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Schlafkultur Von Betten, Königen und Baby Dolls

Ob im Paradebett oder auf Stroh, mit Zipfelmütze oder nackt, allein oder in der Gruppe - alles zu seiner Zeit und an seinem Ort. Das galt früher wie heute. Wir zeigen Ihnen die vielen Facetten der Schlafkultur.

Stand: 18.03.2014 | Archiv

Junge Frauen schlafen auf einer Bank (gestellte Szene) | Bild: picture-alliance/dpa

Geschlafen wird überall auf der Welt. Das war's dann aber auch schon an Gemeinsamkeiten, denn überall ist es anders.

Schlafzimmer bedeutet Wohlstand

Schlafen beispielsweise auf den Philippinen mehrere Familienmitglieder in einem Raum, geht der Trend bei uns inzwischen zum Einzelschläfer. Besonders in Schnarcherbeziehungen wandert ein Partner gerne aus dem ehelichen Schlafzimmer aus. Bereits in der Antike kannte man getrennte Schlafzimmer – sofern man es sich leisten konnte. Auch heute noch ist ein eigenes Schlafzimmer Ausdruck von Wohlstand.

Auch ein Bett ist nicht selbstverständlich. Traditionell lebende Völker in Afrika schlafen wie ihre Vorfahren auch heute noch am Boden, in Gruppen um das Feuer herum verteilt. Der Schutz vor wilden Tieren mag da sicher ein Grund sein.

Schlafkultur im Wandel der Zeiten

Die Kultur eines Landes, die Gesellschaft, aber auch technische Errungenschaften haben und hatten immer Einfluss auf den Schlaf der Bewohner. Wichtige Stationen der europäischen Schlafkultur:

Kleine Kulturgeschichte rund um den Schlaf - Teil 1

Vorzeit

Unsere Vorfahren kuschelten sich, wenn es dunkel wurde, zusammen. Schutz boten Felsüberhänge, als Unterlage dienten Blätter oder Gräser. Sie schliefen, bis der neue Tag dämmerte. Wer nämlich im Dunkeln nicht herumlief, hatte größere Chancen, dem Säbelzahntiger zu entgehen.

Antike

Im alten Ägypten und in der Antike schliefen die meisten Menschen auf dem Boden. Als Unterlage diente Stroh oder eine Matte. Reiche Frauen und Männer der Oberschicht dagegen kannten bettähnliche Schlafmöbel. Zudem besaßen sie Schlafzimmer, oftmals jeder sein eigenes. Die Römer nannten es "cubiculum".

8./9. Jh.

Der Niedergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert bescherte Europa auch einen Rückschritt der Schlafkultur. Erst Karl der Große brachte das Bett wieder - zumindest für die Reichen. Die Armen schliefen auf dem Boden auf Stroh oder einer Unterlage.

12./13. Jh.

Im 12./13. Jahrhundert kamen Bettrahmen mit quergespannten Gurten auf. Mit Bettkasten und Lattenrost ähnelte das Schlafgestell unseren heutigen Betten. Für die Reichen gab es gefüllte Decken und Kissen.

15./16. Jh.

In den Schlafzimmern der Reichen waren die Betten prunkvoll mit aufwendigen Schnitzereien oder Verzierungen gearbeitet. Als Schlafunterlage dienten Matratzen oder weich gefüllte Säcke. Darauf lag ein Bettuch, Decke und Kissen. Frauen und Männer schliefen meist getrennt. Ein Vorhang schützte vor Zugluft. Das gemeine Volk schlief in Gruppen, leicht bekleidet oder nackt.

16. Jh.

Die italienische Oberschicht machte es vor, der Rest Europas kopierte es schnell: Ab dem 16. Jahrhundert hielt das Nachthemd, vereinzelt auch kombiniert mit Schlafmütze, Einzug in die Betten der Reichen.

17. Jh.

Unter Ludwig XIV. (1638 bis 1715) erreichte die europäische Schlafkultur ihren absoluten Höhepunkt. "Lever du roi" - der Sonnenkönig empfing im Bett. Dieser Moment galt als gesellschaftliches Highlight des Tages. Die Oberschicht tat es ihrem König nach. Der Empfang im Bett galt als "en vogue".

19. Jh.

Im 19. Jahrhundert war das Schlafzimmer ein separater, intimer Raum, in dem Gesellschaft nichts zu suchen hatte. Auch die neu gebildete Mittelschicht hatte in ihren Wohnungen und Häusern eigene Schlafzimmer.

Kleine Kulturgeschichte rund um den Schlaf - Teil 2

Industrialisierung

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte die Schlafgewohnheiten radikal. Wer schlief, galt als faul. Das neu erfundene elektrische Licht nahm der Nacht ihren Schrecken und ihre Ruhe. In den beleuchteten Fabriken konnte jetzt auch nachts gearbeitet werden.

Pyjama

Ab 1890 kleideten sich immer mehr Männer mit dem neu kreierten Pyjama. Die Frauen trugen weiterhin Nachthemden.

Zweiter Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlief in der Regel jeder in seinem eigenen Bett - auch auf dem Land.

Babydoll

1956 war das Jahr der revolutionären Damen-Schlafmode: Der Babydoll, ein leichter Pyjama für Frauen, erlangte Kultstatus. Das Oberteil war weit und lose mit Puffärmeln. Darunter trug Frau ein kurzes Pumphöschen..

Gegenwart

Heutzutage geben wir sehr viel Geld für die Gestaltung unserer Schlafräume aus. Noch mehr wird bezahlt, wenn es um die Bequemlichkeit und Rückenfreundlichkeit unserer Betten geht - denn am liebsten schlafen wir in unserem eigenen Bett.


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