Antibiotika im Babyalter Erhöhtes Risiko für Übergewicht
Kinder im Alter von drei Jahren neigen eher zu Übergewicht, wenn sie vor ihrem sechsten Lebensmonat mit Antibiotika behandelt werden. Amerikanische Wissenschaftler konnten in zwei großen Studien Zusammenhänge zwischen Antibiotikaeinnahme und Übergewicht nachweisen.
Dazu hat das Forscherteam um den New Yorker Mikrobiologen Martin Blaser die Daten von mehr als 11.000 Kindern ausgewertet. Sie untersuchten, ob die Kinder im Alter von bis zu 5 Monaten, zwischen dem 6. und 14. Monat oder zwischen dem 15. und 23. Monat mit Antibiotika behandelt wurden. Dabei dokumentierten sie auch die Körpermaße der Kinder zu verschiedenen Zeitpunkten.
Das Ergebnis: Risiko für Übergewicht erhöht sich
Wenn die Kinder vor ihrem 6. Lebensmonat Antibiotika verabreicht bekommen haben, erhöhte sich das Übergewichtsrisiko im Alter zwischen 10 Monaten und drei Jahren um bis zu 22 Prozent. Wurden die Antibiotika später verabreicht, war kein Zusammenhang mehr nachweisbar.
Die Forscher betonen, dass das Ergebnis nicht zeige, dass Antibiotika das Gewicht erhöhen würde, sondern nur, dass ein Zusammenhang bestehe.
Die Erklärung: Antibiotika verändern Darmflora und Stoffwechsel
Die Darmflora und der Stoffwechsel stellen sich durch die Einnahme von Antibiotika so um, dass mehr Nährstoffe aus der Nahrung gewonnen werden können und damit mehr Kalorien pro Mahlzeit in den Körper gelangen. Damit würden durch die Gabe von Antibiotika in einem frühen Lebensstadium die Weichen für ein erhöhtes Übergewichtsrisiko gestellt.
Die Forscher weisen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass das Übergewicht weltweit in etwa parallel mit dem Gebrauch von Antibiotika zugenommen habe. Möglicherweise gäbe es da einen Zusammenhang mit der übermäßigen Verwendung von Antibiotika in der Medizin und in der Tiermast.
Zweite Studie mit Mäusen
Warum Antibiotika zu Übergewicht führen kann, erklärt eine zweite Studie von Blaser: An Mäusen konnte nachgewiesen werden, dass schon geringe Mengen Antibiotika die Darmflora und damit den Stoffwechsel verändern - und zwar so drastisch, dass behandelte Tiere im späteren Leben deutlich mehr Fett einlagern als ihre Artgenossen. Das erklärt auch, warum Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden.
Zwar hatte sich die Darmflora der Mäuse nach der Behandlung nicht verändert - die Anzahl der Bakterien blieb konstant - aber die Anteile der verschiedenen Mikrobenarten hatten sich verschoben. Zudem gab es Veränderungen bei der Aktivität bestimmter Schlüsselgene, die für die Umsetzung von Kohlenhydraten in Fettsäuren zuständig sind. Auch die Leber zeigte, was die Verarbeitung von Fettsäuren und Cholesterin angeht, ungewöhnliche Werte.

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