Ratgeber - Gesundheit


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Glücksspielsucht Wenn das Spiel zum Verhängnis wird

Einmal den Jackpot knacken - der Traum vom großen Geld treibt viele ins Glücksspiel. Doch der Spaß kann schnell in der Katastrophe enden - besonders bei den inzwischen zugelassenen Online-Spielen ist die Hemmschwelle gering.

Stand: 22.03.2016

Glücksspielautomat, im Vordergrund eine Hand, die den Touchscreen bedient | Bild: picture-alliance/dpa

"Nur noch ein einziges Mal will ich mein Glück versuchen, dann höre ich für immer mit der Spielerei auf" - das sagen sich hierzulande jeden Tag zehntausende Spielsüchtige. Doch dann gehen sie trotzdem wieder ins nächste Kasino. Aus eigener Kraft schaffen sie den Absprung nicht.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 200.000 Menschen in Deutschland pathologische Glückspieler, also spielsüchtig, sind. In Bayern betrifft das etwa 28.000 Einwohner, sagt die Landesstelle für Glücksspielsucht in Bayern. Insgesamt ist die Spielhallen-Dichte in Bayern eher unterdurchschnittlich ausgeprägt, im Norden und Westen Deutschlands ist sie am größten.

Spielhallen-Statistik für Bayern
 Spielhallen-
konzessionen
SpielhallenEinwohner pro
Spielhallengerät
20142.00821.346320,82
20122.00020.779327,33
20101.52015.661431,82
20081.36513.621491,15
20008256.394999,41

Quelle: Arbeitskreis gegen Spielsucht e. V.

Mehr Männer als Frauen

Im Vergleich spielen mehr Männer als Frauen Glücksspiele: Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) spielten 2013 1,31 Prozent der männlichen Befragten und 0,31 Prozent der Frauen pathologisch Glücksspiele, das heißt sie sind glücksspielsüchtig. Insgesamt spielten in Deutschland weniger Menschen an Geldspielautomaten. Eine Ausnahme bildet die Altergruppe der 18- bis 20-Jährigen. In dieser Gruppe hat sich die Quote bei Männern seit 2007 vervierfacht (23,5 Prozent) und in der Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen verdoppelt. Bei den weiblichen Befragten hat sich die Spielrate in fast allen Altersgruppen erhöht, liegt aber auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Männern. Faktoren, die laut Studie ein problematisches Spielverhalten erhöhen sind: männliches Geschlecht, Arbeitslosigkeit und Migrationshintergrund.

Von der Freude zur Abhängigkeit

Der Spaß am Anfang

Die ersten Erfahrungen mit Glücksspielen finden häufig eher zufällig in der Freizeit statt. Größere oder mehrere kleine Gewinne führen zu positiven Gefühlen. Nach und nach entwickeln die Spieler stärkere Gewinn-Erwartungen und setzen höhere Beträge ein. Sie gehen größere Risiken ein.

Kritische Gewöhnung

Die Betroffenen spielen intensiver und häufiger. Das führt dazu, dass sie mehr Geld verlieren als gewinnen. Sie spielen auch, um ihre innere Unruhe, Angespanntheit und den grauen Alltag zu vergessen. Sie beginnen, ihr Spielen zu verheimlichen und sich Geld zu leihen.

Eigendynamik der Sucht

Die Betroffenen verlieren häufig ihr gesamtes Vermögen und sind von dem Wunsch getrieben, die Verluste wieder zurückzugewinnen. Sie erfinden Lügen, um ihre häufige Abwesenheit zu Hause oder in der Arbeit zu erklären. Das Spielen bekommt eine Eigendynamik. Krankhafte Glücksspieler versprechen sich selbst und ihrer Umgebung immer wieder vergeblich, mit dem Spielen aufzuhören.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Der Staat verdient mit

Der deutsche Glücksspielmarkt verzeichnete im Jahr 2011 einen Umsatz von 32,5 Milliarden Euro. Der größte Umsatz wurde mit Geldspielautomaten, Sportwetten (vor allem Live-Wetten, Oddset) und Internet-Glücksspielen (hauptsächlich Online-Poker). Davon profitiert auch der Staat: 2012 flossen ihm 1,7 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben der Unterhaltungsautomatenwirtschaft zu.

Strittig: der Glücksspielstaatsvertrag

Am 1. Juli 2012 ist die Änderung des Glücksspielstaatsvertrages in Kraft getreten. Diese Änderung enthält viel Gegenläufiges, sagt Suchtforscher Bühringer. Einerseits bekommen die Bundesländer mehr Rechte zur Einschränkung des Glücksspiels, so sind zum Beispiel bestimmte Mindestabstände zwischen Spielhallen Pflicht und Mehrfachkonzessionen verboten. Andererseits wurden Regelungen eingeführt, die die Zunahme von Glücksspielen fördern, wie die Zulassung von Online-Spielen, die Erhöhung der möglichen Hallen-Anzahl und die Erleichterung von Glücksspiel-Werbung. Welche gesellschaftlichen Folgen die Änderung der Glücksspielstaatsvertrages hat, bleibt abzuwarten.

Forscher: Suchtgefahr ist messbar

Forscher der Universität Bonn haben zwölf Bewertungskriterien aufgestellt, mit denen sich das Gefährdungspotenzial feststellen lassen soll. Ein Kriterium ist zum Beispiel die Häufigkeit der Gewinnchance: Spielautomaten, bei denen alle fünf Sekunden ein neues Spiel beginnt, bergen ein höheres Suchtrisiko als Lottospiele mit Wochenziehung. Bewertet werden auch vermeintliche Einflussmöglichkeiten wie etwa eine Stopp-Taste am Automaten, Jackpot-Möglichkeiten und soziale Kontakte.

Link-Tipps:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter www.check-dein-spiel.de einen Selbsttest für suchtgefährdete Menschen an. Hier können Sie nach Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Kliniken in Ihrer Nähe suchen. Außerdem gibt es dort die Möglichkeit, sich im Chat beraten zu lassen. Das Beratungstelefon der BZgA hat die Nummer 0800 / 137 27 00.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung hilft, den Schuldenberg abzubauen.


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