Ratgeber - Gesundheit

Kleine Kälte-Kunde Minus 91,5 Grad? Kein Problem!

Jetzt ist er da - der Kälteeinbruch, eine wahre Eiszeit. Darauf sollten wir vorbereitet sein, zumindest mental. Welche Temperatur könnte man wie lange selbst nackt noch ertragen - und wie kalt ist zu kalt? Eine kleine Kälte-Kunde.

Stand: 30.01.2012
Nackter Jogger im Winter | Bild: picture-alliance/dpa

Rund 37 Grad warm ist unser Körper. Weil wir einfach nur dadurch, dass wir am Leben sind, ständig Wärme produzieren, können wir uns - auch unbekleidet - in einer kälteren Umgebung aufhalten. Das Herz schlägt, die Lungen atmen, das Gehirn denkt und träumt, und der Magen verdaut. Bei diesem körpereigenen Kraftwerk reichen 28 Grad Außentemperatur aus, um die Körpertemperatur eines nackten Körpers auf 37 Grad zu halten.

Bei 19 Grad im Gleichgewicht

Aber was, wenn es kälter wird? Der Körper hat eine weitere Waffe: den Sport! Schon leichte Aufwärmbewegungen entsprechen einer Wärmeleistung von vier Glühbirnen. 19 Grad sind für einen unbekleideten Menschen damit eine noch erträgliche Außentemperatur. Der Körper erzeugt Wärme genauso schnell, wie er sie verliert, und bleibt so in einer Art Gleichgewicht. Wenn die Temperatur noch weiter sinkt, kann der Körper den Kälteverlust auch durch große Muskelanstrengungen (mit einer Wärmeleistung von immerhin 15 Glühbirnen) nicht ausgleichen: Denn die Wärme geht umso schneller wieder verloren - sie wird durch die Bewegung vom Körper gleichsam weggeblasen.

Zittern - aber nicht zu doll!

Wenn es "unmenschlich" kalt wird und selbst Bewegung nicht mehr hilft, kann der Körper immer noch auf seine Reflexe zählen. Dank ihrer können wir es sogar zehn Minuten lang bei minus 91,5 Grad aushalten - also bei der bislang tiefsten Temperatur der Erde, die an der russischen Antarktisstation Wostok gemessen wurde. Das Konzept des Zitterns ist faszinierend: Alle 600 Muskeln des Körpers vibrieren gleichzeitig und erzeugen eine Wärmeleistung von vier Glühbirnen. Wenn man still steht und die Luft um sich herum nicht erschüttert, entsteht um die Haut herum eine dünne Lufthülle, die die Haut vor dem Direktkontakt mit der Kälte schützt.

Der Körper macht dicht

Ein zweiter Reflex unterstützt die isolierende Wirkung. Die Blutgefäße in der Haut und in den Extremitäten werden verengt, sodass das warme Blut nur noch im Körperkern zirkuliert und die wichtigsten Organe und das Gehirn heizt. Nach zehn Minuten Antarktis-Kälte erreicht die Temperatur der Haut dann allerdings minus fünf Grad und somit den Gefrierpunkt von Salzwasser, aus dem unser Gewebe zu 60 Prozent besteht. Und dann wird es kritisch. In weiteren 20 Minuten kühlt der Körperkern auf 30 Grad ab: Die Herzschlagfrequenz sinkt so weit, bis das Herz schließlich versagt.

Für Kälterekorde nicht gemacht

Ungeschützte Körperteile schädigt die Kälte zuerst: Der eindringende Frost lässt das Wasser zwischen den Zellen gefrieren. Um das auszugleichen, strömt Wasser aus den Zellen in die Zwischenräume - die Zellen vertrocknen. Mit zunehmender Kälte entstehen immer mehr Eiskristalle und zerstören schließlich das Gewebe. Sinkt die Körpertemperatur unter 34 Grad Celsius, verfällt der Mensch in einen Erschöpfungszustand, das Bewusstsein trübt sich. Ab einer Körpertemperatur von 28 Grad ist sein Leben bedroht.

Auch Baden hilft nicht weiter

Wenn es draußen also 91,5 Grad minus hat - wie wäre es dann mit einem Bad in einem Eisloch, wo das Wasser immerhin mindestens null Grad warm ist? Eine schlechte Idee! Die Wärmeleitfähigkeit des Wassers ist 25 Mal höher als die der Luft. Das bedeutet, dass eiskaltes Wasser auf den Körper so wirkt wie Luft bei minus 180 Grad Celsius. Bis zu zwei Minuten könnten wir hier noch überleben. Aber wir wären dem Tod sowieso nahe: Ab minus 183 Grad wird Sauerstoff nämlich flüssig - und der Mensch kann nicht mehr atmen.