haben durchschnittlich nur 14 die neue Nummer gewählt. Konrad Pfister vom Bürgerservice führt die geringe Resonanz in erster Linie darauf zurück, dass die 115 in Bayern nicht allgemein freigeschaltet ist.
115: auch für Verbraucherfragen
Ziel der 115 ist es, behördliche Schranken weitestgehend abzubauen und möglichst umfassend Antworten auf alle Fragen zu geben, die die Verwaltung angehen: zum Beispiel KfZ-Zulassungen, Ausweise oder Ummeldungen. Die 115 gibt Auskunft zu fast allen Bundesbehörden, aber auch zu aktuellen Verbraucherthemen: Was kann man nach einem Reaktorunfall noch essen? Wohin kann ich Spenden überweisen? Somit werden nicht nur Behördenfragen geregelt, auch bei aktuellen Verbraucherthemen erhält der Anrufer erste Informationen oder wird entsprechend weitervermittelt.
Eine Sache der Kommunen
Link-Tipp
Ausführliche Informationen zur 115 unter:
Ob die 115 zu erreichen ist, liegt letztendlich in der Hand der einzelnen Kommunen. Denn die entscheiden selbst, ob sie freiwillig am 115-Verbund teilnehmen. Ist das nicht der Fall, kann auch die 115 nicht weiterhelfen, denn das entsprechende Service-Zentrum wird auf kommunaler Ebene bereitgestellt und freigeschaltet.
Gebühren
Seit 1. März 2012 kann die 115 aus dem Festnetz zum Ortstarif gewählt werden und ist prinzipiell flatratefähig. Laut einer Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums haben zahlreiche Anbieter ihre Tarife entsprechend umgestellt, unter anderem auch die Telekom. Entprechende Verhandlungen werden zur Zeit mit den Mobilfunkunternehmen geführt. Dort können die Preise je angefangener Minute bis zu 30 Cent betragen (Stand: 14. März 2012).
Wirklich notwendig?
"Die häufigste Information passiert heute [...] entweder durch den direkten Kontakt mit der Behörde, der telefonisch auch jetzt schon funktioniert. Und es gibt einen perfekten Internet-Auftritt vieler Kommunen, wo sich der Bürger [...] informieren kann."
Franz Josef Pschierer, IT-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung
Zumindest für große Städte hält Staatssekretär Pschierer das Projekt für sinnvoll. In ländlichen Regionen sind die Abläufe in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich. Das alles in eine zentrale Datenbank einzupflegen, das hält Pschierer für zu aufwändig, sodass er nicht damit rechnet, dass sich die 115 in ländlichen Regionen durchsetzen wird.
089 - 12 22 20 statt 115
Einen ähnlichen Ämter- und Behörden-Service, wie er unter 115 zu haben ist, bietet bereits ''Bayern Direkt'', ein Angebot der bayerischen Staatsregierung auf Landesebene. Bei der bayerischen Servicenummer fallen ebenfalls keine Gebühren außer dem normalen Ortstarif an.
Bayern Direkt
Telefon: 089 - 12 22 20
Mo. - Do.: 8.00 bis 18.00 Uhr
Fr.: 8.00 bis 16.00 Uhr

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