Ratgeber - Gesundheit

Narkolepsie Wenn der Schlaf zum Feind wird

Ob mitten im Gespräch, beim Autofahren oder beim Kochen: Menschen mit Narkolepsie fallen mehrfach täglich ganz plötzlich in den Schlaf. 30.000 bis 35.000 Menschen in Deutschland sind von den teils gefährlichen Schlaf-Attacken betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch.

Stand: 21.02.2012
Eine Frau schläft am Schreibtisch, der Kopf liegt auf dem Laptop | Bild: colourbox.com

Meist wissen Narkoleptiker lange nicht, dass sie krank sind und werden als faul, depressiv oder dumm verspottet. Dabei leiden sie nicht an einer psychischen Störung, mangelnder Intelligenz oder erhöhter Schläfrigkeit, sondern an einer neurologischen Erkrankung: Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ist gestört, weil ein Botenstoff von Nervenzellen, ein sogenanntes Neuropeptid, fehlt. Wissenschaftler vermuten zudem eine genetische Komponente, weil Narkolepsie in Familien gehäuft auftreten kann. Durch die plötzlichen Schlafanfälle besteht erhöhte Verletzungsgefahr. Narkolepsie ist nicht heil-, aber behandelbar.

"Ich meinte, ich könnte das kontrollieren, und plötzlich ist man aufgewacht und hat gemerkt, das ist einem aus der Hand gefallen, da hab ich was Falsches geschrieben oder ich wusste nicht mehr, wer am Telefon ist. Das ... war das Peinlichste, nicht mehr zu wissen, wer am Telefon ist. Ich konnte ja nicht sagen, dass ich kurz geschlafen habe!"

Eine Narkolepsie-Patientin

Auffälliges Schlafmuster

Bestehen ungeklärte Schlafstörungen, sollte ein Patient zuerst auf organische Ursachen untersucht werden. Gibt es keinen Grund für die Schlafstörungen, dann sollte ein Schlafmediziner hinzugezogen werden. Mit verschiedenen Verfahren kann dieser herausfinden, ob eine Narkolepsie vorliegt und welchen Schweregrad sie hat. Erkennbar ist die Erkrankung an einem auffälligen Schlafmuster wie zum Beispiel dem schnellen Einsetzen der REM-Schlafphase.

Symptome der Narkolepsie

  • Übermäßige Tagesschläfrigkeit. Schlafanfälle können durch monotone Situationen oder starke Emotionen ausgelöst werden.
  • Kataplexie: kurzzeitiger Verlust der Muskelspannung, ausgelöst durch starke Gefühle wie Freude, Überraschung, Ärger, Furcht, aber auch durch starke Konzentration oder körperliche Anstrengung. Stürze sind möglich und werden manchmal mit epileptischen Anfällen verwechselt.
  • Schlaflähmungen beim Einschlafen oder Aufwachen
  • Hypnagoge Halluzinationen: Traumähnlicher Zustand, der mit Schläfrigkeit und Bewegungsunfähigkeit einhergeht und oft Angst auslöst.
  • Automatisiertes Verhalten: Handlungen werden nur noch motorisch, aber ohne Bewusstsein ausgeführt oder vollendet. Das ist bei Tätigkeiten wie Kochen und Autofahren sehr gefährlich.
  • Nächtliche Schlafstörungen: Narkoleptiker wachen nachts oft auf, was ihre Tagesmüdigkeit noch zusätzlich erhöht.

Amphetamine und Anti-Depressiva

Diagnostiziert der Arzt eine Narkolepsie, sollten Verwandte, Freunde, Kollegen und etwaige Lehrer des Betroffenen informiert werden, um Missverständnisse und Fehleinschätzungen zu vermeiden. Narkolepsie wird mit Verhaltensänderungen und Medikamenten behandelt. Patienten erhalten Amphetamine gegen die Müdigkeit und Antidepressiva gegen die Lähmungen und die Halluzinationen.

Tipps zu Verhaltensänderungen bei Narkolepsie

  • Legen Sie sich einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus zu. Stehen Sie jeden Tag zur selben Zeit auf und gehen Sie immer zur selben Zeit schlafen.
  • Halten Sie täglich ein bis zwei kurze Schläfchen, wenn Sie das Bedürfnis dazu verspüren.
  • Gehen Sie in Situationen, in denen erhöhte Verletzungs- bzw. Unfallgefahr besteht, besonders vorsichtig vor, z.B. beim Kochen oder Autofahren. Planen Sie die Ausübung solcher Tätigkeiten zu Zeiten, in denen sie nach aller Wahrscheinlichkeit wach bleiben können. Legen Sie zur besseren Orientierung einen Zeitplan an.
  • Halten Sie die Anordnungen Ihres Arztes zum Umgang mit Medikamenten strikt ein. Informieren Sie ihn sofort über alle im Zusammenhang mit Medikamenten eintretenden Änderungen.

Quelle: Universitätskrankenhaus Charite Berlin