Angriff der Blutsauger Die Rückkehr der Bettwanzen
Heute London, nächste Woche Madrid - Städtereisen sind beliebt. Da kommen auch Bettwanzen auf ihre Kosten. Als blinde Passagiere können sie im Gepäck mitreisen - und sind in den USA und Frankreich inzwischen zur Plage geworden. Und in Deutschland?
Bettwanzen galten eigentlich als ausgerottet, seit sie in den 50er-Jahren mit chemischen Keulen wie DDT beseitigt wurden. In den USA und Australien sind sie inzwischen wieder so stark auf dem Vormarsch, dass man dort sogar von einer richtigen Plage spricht. Vor allem in Studentenwohnheimen, Krankenhäusern und billigen Hotels sind sie zu finden. 2011 gab es in New York eine Bettwanzen-Epidemie, Hotels und Kaufhäuser mussten schließen. Und auch in Deutschland tauchen Bettwanzen immer öfter wieder auf. Doch man spricht nicht darüber! Es ist peinlich, dabei kann es jeden erwischen ...
Die Plage nimmt zu
Immer häufiger werden die Kammerjäger auch in Deutschland von Menschen gerufen, die Bettwanzen in der Wohnung haben. Experten führen das darauf zurück, dass bestimmte Insektizide wie DDT wegen der drohenden Gesundheitsgefahr verboten sind und die Resistenzen von Bettwanzen zunehmen. Außerdem unterstützen Fernreisen sowie Umzüge die Verbreitung der Wanzen. Das Problem verschärft sich. Waren es vor zehn Jahren noch zwei bis drei Meldungen pro Jahr, sind es jetzt zwei bis drei Meldungen pro Woche, so Schädlingsbekämpfer Dennis Kalff.
Bettwanzen in Deutschland
Bettwanzen sind in den USA und Frankreich zur Plage geworden. In Deutschland kann man zwar noch nicht von einer Invasion reden, aber auch hierzulande ist die Zahl der Bettwanzen in den vergangenen Jahren "immens gestiegen", sagt Rainer Gsell, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Schädlingsbekämpfer Verbandes (DSV). "Da kommt ein Problem auf uns zu." Vor allem die Ballungszentren seien betroffen, meist Herbergen und Hotels - "egal, ob sie fünf oder zwei Sterne haben", sagt Gsell.
Einen gesundheitlichen Schaden verursachten die Parasiten nicht, soweit man bisher weiß, aber einen wirtschaftlichen, sagt Rainer Gsell: Zwei bis drei Tage brauchen Schädlingsbekämpfer im Schnitt, um ein Hotelzimmer von den lästigen Gästen zu befreien. In dieser Zeit können befallene Räume nicht vermietet werden - und wenn sich der Schädlingsbefall herumspricht, ist der gute Ruf eines Hotels dahin. Man sollte auch als Privatperson nicht versuchen, Bettwanzen selbst zu bekämpfen, sondern einen geprüften Schädlingsbekämpfer vom Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband zu Hilfe holen.
Wanzen sind schwer loszuwerden
Haben sich Bettwanzen einmal in einer Wohnung eingenistet, wird man sie ohne Kammerjäger kaum wieder los. Der Kammerjäger muss jeden Zentimeter untersuchen. Die Wanzen bauen Nester, sitzen in Ritzen, in Spalten von Böden, hinter Bildern, in jeder Ecke. Nur der Schädlingsbekämpfer kann Bettwanzen dauerhaft entfernen, mit hochwirksamen Insektiziden, die mehrere Stunden einwirken. Um die Blutsauger sicher abzutöten, muss die Behandlung mehrfach wiederholt werden. Erst dann ist die Bettwanzen-Plage wirklich beseitigt.
Bettwanzen - das kann man gegen sie tun
Hotels
Wenn Sie in einem Hotel übernachten, kontrollieren Sie das Hotelbett mit einer Taschenlampe und am besten mit einer Lupe: Finden Sie in den Ritzen zwischen den Matratzen, am Bettgestell oder unter der Matratze Bettwanzen oder Spuren wie durchsichtige Häutungsreste oder Kot (kleine schwarze Punkte und Kreise), verlassen Sie das Zimmer und verlangen Sie ein anderes. Es ist übrigens egal, welcher Sterneklasse Ihr Hotel angehört: Auch von Luxushotels wie dem New Yorker Waldorf Astoria wurden bereits Befälle gemeldet.
