Ratgeber - Gesundheit


59

Gesunder Rücken Enorm wichtig: die passende Matratze

Wer kennt das nicht: Manchmal liegt man nachts so schlecht, dass man am Morgen schon Rückenschmerzen hat. Wenn der Rücken sich regelmäßig über Nacht verspannt, statt sich zu erholen, kann es an der Matratze liegen.

Von: Monika v. Aufschnaiter, Bernd Thomas

Stand: 09.01.2015

Frau schläft | Bild: colourbox.com

Die Bandscheiben (blau im Bild) - sind wie mit Füssigkeit gefüllte Kissen. Sie "leben" von regelmäßiger Bewegung.

Passt die Matratze nicht, können sich die Muskeln nicht entspannen, die Knochen werden nicht ausreichend gestützt. Besonders hart trifft das die Bandscheiben. Nachts sollen sie sich regenerieren und mit Flüssigkeit füllen, um wieder fit zu werden für den Tag. Wer Rückenschmerzen hat und eine Matratze, die sieben bis zehn Jahre alt ist, der sollte sich nach einer neuen Schlafunterlage umsehen.

Welche Matratze beschert mir einen guten Schlaf?

Wer möchte nicht so selig schlummern?

Rund 2.500 Stunden pro Jahr verbringen wir durchschnittlich im Bett, circa ein Drittel unseres Lebens. Deshalb sollte man sich beim Kauf viel Zeit nehmen. Denn "die beste" Matratze gibt es nicht, die Wahl ist eine sehr persönliche Sache - und eine Rückgabe gar nicht oder nur mit erheblichen Verlusten möglich. Manchmal allerdings kann man zuhause ein paar Tage Probeliegen.

"Eine Matratze sollte unterschiedliche Zonen haben. An Schulter und Beckenbereich sollte sie nachgeben. Liegt man auf dem Rücken, dann muss das Gesäß einsinken können. Sie müssen natürlich schon merken, dass an der Taille die Matratze auch anliegt und sanft stützt. Ganz wichtig, es darf nicht drücken."

Christoph Klobeck, Bettenexperte aus Wasserburg  

Seiten-, Rücken- oder Bauchschläfer?

Ein zu hohes Kisse ist ebenso schlecht für die Halswirbelsäule wie ein zu niedriges.

Liegt der Schläfer auf der Seite, sollten Schultern und Becken so einsinken, dass die Wirbel am Rücken eine gerade Linie bilden. Auch das Kissen ist wichtig: Beim passenden Kissen liegen auch die Nackenwirbel auf Höhe der Wirbelsäule.

Schläft man als Paar in einem Bett, sollte jeder seine eigene Matratze und einen eigenen Rost haben, damit jeder Rücken die für ihn beste Unterlage hat. Eventuell kann man auch eine gemeinsame Matratze verwenden - die sollte dann aber unbedingt punktelastisch sein. Das heißt, dass jeder Bereich individuell nachgibt, ohne die umliegenden Bereiche zu beeinflussen.

Matratzentypen

Federkern

Federkernmatratzen, die einzelne, in kleine Beutel eingenähte Taschenfedern aus Metall enthalten, können besonders gut Feuchtigkeit abführen, denn sie enthalten in ihrem Innern viel Luft. Bei ihnen kommt es auf die Qualität und Anzahl der Metallfedern an. Federkernmatratzen eignen sich für Menschen, die stark schwitzen.

Kaltschaum

Am häufigsten und auch am günstigsten zu haben sind heute Kaltschaummatratzen, die Latexmatratzen fast ganz abgelöst haben. Denn sie verfügen inzwischen über hohe Elastizität, unterschiedliche Zonen und eine gute Haltbarkeit. Kaltschaummatratzen eignen sich für Menschen, die eher frieren, da sie Wärme gut spechern.

Latex

Latexmatratzen bestehen meist nicht aus Naturkautschuk, sondern aus synthetischem Material. Sie sind sehr punktelastisch und insgesamt fester als Kaltschaummatratzen. Haupt-Nachteil: Sie sind deutlich schwerer als Schaumfabrikate, können bis zu 25 Kilo wiegen. Alleine kann man sie weder transportieren noch wenden.

Schaumstoff

Außerdem gibt es noch spezielle Schaumstoffmaterialien, die sich dem Körper anpassen, zum Beispiel, weil sie auf Temperatur reagieren. Wo ein hoher Druck ist, wird es wärmer, die Matratze gibt mehr nach. Das nennt man "viskoelastisch". Aber das funktioniert wiederum nur optimal bei gleichbleibend warmen Temperaturen im Schlafzimmer. Wird es kühler, verändert sich auch das Verhalten des Materials.

Wasserbett

Und natürlich gibt es noch Wasserbetten, auch wenn sie ein bisschen aus der Mode gekommen sind. Sie können leicht beheizt werden, was allerdings zu Energiekosten von mehreren Euro pro Monat führen kann.

