Ratgeber - Gesundheit


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Was tun? Haarausfall bei Frauen

Schönes, gesundes, volles Haar - das wünscht sich jede Frau. Doch was tun, wenn die Haarpracht merklich schütterer wird? Welche Ursachen können dahinter stecken? Ab wann sollte man einen Arzt aufsuchen? Und welche Therapien versprechen Erfolg?

Von: Julia Richter

Stand: 02.04.2012

Bürste mit Haaren | Bild: colourbox.com

Schön, voll, glänzend und natürlich gepflegt soll es sein. Von solchen Haaren träumen alle Frauen. Natürlich nur auf dem Kopf versteht sich. Dort gilt: je mehr, desto besser. Verhaltensforscher sehen in Haaren eines der bedeutendsten Lockmittel bei der Partnerwahl. In fast allen Kulturen gelten volle Haare als Schönheitsideal. Seit jeher machen Haare Leute: von der Elvis-Tolle über die Punkfrisur - Haare sind Ausdruck unserer Persönlichkeit. Umso schlimmer ist es für Betroffene, wenn sie die geliebte Pracht verlieren.

Ein Problem für die Psyche

Fast jede zweite Frau kommt irgendwann einmal mit dem Thema Haarausfall in Berührung. Für die Psyche ist Haarausfall oft ein Problem: besonders für Frauen.

Warnsignale: Ab wann muss man zum Arzt?

Für viele der Inbegriff von Weiblichkeit: volles, langes Haar.

Normalerweise gehen täglich 50 bis 100 Haare aus - mal etwas mehr, mal etwas weniger. Sind es dauerhaft mehr, besteht Handlungsbedarf. Bemerken Betroffene auffällig viele Haare in der Bürste, im Kamm, auf dem Kissen oder im Waschbecken, sollten Sie die Haare sammeln und zählen. Sind es wirklich mehr als 100 - und das über einen längeren Zeitraum - sollte man einen Dermatologen aufsuchen. Immer mehr Hautkliniken haben eine spezielle Haarsprechstunde - so wie an der TU München.

Diagnose: Wie finde ich die richtige Ursache?

Zuerst ist es wichtig, die Ursache zu finden. Deshalb steht am Beginn jeder Therapie ein ausführliches Gespräch, die sogenannte Anamnese: Der Arzt fragt den Patienten nach chronischen Krankheiten, akuten Infekten, Medikamenten, Stress oder auch, ob Verwandte vom Haarausfall betroffen sind.

Die Untersuchung des Blutes kann dann zum Beispiel Aufschluss darüber geben, ob der Betroffene Probleme mit der Schilddrüse oder einen Vitaminmangel hat. Auch die Kopfhaut wird genauestens unter die Lupe genommen.

Beim sogenannten Trichogramm kann der Arzt indirekt sogar sehen, was sich unter der Kopfhaut abspielt: etwa 50 Haare werden ausgerissen. Die Wurzeln werden im Labor genau untersucht. So kann man meistens den klinischen Verdacht auf einen Haarausfall bestätigen.

Die häufigste Ursache bei Frauen

Für Haarausfall gibt es viele Gründe: Der häufigste ist der erblich bedingte - auch androgentische Alopezie oder anlagebedingter Haarausfall genannt. Er tritt meist ab dem 40. Lebensjahr auf, kann sich aber auch später - um die Wechseljahre herum - bemerkbar machen.

Ursachen für erblich bedingten Haarausfall

Für die meisten Frauen ist Haarausfall ein großes, psychisches Problem.

Bei den Patientinnen spielen männliche Sexualhormone eine entscheidende Rolle: Ihre Haarwurzeln reagieren extrem empfindlich auf diese Hormone. Die Folge: Die Wurzel verkümmert, das Haar wird immer dünner und fällt am Ende aus. Eine Haarwurzel, die einmal zerstört ist, kann nicht mehr gerettet werden. Ein typisches Muster bildet sich: Vor allem am Scheitel wird es immer lichter. Es können aber auch andere Stellen wie der Stirn - oder Seitenbereich betroffen sein.

