Lichtsmog Krank durch Kunstlicht
Mancher Mitteleuropäer kennt den Sternenhimmel nur von Fotos. Die starke Beleuchtung mit Kunstlicht, die sogenannte Lichtverschmutzung, lässt Sterne verblassen. Doch das ist noch das geringste Problem. Menschen werden krank, weil das nächtliche Licht den Biorhythmus durcheinander bringt. Dabei ließe sich das Problem durch bessere Lampen lösen.
Gehen Sie doch einmal nachts bei klarem Wetter vor die Haustür und schauen nach oben. Wenn Sie die Milchstraße sehen können, dann haben Sie Glück gehabt, denn nur wenigen Deutschen zeigt sich der Sternenhimmel noch so klar. Nach Angaben der International Dark Sky Association leben 99 Prozent der Einwohner Europas und der USA unter einem sogenannten lichtverschmutzten Himmel, also einem Himmel, der nachts durch Kunstlicht stark aufgehellt wird - mit fatalen Folgen.
Leuchtreklame und Straßenlaternen
Licht von Straßenlampen, Licht aus Wohnzimmern, Licht von Leuchtreklamen, Licht von angestrahlten Gebäuden macht uns die Nacht zum Tag. Allein in Kiel wurden in den letzten 50 Jahren aus 480 Straßenlaternen 20.000. Aus dem All gesehen, zieht sich eine gewaltige Lichtstraße über den Planeten - vor allem durch die eng besiedelten Gebiete der entwickelten Welt. Nur in der Dritten Welt bleibt es nachts weitgehend dunkel. Deswegen reisen europäische Astronomen nach Afrika oder Südamerika, um wenigstens ab und zu einen klaren Blick auf Sternbilder zu haben.
Fit machen nur dunkle Nächte
Während es für Astronomen lediglich lästig und frustrierend ist, im eigenen Land nachts nicht mehr forschen zu können, macht viele Menschen die nächtliche Helligkeit schlichtweg krank. Nur, wenn es nachts dunkel ist, veranlasst das unseren Körper, das körpereigene Ruhe- und Schlafhormon Melatonin auszuschütten. Lichtsmog zur Schlafenszeit führt nicht nur zu Schlaflosigkeit, sondern zu "Irritationen, die über die reine Schlafstörung hinausgeht", so Prof. Jürgen Zulley, Schlafforscher an der Universität Regensburg. Die langfristigen Folgen können laut Zulley ein Diabetes, der früher auftritt, Herzkreislauf- sowie Magen-Darm-Probleme sein.
Frühreif durch zu viel Licht?
Ob das nächtliche Licht auch unsere Sexualorgane beeinflusst, darüber streiten sich die Gelehrten noch. Einzelne Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die verlängerte nächtliche Helligkeit auch für die immer früher einsetzenden Pubertät bei Jugendlichen verantwortlich sein könnte.
Tod für Insekten und Zugvögel
Für Insekten bedeutet Lichtverschmutzung oder Lichtsmog häufig den Tod. Sie werden vom Licht angezogen und sterben an der Hitze der Lampe. Professor Gerhard Eisenbeis von der Universität Mainz schätzt, dass an Deutschlands Straßenlampen täglich 420 Milliarden Insekten verenden. Auch Zugvögel lockt starkes Licht an, besonders bei schlechter Sicht. Dann umkreisen sie stundenlang die Lichtglocke, die über großen Städten hängt oder prallen neben Scheinwerfern von Bergbahnen gegen die Felsen.
Gelbes statt weißes Licht
Mit der richtigen Beleuchtung von Straßen und Häusern könnte das Problem leicht entschärft werden. Lampen in Kugelform beleuchten zum Beispiel nicht nur den Boden, sondern strahlen auch waagrecht und nach oben ab. Lampen mit verspiegelten Lampenschirmen, die das Licht dorthin lenken, wo es auch tatsächlich gebraucht wird, produzieren dagegen keine Lichtverschmutzung. Auch helfen Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder, die das Licht nur dann einschalten, wenn es gebraucht wird. Würden Straßen mit gelblichen Natriumdampf-Lampen statt mit den grell-weißen Quecksilberdampf-Lampen verwendet, würden Insekten nicht so stark abgelenkt. Und sie verbrauchen auch noch weniger Strom.
Augsburg macht es vor
laVita
Augsburg tauscht schon seit Jahren die Lichtquellen schrittweise aus - Quecksilberdampf-Lampen gibt es dort nicht mehr. Die neuen Natrium-Lampen sind zwar teurer in der Anschaffung, seien aber länger haltbar und verbrauchten weniger Strom, so das Resümee des Umweltreferats der Stadt Augsburg. Außerdem sind Insekten an dem umweltfreundlichen Gelblicht eben weniger interessiert als am weiß-blauen Licht der Quecksilberleuchten - es werden zehnmal weniger verirrte Insekten in den gelben Lichtkegeln gezählt.

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