Vorsicht: Härtegrade sind nicht genormt

Für den Rücken eine Qual: Hängematten und durchhängende Matratzen

Leider sind die Härtegrade von Matratzen nicht genormt. Deshalb sollte man die Matratzen immer ausprobieren, wenn es unterschiedliche Schlafsysteme in jeweils mehreren Härten gibt. Wenn aber grundsätzlich alles passt, ist der Rest fast Geschmacksache. Wer ganz sicher gehen will, kann in ein Fachgeschäft gehen, das von der Aktion gesunder Rücken zertifiziert wurde.

Grundsätzlich raten Rückenexperten aber eher zur etwas härteren Variante der Matratze. Denn auf einer zu weichen Matratze sinkt der Schläfer ein und kann sich nicht mehr ausreichend bewegen.

Die flexible Basis: der Lattenrost

Vom einfachen Lattenkonstrukt (vorne) bis zum High-Tech-Modell mit zig verschiedenen Zonen (Mitte) gibt es alles zu kaufen.

Die beste Matratze nutzt nichts ohne gute Unterfederung. Heute muss der Lattenrost nicht mehr unbedingt aus Holz sein. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Lösungen. Die Experten sprechen von einem Schlafsystem. Auch für die Unterfederung gilt: Die Unterfederung muss für Schulter und Becken individuell einstellbar sein, je differenzierter, desto besser. Lattenroste aus Buchenholz sind am stabilsten, wichtig ist aber auch, wie vielfach die Latten verleimt sind. Schwere Menschen sollten sich sieben- bis zehnfach verleimte Leisten anschaffen.

Lattenrost-Varianten

Rollrost

Die einfachste Variante eines Lattenrosts besteht aus Latten, die durch ein Band miteinander verbunden sind. Man rollt diese Latten einfach im Bett aus - daher der Name. Rollroste lassen sich nicht einstellen, geben an allen Stellen gleich viel bzw. wenig nach. Deshalb sind sie eher eine Notlösung.

Standardlattenrost

Hier sind die Bretter leicht gebogen und mit einem Rahmen verbunden. Dadurch gibt der Lattenrost etwas nach. Die Qualität hängt vor allem davon ab, wie viele Bretter es sind. Je weniger, desto schlechter passt sich der Rost den unterschiedlichen Druckzonen an. Mindestens 25 Latten sollte der Rost haben.

Anpassbarer Rost

Er sieht vom Prinzip her aus wie ein Standardlattenrost, aber im Schulterbereich und manchmal auch im Hüftbereich sind zwei Latten mit Stoffspannern verbunden, den man hin- und herschieben kann. Dadurch lässt sich einstellen, wie stark die Latten unter dem Körpergewicht nachgeben.

Flexibler Rost

Einen beweglichen Lattenrost kann man in beinahe grenzenlos viele unterschiedliche Formen bringen: Das Kopfteil anheben, die Beine hochlegen und natürlich verschiedene Belastungszonen individuell einstellen. Meist verfügt der Lattenrost über 4-5 verschiedene Zonen. Hier sollte man überprüfen, ob die Zonen zu den eigenen Proportionen passen. Und die Matratze muss auch beweglich sein, sonst nützt der Spezialrost nichts. Manche Modelle lassen sich sogar per Fernsteuerung bedienen.

Tellerfeder-Rost

Hier dienen die Latten nur als Träger für meist quadratische Kunststoffteller. Pro Latte sind mehrere dieser Teller (5-6) auf der Latte befestigt, die Matratze liegt auf diesen Tellern auf. Jeder einzelne Teller ist beweglich - die Anpassungsmöglichkeiten sind also größer als bei Rosten, wo jeweils eine ganze Latte auf eine Belastung reagiert.

Umtauschrecht nur bei Kauf per Telefon oder Internet

Wer eine Matratze im Laden kauft, hat rein gesetzlich kein Umtauschrecht - aber man kann immer nachfragen, ob einem der Verkäufer aus Kulanz eines einräumt. Die Verbraucherzentrale rät, eine solche Kulanzvereinbarung auf der Rechnung vermerken zu lassen. Viele Händler sind kulant, weil sie wissen, dass bei Internetkäufen ein Umtauschrecht besteht.

Beim Kauf übers Internet oder per Telefon schützt das Fernabsatzgesetz den Kunden: Er darf das Produkt zuhause "prüfen" - also im Fall der Matratze auspacken und so ausführlich probeliegen wie er das im Geschäft täte. Gefällt ihm die Matratze und/oder der Lattenrost nicht, darf er beides zurückschicken innerhalb einer Frist von 2 Wochen nach Erhalt der Waren. Hat das Produkt mehr als 40 Euro gekostet, muss der Händler die Kosten für die Rücksendung übernehmen.


59