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Kampf den resistenten Keimen Bluttest statt Antibiotika

Geschätzte 40 Millionen Mal wird in Deutschland pro Jahr ein Antibiotikum verschrieben, frei nach dem Motto: Viel hilft viel. Allerdings werden Bakterien dadurch immer resistenter. Dabei könnten einfache Bluttests helfen, den Antibiotikaverbrauch zu reduzieren.

Stand: 30.08.2012

Bluttests: sind die Werte zu hoch? | Bild: picture-alliance/dpa

Antibiotika helfen bekanntermaßen nur gegen Bakterien und nicht gegen andere Krankheitserreger wie zum Beispiel Viren. Bereits eine einfache Blutentnahme gibt Aufschluss, ob der Einsatz von Antibiotika überhaupt Sinn macht.

Erste Erkenntnisse nach zehn Minuten

Dabei wird das Blut auf das sogenannte C-reaktive Protein (CrP) hin untersucht, das sich im Blut befindet. Bei Entzündungen steigt die Konzentration dieses Eiweißstoffes an. Der Test dauert zehn Minuten und wird von vielen Ärzten kostenlos angeboten.

Ist der CrP-Wert niedrig, bedeutet das, dass keine Entzündung vorliegt und somit auf Antibiotika verzichtet werden kann. Bei einem erhöhten CrP-Wert sollte man hingegen nach der Ursache forschen: Denn das CrP steigt immer, wenn eine Entzündung gegeben ist - es lässt jedoch keine Rückschlüsse auf die Ursache der Entzündung zu. Dafür ist ein weiterer Bluttest notwendig, der sogenannte Procalcitonin-Test (PCT-Test).

Stufe II: der PCT-Test

"Der Procalcitonintest ist spezifischer: Er reagiert zum einen schneller auf eine Bakterieninfektion als das C-reaktive Protein, zum anderen reagiert dieses Procalcitonin vor allem oder fast ausschließlich bei Bakterieninfektionen, sodass man damit besser Patienten auswählen kann, die eine Bakterieninfektion haben und somit von einer Antibiotikatherapie profitieren würden."

Prof. Stefan Krüger, Lungenfacharzt

Ein oder zwei Bluttests, und schon weiß man, ob die Verabreichung von Antibiotika sinnvoll ist. Da stellt sich die Frage, warum diese Tests keine Kassenleistung sind - zumal Studien davon ausgehen, dass bis zu 40 Prozent weniger Antibiotika verschrieben würden, wenn man zuerst einen PCT-Test durchführt.

"Teilweise ist es günstiger, ein Antibiotikum zu verschreiben, was weniger kostet als die Diagnostik mittels des PCT-Testes."

Prof. Stefan Krüger, Lungenfacharzt

Eine Kostenfrage?

Der PCT-Test kostet 25 Euro. Wird sofort ein Antibiotikum verschrieben, kostet das hingegen im Schnitt nur zehn Euro - also deutlich weniger. Doch dies ist eine Milchmädchenrechnung, meinen Kritiker: Denn je mehr Antibiotika verschrieben werden, desto mehr resistente Bakterien entwickeln sich - was wiederum die Kosten nach oben schraubt, da entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden müssten. Von daher sollte an den Antibiotika nach allen Möglichkeiten gespart werden, denn der Einsatz von weniger Antibiotika bedeutet weniger Resistenzen, was wiederum zu Ersparnissen führt:

"Führt wenn man also so einen Test als reguläre Leistung der Krankenkassen ein, kann man in den nächsten Jahren bis zu 500 Millionen einsparen."

Dr. Michael Wilke, Gesundheitsökonom

Eltern müssen mitziehen

Ein weiteres "Problem", was die Reduzierung von Antibiotika betrifft, stellen vor allem Eltern dar, sagt Kinderarzt Dr. Anselm Bönte: "Bei Eltern besteht häufig die Vorstellung, dass - egal wo der Infekt herkommt, Virus oder Bakterium - das Kind mithilfe eines Antibiotikums wieder gesund wird. Das ist ein Trugschluss." In vielen Fällen sei es sinnvoller, den Erkrankungsverlauf abzuwarten und das Kind eine Woche nicht in den Kindergarten zu schicken. Denn wer krank ist, braucht vor allem eins: Ruhe.


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