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Spinnenphobie Horror auf acht Beinen

Sie haben acht Beine, mindestens sechs Augen und stellen ihrer Beute trickreiche Fallen - Spinnen. Die weltweit über 4.000 Sorten haben eines gemeinsam: Im westlichen Kulturkreis sind sie allesamt unbeliebt. Viele Menschen haben sogar panische Angst vor den kleinen Tierchen. Aber warum eigentlich?

Stand: 27.08.2014

Vogelspinne auf einer Hand | Bild: Getty Images

Schätzungen zufolge leiden zehn bis 50 Prozent der Deutschen an Arachnophobie, zu deutsch: Spinnenangst. Sie geraten beim Anblick der Tiere in Panik, manche flüchten aus dem Zimmer oder fangen an zu weinen. Dabei wissen die Betroffenen, dass einheimische Spinnenarten völlig harmlos sind. Trotzdem hat die Angst sie fest im Griff: Sie halten zum Beispiel alle Fenster geschlossen, selbst im Hochsommer. Woher diese Angst kommt, ist unter Wissenschaftlern seit Jahren stark umstritten.

Arachnophobie als Urangst?

Viele Menschen fürchten sich vor Spinnen, weil diese sich so unberechenbar bewegen und urplötzlich auftauchen - behaupten einige Psychologen. Sie nehmen an, dass urzeitliche Spinnen größer und aggressiver als heutige Exemplare waren und für die Steinzeitmenschen eine tödliche Gefahr darstellten. Demzufolge hätten nur diejenigen Menschen überlebt, die mit großer Angst auf die Spinnen reagierten. Das Verhaltensmuster könnte somit genetisch festgeschrieben sein: als instinktive Urangst. Trotz zahlreicher Tests und Experimente konnte diese Urangsttheorie aber bis heute aber weder zweifelsfrei bewiesen noch widerlegt werden.

Widerspruch durch biologische Fakten

Die Biologen lehnen diese Theorie sowieso ab. Aus zwei Gründen: Erstens sind auch Insekten für den Menschen so unberechenbar wie Spinnen, einige können uns sogar deutlich gefährlicher werden. Trotzdem lösen sie weniger Ängste aus. Und zweitens kann man Spinnen studieren, die vor rund 50 Millionen Jahren in Bernstein eingeschlossen wurden. Diese Exemplare waren den Biologen zufolge nicht gefährlicher als die Spinnen heute. Von einer Urangst-Spinne, die das Überleben der Menschen hätte bedrohen können, fehlt also bislang jede Spur.

Kulturelle Faktoren spielen eine Rolle

Kulturwissenschaftler weisen zudem darauf hin, dass viele Völker außerhalb der westlichen Zivilisation kaum Angst vor Spinnen haben. Bei vielen Naturvölkern und in anderen Kulturen werden Spinnen sogar als gottnahe Wesen verehrt. Im christlichen Kulturkreis gilt die Spinne dagegegen als "Tier des Bösen". Lange glaubten die Menschen, dass sie mit Pest, Tod und Teufel im Bunde ist - das prägt bis heute. Zudem könnte es eine Frage der Erziehung sein, ob wir Angst vor Spinnen entwickeln oder nicht, sagen Therapeuten. Kurz: Nichts Genaues weiß man nicht.

Spinnenangst ist messbar ...

Auch hinter Glas kann sie den Puls heben. Wenigstens kann man die Arachnophobie genau nachweisen. Etwa per Memory-Test: Betroffene erkennen vorgelegte Spinnenbilder viel schneller und genauer als andere Motive. Andere Probanden reagieren dagegen auf alle Bilderkärtchen gleich. Zweiter Beweis: Wenn man Arachnophobikern eine tote Vogelspinne zeigt, schnellt ihr Puls in die Höhe - eine klassische Angstreaktion. Andere Testpersonen lässt dieser Anblick hingegen kalt. Sogar im Gehirn der Betroffenen kann man ihre Panik sehen: Der Kernspintomograf zeigt, dass die Hirnregion für Angst beim Anblick einer Spinne auf Hochtouren kommt.

... und zum Glück auch behandelbar

Spinnenphobiker sind also keine Spinner, sie leiden unter einer Angststörung. Behandelt wird sie zum Beispiel mit der sogenannten "Konfrontationstherapie": Mehrere Stunden lang müssen Betroffene dabei eine Spinne ansehen oder gar anfassen, immer und immer wieder. Schon nach einer solchen Sitzung sind erste Erfolge messbar. Nach mehreren Therapiestunden können viele Spinnenphobiker ihrer Angst entspannter ins Auge sehen - und der Spinne an der Zimmerdecke auch.


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