Behandlung mit Minoxidil

Die Behandlung erfolgt im Frühstadium mit dem Wirkstoff Minoxidil: Er hat sich in klinischen Studien bewährt. Als zweiprozentige Lösung wird er zweimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen.

Haare | Bild: colourbox.com zum Thema Haarige Sachen Schönes Haar sei mir gegeben ...

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Das Produkt ist eine Zufallsentdeckung: So ganz genau weiß man bis heute nicht, warum es hilft. Der Wirkstoff wurde ursprünglich gegen Bluthochdruck entwickelt. Seine Nebenwirkung: Vermehrtes Haarwachstum. Minoxidil fördert die Durchblutung der Haarwurzeln und regt das Haarwachstum an. Bis man ein Ergebnis sieht, braucht es Geduld. Das kann bis zu einem halben Jahr dauern. Und: Betroffene dürfen die Behandlung nicht absetzen, da die Wirkung sonst wieder nachlässt. Die Kosten für eine Behandlung muss der Patient in der Regel selbst bezahlen - eine Drei-Monats-Packung kostet um die 49 Euro.

Dr. Antonia Todorova, Dermatolgin an der TU, München, empfiehlt unterstützend Koffeinshampoos und östrogenhaltige Tinkturen zum Auftragen - allerdings nur als ergänzendes Element.

Behandlung mit Antiandrogenen

In schwereren Fällen - wenn der Haarausfall schnell fortschreitet und nicht auf eine äußerliche Therapie anspricht - kann, laut Dr. Todorova, eine Behandlung mit Tabletten sinnvoll sein - mit sogenannten Antiandrogenen, die gegen männliche Hormone wirken. Diese sollten jedoch nur nach gründlicher Abwägung unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen eingenommen werden.

Andere Gründe für Haarverlust

Haarprobe | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Kreisrunder Haarausfall Wenn man plötzlich kahl wird

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Neben dem androgenetisch bedingten Haarausfall können eine Reihe weiterer Ursachen Schuld am Haarverlust sein: zum Beispiel eine Crash-Diät, eine unausgewogene Ernährung, aber auch eine Infektion, Stress, bestimmte Medikamente oder die Wechseljahre. Der Haarausfall verläuft dann meist in diffusen Mustern.

Tipp:

Weitere Infos zum Thema Haarausfall finden Sie hier:

Haarsprechstunde an der Dermatologischen Klinik am Biederstein der Technischen Universität
Biedersteinerstr. 29
80802 München

Egal, welcher Grund zum Haarverlust führt - das Geschäft rund ums Haar boomt. Diverse Angebote versprechen leidgeplagten Patienten Abhilfe. Wunder sind allerdings nicht zu erwarten. Meist sind die Produkte auch nicht billig. Bevor der Patient unkritisch zu Vitamintabletten greift, ein spezielles Shampoo benutzt, dubiose Pulver nimmt oder eine teure Entsäuerungskur beginnt, sollte er von einem Facharzt klären lassen, wo genau die Ursache für seine Probleme steckt. So kann er sich unnötige Kosten sparen und umso schneller bekommt man das Problem in den Griff.

Je nach Schweregrad und persönlichen Umständen sind Perücken und Haarteile eine Möglichkeit, Haarausfall zumindest zu kaschieren. Heutzutage gibt es täuschend echte Modelle, die gut verarbeitet sind und Betroffenen in der Öffentlichkeit Sicherheit vermitteln können.

Haarverlust und Mythen

Rund um das Haar ranken sich diverse Mythen: Häufiges Waschen, föhnen, aber auch mäßiges tönen und färben führt - anders als vielfach behauptet - nicht zu Haarausfall oder verschlimmert ihn. Und: Häufiges Schneiden macht die Haare nicht dicker - entgegen einer alten Volksweisheit.


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