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Suchtgefahr Der kurze Weg vom Missbrauch zur Sucht

Der Übergang vom Genuss zur Sucht ist fließend. Das tägliche Glas Wein am Abend oder das "Feierabendbier" klingen zwar harmlos, Gewöhnungstrinken kann aber ein Einstieg in die Abhängigkeit sein.

Stand: 23.04.2014

Mann sitzt alleine zuhause und trinkt | Bild: picture-alliance/dpa

Zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholismus liegt nur ein schmaler Grad. In beiden Fällen stehen Betroffene unter akutem Alkoholeinfluss, können sich und andere gefährden, zum Beispiel im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz. Der Unterschied liegt in der Art der Abhängigkeit: Beim Missbrauch besteht eine seelische Abhängigkeit, bei der Sucht kommt noch eine körperliche dazu.

Was ist Alkoholismus?

Alkoholismus gilt seit 1968 als Krankheit. Sie liegt laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) dann vor, wenn mindestens drei der sechs folgenden Anzeichen gegeben sind.

Zeichen von Alkoholismus

Wunsch und Zwang

Der starke Wunsch oder Zwang, Alkohol zu trinken.

Kontrollverlust

Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums

Entzugserscheinungen

Körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern

Gewöhnungseffekt

Es sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, um die früher erreichte narkotisierende Wirkung hervorzurufen (Alkohol-Toleranz oder Gewöhnungseffekt).

Rückzug

Zu Gunsten des Alkoholkonsums werden andere Vergnügungen oder Interessen zunehmend vernachlässigt.

Trinken gegen den Körper

Der Alkoholkonsum wird trotz Erkrankungen körperlicher, sozialer oder psychischer Art fortgesetzt.
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)

Die Handlungsfreiheit schwindet

Sucht ist ein psychisches Problem. Konflikte werden nicht gelöst, sondern mit Hilfe von Alkohol verdrängt. Mit zunehmender Alkoholsucht schließen sich körperliche und soziale Störungen an. Der Teufelskreis der Alkoholsucht beginnt, wenn die Handlungsfreiheit schwindet. Für Abhängige ist es schwer, sich diesen Kontrollverlust einzugestehen. Die meisten suchen daher erst spät professionelle Hilfe.

Alkohol am Arbeitsplatz

Wahrnehmung vertrauen

Haben Sie den Eindruck, dass etwas nicht stimmt mit dem Kollegen XY? Dann vertrauen Sie Ihrer eigenen Wahrnehmung. Meist trügt der Eindruck nicht. Folgende Anzeichen können bei Alkoholsucht auftreten.

Schwierigkeiten

Harte Fakten für die Sucht eines Kollegen bekommt man selten. Meist fallen eher Schwierigkeiten oder Probleme bei der Zusammenarbeit auf, die immer irgendwie mit Alkohol zusammenhängen.

Geruch

Der Kollege hat eine Fahne. Meist versuchen Alkoholiker diese mit Pfefferminzbonbons zu überdecken. Oder sie trinken geruchsarmen Alkohol wie Wodka.

Rückzug

Um nicht aufzufallen, trinken Alkoholiker nicht vor anderen.

Leistung

Die Leistungsfähigkeit fällt ab. Experten sagen, es kommt zu rund 25 Prozent "Minderleistung".

Fehltage

Die Fehltage häufen sich. Meist werden dafür keine konkreten Gründe genannt.

Pausen

Ein Kollege macht Pausen (keine Rauchpausen), wo andere keine Pausen machen. Sein Verhalten vor und nach der Pause ändert sich schlagartig - beispielsweise von Unruhe und Erregtheit zu entspannter Gelassenheit.

Überkorrektheit

Alkoholiker leben häufig die totale Normalität vor und verhalten sich besonders korrekt. Sie wollen nicht auffallen und versuchen so ihre Sucht zu verbergen. Beispielsweise kommen oder gehen sie besonders pünktlich.

Maßvoller Genuss

Alkohol sollte man nur in Maßen genießen.

Alkoholgenuss muss nicht ungesund sein, wenn man in Maßen trinkt: Frauen sollten täglich nicht mehr als zwölf Gramm Alkohol zu sich nehmen, also ein Achtelliter Wein oder ein Viertelliter Bier. Männer sollten eine Alkohol-Menge von 24 Gramm pro Tag nicht überschreiten, das sind ein Viertelliter Wein oder ein halber Liter Bier.

Experten empfehlen, nicht täglich zur Flasche zu greifen, denn einen risikofreien Konsum von Genussgiften gibt es nicht. Je mehr Alkohol man trinkt, desto höher ist das Risiko, an Krebs zu erkranken. Wer ohne "Betthupferl-Bier" nicht mehr Einschlafen kann, sollte das als Alarmzeichen werten.


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