Ratgeber - Gesundheit


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Gefahr für Patienten Resistente Keime in Krankenhäusern

Resistenzen können sich immer dann entwickeln, wenn Bakterien durch Antibiotika oder Desinfektionsmittel nicht gänzlich abgetötet werden. Dann haben sie Zeit, sich für den "Kampf" mit ihrem "Feind" zu "rüsten". Indem sie etwa lernen, welche "Waffen" das Antibiotikum verwendet und maßgeschneiderte Abwehrstrategien entwickeln.

Von: Monika v. Aufschnaiter

Stand: 30.07.2012

Krankenhausbett wird von Bakterien bedrängt | Bild: picture-alliance/dpa, BR, Montage: BR

Die meisten multiresistenten Keime entstehen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Laut Robert Koch-Institut waren in 2010 ein Drittel der Staphylococcus aureus-Bakterien, die eitrige Wundinfektionen verursachen, resistent gegen Antibiotika. Der Grund, warum multi-resistente (oder methicillin-resistente) Staphylococcus aureus-Keime (MRSA) in Krankenhäusern so besonders gut gedeihen: Dort durchlaufen die Bakterien durch die Verwendung von Antibiotika und Desinfektionsmitteln ein besonders "lehrreiches Überlebenstraining". Außerdem gibt es in Kliniken viele geschwächte Menschen, bei denen sich Bakterien leicht festsetzen können.

Zahl der Infektionen? - Schwer zu beziffern!

Angst vor Keimen

Eine repräsentative Umfrage der Apotheken Umschau hat ergeben, dass 56,1 Prozent der Befragten bei einem Krankenhausaufenthalt Angst haben, sich gefährliche Keime einzufangen. Auch wenn die Befragten nur zu Besuch im Krankenhaus sind, setzen sie auf Vorsichtsmaßnahmen: 82,5 Prozent sind der Ansicht, dass man sich im Krankenhaus immer an einem der Desinfektionsspender die Hände desinfizieren sollte, bevor man Kontakt zu Patienten hat. [Quelle: Apotheken Umschau]

Experten gingen bisher davon aus, dass sich pro Jahr etwa eine halbe Million Deutsche mit Superkeimen infiziert und dass etwa 15.000 an dieser Infektion sterben. Doch diese Zahlen stammen aus den 90er-Jahren, aus der sogenannten NIDEP-Studie. Fachverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) sind der Ansicht, dass unter anderem Infektionen des Verdauungstraktes (gastrointestinal) darin unzureichend berücksichtigt sind und viele Infektionsfälle gar nicht einberechnet wurden. In einer Stellungnahme gehen die Fachverbände von 700.000 Fällen aus, von denen 30.000 tödlich enden.

Krank durch Personalmangel und Mehrbettzimmer

Keine Handschuhe, keine richtige Desinfektion: So übertragen sich Superkeime.

Ein weiterer Grund für die Verbreitung multiresistenter Keime ist der Mangel an Klinikpersonal und an Einzelzimmern. Hat ein Patient sich mit einem Superkeim infiziert, muss er eigentlich in Quarantäne. Schon das ist in deutschen Krankenhäusern schwierig, weil es wenige Einzelzimmer gibt. Wenn dann auch noch eine Schwester für mehrere Patienten zuständig ist, steigt die Gefahr einer MRSA-Übertragung stark an. Denn jedes Mal, wenn sie hin und her geht, müsste sie sich - ohne Fehler zu machen - die Hände waschen und desinfizieren. In den Niederlanden etwa betreut eine Schwester auf der Intensivstation in der Regel nur einen Patienten.

Mediabox

Der Missbrauch von Antibiotika fördert das Wachstum von Superkeimen - insbesondere in Krankenhäusern. Infektiologe Prof. Dr. Johannes Bogner erklärt im Interview, wie man Superkeime bekämpfen und ihnen aus dem Weg gehen kann.

Schwarze Schafe vermeiden - aber wie?

Wird schon schiefgehen? Wer nach Hygienezahlen fragt, ist besser dran!

Schon bei der Wahl des Krankenhauses können Sie die Spreu vom Weizen trennen. Informieren Sie sich auf der Homepage der Klinik über die entsprechende Hygieneabteilung. Rufen Sie an und lassen Sie sich direkt mit dem zuständigen Hygiene-Arzt verbinden. Haken Sie nach: Wie steht es um konkrete Infektionsgefahren? Wie viele Fälle von Infektionen mit multiresistenten Keimen (MRSA) sind bislang aufgetreten? Gerät man am anderen Ende der Leitung in Erklärungsnöte, ist das bereits ein schlechtes Omen. 

Seit Juli 2011 ist es für die Verbraucher einfacher, die Hygienestandards zu vergleichen: Krankenhäuser müssen von da an Qualitätsberichte veröffentlichen, in denen die jeweiligen Hygieneergebnisse aufgeführt werden. Fragen Sie nach!

Tipps: Hygiene-Check im Krankenhaus

  • Sind Nachtkästchen und Schränke geleert? - Wenn nicht, ist mit Sicherheit auch nicht desinfiziert worden.
  • Achten Sie auch auf Details beim Putzen, zum Beispiel, wenn das Nachtkästchen gereinigt wird: Wird die benutzte Teetasse weggeräumt, oder wird nur drumrum gewischt?
  • Das Pflegepersonal muss regelmäßig die Hände desinfizieren und Einweghandschuhe tragen - immer ein neues Paar für jede Tätigkeit und jeden Patienten. Kommt die Schwester bereits mit angezogenen Handschuhen in Ihr Zimmer, sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen.

MRSA-Keime erkennen und behandeln

Bein eines Patienten, der sich mit MRSA infiziert hat

Fachleute raten, bereits im Vorfeld operativer Eingriffe vom Hausarzt einen Abstrich des Nasen-Rachen-Raums machen zu lassen. Dadurch kann man feststellen, ob man selbst bereits MRSA-Träger ist - meist bemerkt man davon gar nichts. Dann sollte zuerst eine Präventivbehandlung erfolgen, bevor es in die Klinik geht. Die Kosten von gut 20 Euro müssen allerdings selbst bezahlt werden - die Kassen übernehmen nichts.

Kommt es nach einer OP zur Entzündung, sollten die Ärzte umgehend ein sogenanntes Antibiogramm erstellen. Aus einem Abstrich werden Kulturen angelegt und nach zwei Tagen weiß man genau, welches Antibiotikum das Richtige ist.

Verbindliche Regeln für die Krankenhaushygiene

Das Infektionsschutzgesetz wurde 2011 hinsichtlich der Anforderungen an die Krankenhaushygiene geändert.

Das sind die wichtigsten Neuerungen im Infektionsschutzgesetz:

  • Alle Länder werden verpflichtet, bis zum 31. März 2012 Verordnungen zur Infektionshygiene und zur Prävention von resistenten Krankheitserregern in medizinischen Einrichtungen zu erlassen.
  • Am Robert Koch-Institut wird die Kommission "Antiinfektiva, Resistenz und Therapie" (ART) eingerichtet. Sie wird allgemeine Grundsätze für Diagnostik und Antibiotika-Therapie unter Berücksichtigung der Infektionen mit resistenten Krankheitserregern empfehlen.
  • Jedes Krankenhaus, das über 400 Betten hat, muss bis spätestens 2016 einen eigenen hauptamtlichen Hygiene-Facharzt vorweisen.
  • Die Krankenhäuser müssen ihren Verbrauch von Antibiotika erfassen und bewerten, um die Prävention resistenter Erreger zu verbessern.

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums:


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