Alkoholismus Der Partner leidet mit
Alkoholabhängigkeit belastet nicht nur Süchtige, sondern auch deren Partner, Familien, Freunde und Kollegen. Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland sind co-abhängig. Das heißt, sie leben in enger Beziehung mit einem Alkoholiker - und leiden über lange Zeit mit.
Info:
Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) kommen hauptsächlich Frauen in ihre Beratungsstellen: Rund 90 Prozent der Ratsuchenden sind weiblich.
Co-Abhängigkeit in Beziehungen entwickelt sich nach einem spezifischen Muster: Der Abhängige gleitet tiefer und tiefer in die Sucht und der Co-Abhängige versucht, den Partner zu retten. Je mehr der Süchtige entgleitet, desto größer sind die Selbstvorwürfe und Anstrengungen des Co-Abhängigen. Dabei entsteht ein kräftezehrender Beziehungskampf, in dem sich Hoffnung und Verzweiflung in immer schnelleren Abständen abwechseln. Um den Schein der Normalität nach außen hin zu wahren, verausgaben sich co-abhängige Partner häufig bis zur Selbstaufgabe. Nicht selten verfallen auch sie einer Sucht.
Sehnsucht und Angst
Der Co-Abhängigkeit liegt meist die Sehnsucht nach Liebe und Angst vor dem Verlassenwerden zugrunde, sagen Suchtexperten. Viele wiederholen zudem das Beziehungsmuster ihrer Kindertage: Cirka 60 Prozent der Frauen mit einem alkoholkranken Partner hatten einen suchtkranken Elternteil. Im Gegensatz zu Süchtigen haben es Familien deutlich schwerer, geeignete Therapien zu finden. Selbsthilfegruppen sind häufig der einzige Ausweg.
Die Sucht, gebraucht zu werden
Solange Co-Abhängige ihre Vergangenheit nicht aufgearbeitet haben, versuchen sie sich in Beziehungen die Liebe zu verdienen, die sie als Kind vermisst haben. Dazu suchen sie sich unbewusst immer wieder "hilfsbedürftige" Partner.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
"Unweibliche Sucht"
Süchtige Frauen werden schneller von ihren männlichen Partnern verlassen als süchtige Männer von ihren Partnerinnen. Und zwar umso schneller, je weniger ihr süchtiges Verhalten in das traditionelle Rollenbild passt. Alkohol- und Drogensucht gelten im Gegensatz zu Medikamentensucht und Ess-Störungen als "unweibliche" Süchte.
Mehr Frauen
Meist sind co-abhängige Partner Frauen.
Unterstützung
Männer unterstützen ihre süchtigen Partnerinnen nicht so intensiv wie Frauen ihren süchtigen Partner.
Begleitung
Nur wenige Männer begleiten ihre Frauen in eine Selbsthilfegruppe, aber neun von zehn Frauen tun dies.
Quelle: DHS
"Hilfe durch Nicht-Hilfe"
Sobald ein Partner versucht, dem Abhängigen Verantwortung abzunehmen, setzt sich der sogenannte Suchtbeziehungsprozess in Gang. Dieser verläuft in vier Phasen:
Alkoholismus
Entschuldigen
Die Entschuldigungs- oder Beschützerphase
Der Partner meint zu wissen, was dem Abhängigen fehlt und versucht ihn durch Liebe zu heilen.
Kontrolle
Die Kontrollphase
Der Co-Abhängige versucht, die Fassade aufrecht zu erhalten und die Kontrolle über die Situation zu gewinnen. Er bezahlt für seinen süchtigen Partner Schulden, holt ihn aus der Kneipe ab oder entschuldigt ihn beim Chef. Gleichzeitig wächst das Gefühl der Ohnmacht und Wertlosigkeit.
Anklage
Die Anklagephase
In der Anklagephase richtet sich der Frust gegen den Süchtigen. Vorwürfe und Streit sind an der Tagesordnung.
Trennung und Versöhnung
Trennung und Versöhnung
Meist wird nach der Anklagephase eine Trennung beschlossen, auf die eine Versöhnung folgt - und der Prozess der Abhängigkeit gerät wieder in Gang.
Der einzige Weg aus der Sucht
Nur Hilfe durch Nicht-Hilfe öffnet Alkoholsüchtigen die Augen. Der Suchtkranke muss die Folgen seines Verhaltens zu spüren bekommen, um etwas ändern zu wollen. Das ist der einzige Weg aus der Sucht. Erklärungen, Entschuldigungen oder Hilfestellungen dagegen verstellen den Blick auf die Realität. Der Süchtige ist nicht gezwunden zu handeln, solange das Andere für ihn übernehmen.
Helfen, aber richtig!:
- Abhängige nicht decken
- Keine Fehler ausgleichen
- Nicht entlasten
- Nicht entschuldigen
- Ausfälle nicht bagatellisieren
- Besserungsgelöbnisse nicht akzeptieren

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