Stellen Sie Ihren Koffer nie auf Boden oder Bett und untersuchen Sie ihn bei der Abreise auf Bettwanzen. Erst dann sollten Sie Ihre Kleidung wieder in den Koffer einräumen.
Stiche
Man erkennt einen Befall an den Stichen, die man an Stellen davonträgt, die nicht von Nachtwäsche bedeckt sind. Die Stiche sind meist in einer Reihe oder in einer Gruppe angeordnet und jucken stark. Bettwanzen sind ein bis sieben Millimeter lang und rötlich-braun. Sie sind nachtaktiv und lichtscheu. Sie verbreiten einen bittersüßen Mandelgeruch.
Bekämpfung
Bei einem starken Befall hilft nur die Giftkeule - und die sollte man von ausgebildeten Kammerjägern schwingen lassen. Allerdings haben Bettwanzen gegen viele Substanzen Resistenzen entwickelt. Manche Schädlingsbekämpfer rücken den Bettwanzen mit Hitze zu Leibe: Mittels Spezialöfen werden die betroffenen Räume erhitzt und die Wanzen sterben ab. Das Umweltbundesamt hat in Laborversuchen herausgefunden, dass 45 Grad Celsius über einen Zeitraum von 30 Minuten ausreichen, um Eier und erwachsene Bettwanzen abzutöten.
Möbel
Wenn Sie gebrauchte Möbel kaufen, kontrollieren Sie diese genauestens auf Bettwanzen, bevor Sie sie in Ihre Wohnung oder ins Haus bringen. Ist Ihr Schlafzimmer befallen, räumen Sie keine Möbel aus diesem Raum in ein anderes Zimmer.
Kleidung
Wenn Sie vermuten, auf Ihrer Reise mit Bettwanzen in Kontakt gekommen zu sein, verpacken Sie Ihre Kleidung in fest verschlossenen Plastiktüten und waschen diese zu Hause mit der höchsten Temperatur, die möglich ist. Schuhe und Taschen kann man für 20 Minuten bei hoher Temperatur in den Trockner stecken - empfiehlt die Universität Minnesota.
Auch bei Kleidung aus zweiter Hand sollte man vorsichtig sein und diese zuerst einmal gründlich kontrollieren und waschen.
Gegenstände
Eine weitere Möglichkeit, Bettwanzen loszuwerden, ist es, die betreffenden Gegenstände einzufrieren. Bücher oder Bilderrahmen müssen mindestens zehn Stunden bei minus 18 Grad eingefroren werden.
Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung, Umweltbundesamt, Universität von Minnesota
Von Quaddeln bis zu Allergien
Die fünf Millimeter großen Parasiten kommen nachts aus den Ritzen ihrer Verstecke ins Bett, spüren die Wärme des menschlichen Körpers, krabbeln auf die Haut und stechen zu. Sie saugen Blut, bis sie satt sind. Meist stechen sie mehrmals. Aus den Stichen, die dicht nebeneinander liegen, entstehen juckende, manchmal eitrige Pusteln. Bei empfindlichen Personen können sie sogar großflächige Hautinfektionen, starke allergische Reaktionen und Asthmaanfälle auslösen.
Wanzen im Gepäck
Aufpassen muss derjenige, der im Ausland war und dort merkwürdige, dicht beieinandersitzende Stiche hat. Er sollte daran denken, dass es sich bei den Stichen um Wanzen handeln könnte. Denn sonst kann es ihm passieren, dass er die Parasiten mit seinem Koffer nach Hause einschleppt. Wie viele Tiere hier ankommen, weiß niemand. Die Plage ist nicht meldepflichtig. Oft werden Wanzenstiche nicht erkannt und mit Mücken oder Flohstichen verwechselt.
Wanzen übertragen keine Krankheiten
Wanzen sind zwar ekelerregend, können aber keine Krankheiten übertragen, obwohl Forscher in den Parasiten verschiedene Erreger wie Hepatitis B, C oder HIV nachgewiesen haben.
"Bettwanzen könnten als Blutsauger theoretisch Erreger und Krankheiten übertragen. Bekannt ist aus Experimenten, dass sie den Hepatitis-B Virus-übertragen, aber eben nur im Experiment. Demnach braucht sich also jemand, der gestochen wird, keine weiteren Sorgen machen."
Major PD Dr. Andreas Krüger, Insektenkundler, Bundeswehr

Wetter


