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Studie Alkoholsucht verkürzt das Leben um 20 Jahre

Alkoholabhängige Menschen verkürzen ihre Lebenserwartung im Schnitt um 20 Jahre. Frauen mit Alkoholsucht haben im Gegensatz zu Männern ein deutlich erhöhtes Risiko, krank zu werden. Das ergibt eine aktuelle Langzeitstudie von Wissenschaftlern aus Greifswald und Lübeck.

Stand: 16.10.2012

Leere Flasche in der Erde | Bild: picture-alliance/dpa

Die Auswertung der Daten zeigt, dass alkoholabhängige Frauen im Schnitt mit 60 Jahren sterben, Männer mit 58 Jahren. Im Vergleich dazu liegt die durchschnittliche Lebenserwartung für nicht-alkoholabhängige Frauen bei 82 Jahren und für Männer bei 77 Jahren. Alkoholabhängigkeit scheint die Lebenserwartung auch deutlicher zu verkürzen als Tabakrauchen, so die Forscher. Krebserkrankungen, die durch Rauchen hervorgerufen wurden, führten oft erst später - im Alter von deutlich über 60 Jahren - zum Tode.

Frauen gefährden sich mehr

Erstaunt stellten die Forscher fest, dass es bei den Folgen von Alkoholsucht große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt: "Frauen scheinen schneller und stärker als Männer mit Erkrankungen auf Alkoholkonsum zu reagieren", sagt der Studienleiter und Epidemiologe aus Greifswald, Ulrich John. In Zahlen heißt das, die Sterberate von Alkoholikerinnen ist um das 4,6-fache erhöht, die von Alkoholikern um das 1,9-fache. Woher diese Unterschiede kommen, wissen die Forscher bisher nicht. Die geringere Körpermasse von Frauen sei allein kein ausreichendes Argument. Die Forscher warnen: "Frauen müssen beherzigen, dass sie deutlich weniger Alkohol konsumieren dürfen als Männer."

Empfohlene Trinkmengen:

Frauen sollten täglich nicht mehr als 12 Gramm Alkohol zu sich nehmen, also ein Achtelliter Wein oder ein Viertelliter Bier. Männer sollten eine Alkohol-Menge von 24 Gramm pro Tag nicht überschreiten, das sind ein Viertelliter Wein oder ein halber Liter Bier. Täglicher Alkohol-Genuss erhöht allerdings das Krebs-Risiko!

Forderung: Alkoholtherapien überarbeiten

Die Herausgeber der Studie sagen, dass die Therapien für Alkoholsucht in Deutschland zu spät ansetzen.

Die Studienergebnisse zeigen auch, dass Alkoholtherapien keinen positiven Effekt auf die Lebenswerwartung der Alkoholabhängigen hatten. Knapp 23 Prozent der 149 Alkoholabhängigen hatten sich im Laufe der 14 Jahre währenden Studie eine mehrmonatige Entwöhnungstherapie unterzogen, 6,7 Prozent einer Entgiftung. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass diejenigen, die in einer Entwöhnungsbehandlung waren, keine größeren Überlebenszeiten gegenüber denen hatten, die nie eine Therapie absolviert hatten, so Ulrich John.

Die Wissenschaftler aus Greifswald und Lübeck fordern, dass die Therapieangebote überarbeitet werden: "Die Therapien setzen in Deutschland zu spät an, wenn die Betroffenen bereits an einer Vielzahl alkoholbedingter Störungen leiden", kritisierte John. Über die Alkoholprävention müsse neu debattiert werden. Als wirksame Instrumente nennen die Forscher Preiserhöhung von Alkohol, ein Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen sowie ein striktes Alkoholverbot am Steuer. "Deutschland ist ein Hochkonsumland. Die deutsche Gesellschaft ist viel zu alkoholkonsumorientiert", sagt Epidemiologe John.

Die Studie:

Für die Langzeitstudie haben die Wissenschaftler aus Greifswald und Lübeck 1996 die Gesundheitsdaten von 4.070 Menschen gesammelt und ausgewertet - Einwohnern Lübecks und 46 umliegender Gemeinden, die über die Einwohnermeldeämter zufällig ausgewählt wurden. Von ihnen waren 153 als alkoholabhängig diagnostiziert worden, 149 (119 Männer und 30 Frauen) davon konnten über 14 Jahre beobachtet werden. Die Studie wird im Januar in der US-Fachzeitschrift "Alcoholism: Clinical & Experimental Research" (ACER) erscheinen.

Zeichen von Alkoholismus

Wunsch und Zwang

Der starke Wunsch oder Zwang, Alkohol zu trinken.

Kontrollverlust

Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums

Entzugserscheinungen

Körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern

Gewöhnungseffekt

Es sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, um die früher erreichte narkotisierende Wirkung hervorzurufen (Alkohol-Toleranz oder Gewöhnungseffekt).

Rückzug

Zu Gunsten des Alkoholkonsums werden andere Vergnügungen oder Interessen zunehmend vernachlässigt.

Trinken gegen den Körper

Der Alkoholkonsum wird trotz Erkrankungen körperlicher, sozialer oder psychischer Art fortgesetzt.
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)


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