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Therapie Stationen der Heilung

Ein Alkoholiker muss einsehen, dass er süchtig ist. Das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie mit Entzug, Entwöhnung und Nachsorge.

Stand: 12.09.2014

Stuhlkreis | Bild: picture-alliance/dpa

Erste Anlaufstelle bei Suchtfragen ist eine Beratung. Hier wird festgestellt, wie gravierend das Alkoholproblem ist. Ziel der Beratung ist es, Alkoholsüchtigen "die Augen zu öffnen" und sie für eine Therapie zu motivieren. Alkoholsucht wird normalerweise in vier Schritten behandelt:

Wie Alkoholismus behandelt wird

Beratung

Beraten lassen kann man sich bei einer der mehr als 1.300 Beratungsstellen in Deutschland, bei betriebsinternen Suchtberatern oder bei Selbsthilfegruppen. Dauer: einige Tage bis meherere Monate.

Entzug

Ob ein Entzug oder eine Entgiftung nötig ist, wird bei der Beratung geklärt. Die Behandlung erfolgt stationär oder ambulant. In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Dauer: zirka 2-3 Wochen.

Entwöhnung

Nach dem körperlichen Entzug sollte zur Entwöhnung eine psycho- oder soziotherapeutische Behandlung angeschlossen werden. Sie kann ambulant oder stationär durchgeführt werden. Die Kosten übernimmt in der Regel die Rentenversicherung. Jährlich begeben sich etwa 50.000 Menschen in Deutschland in eine stationäre Therapie. Dauer: mehrere Monate, eine Verlängerung ist möglich.

Nachsorge

Die Nachsorge in Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen soll trockenen Alkoholikern helfen, nicht rückfällig zu werden.

Test zum Rückfallrisiko

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls bei einem Alkoholentzug ist, haben deutsche Wissenschaftler erforscht. Dazu zeigten sie Patienten Bilder, die im Zusammenhang mit Alkohol standen. Währenddessen wurde ihre Gehirnaktivität in einem Magnetresonanz-Tomografen gemessen. Das Ergebnis: Je stärker ein Alkoholiker nach seinem Entzug auf die visuellen Reize reagierte, desto größer war die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls.

Wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert beim Anblick von Alkohol?

Das Suchtgedächtnis und das Belohnungszentrum im Gehirn wurden bei diesen Testpersonen schon dann aktiviert, wenn der Betroffene auch nur für Sekunden Bier, Wein oder Schnaps sah. Durch die Stärke der Aktivierung konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse ziehen, wie schnell ein Teilnehmer wieder zur Flasche greifen und wie viel er bei einem Rückfall trinken wird. Zum Vergleich wurden nicht-alkoholabhängige Menschen untersucht. Bei ihnen lösten dieselben Bilder keine Reaktion aus.

Rückfall-Schutz durch Gewöhnung

Alkoholikern, die besonders stark auf die Bildreize reagierten, empfahlen Suchtmediziner eine längere und intensivere Therapie, bei der Alkoholiker regelmäßig mit einem Glas Bier konfrontiert werden. Der Patient darf dabei das Glas Bier anfassen und daran riechen, aber nicht daraus trinken. Ziel der Therapie ist es, dass sich der Alkoholiker an den Anblick von Alkohol gewöhnt. Das reduziert die starke Reaktion im Gehirn.

Auch Medikamente, die das Verlangen nach Alkohol dämpfen, können eingesetzt werden. Diese Diagnosemethode ermöglicht es, eine Therapie individuell abzustimmen und so die Erfolgsquote nach einem Entzug zu erhöhen.

Tipp:

Interessierte können sich an folgende Adresse wenden:

Zentralinstitut für seelische Gesundheit
Postfach 12 21 20
68072 Mannheim
Telefon: 06 21 / 17 03-0

Therapieformen

Trocken

Abstinenz

Das Ziel von Suchttherapien ist in der Regel die totale Abstinenz. Auch Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker streben diese an. Sie gehen davon aus, dass Alkoholismus unheilbar ist. Alkoholiker könnten jedoch ein normales Leben führen, wenn sie ihr Leben ändern und diese Änderungen auch einhielten. Dazu stellen die Anonymen Alkoholiker Regeln auf, die bei der Heilung helfen sollen. Die Anonymen Alkoholiker gehen davon aus, dass Betroffene am besten in Gesellschaft mit Menschen genesen, die auch ein Alkohol-Problem haben.

Kontrolliertes Trinken

Kontrolliertes Trinken

Das Projekt "Kontrolliertes Trinken" verfolgt einen anderen Ansatz als gewöhnliche Suchttherapien. In einem "Zehn-Schritte-Programm" sollen Menschen lernen, ihr Trinkverhalten eigenständig zu verändern und zu kontrollieren. Zur Unterstützung gibt es ein kostenpflichtiges Handbuch, das Informationen und genaue Anleitungen zur systematischen Reduzierung des eigenen Alkoholkonsums liefert.

Jeder Teilnehmer setzt sich sein eigenes Ziel und versucht es in drei Monaten zu erreichen. In einem "Trinktagebuch" schreiben die Projektteilnehmer auf, wann, wie viel und warum sie getrunken haben. So haben sie ihren Alkoholkonsum immer "im Blick". Bei Fragen oder Rückmeldungen steht eine anonyme Onlineberatung zur Verfügung. In der Regel wird das Programm alleine absolviert.

Nicht für jeden!

Halbtrocken - nicht für jeden gut!

"Kontrolliertes Trinken" ist nicht geeignet für Menschen, die bereits abstinent leben, Abstinenz als Ziel haben oder die alkoholabhängig sind. Zudem bezahlen Rentenversicherungen keine Behandlung, die nur eine "halbtrockene" Lebensführung anvisiert.

Manche Suchtexperten und die Suchthilfe sehen diese Therapieform skeptisch und prognostizieren, dass Süchtige dabei schnell an ihre Grenzen stoßen werden. Für Beschäftigte, die am Arbeitsplatz frühzeitig auf ihr Trinkverhalten angesprochen wurden, könnte dieses Programm, das sehr viel Eigeninitiative erfordert, eine Alternative sein.

Tabletten

Seit September 2014 ist reduziertes Trinken als Therapie in Deutschland zugelassen - mit einem Medikament, das den Wirkstoff Nalmefen enthält. Voraussetzung ist, dass keine körperlichen Entzugserscheinungen bestehen, keine sofortige Entgiftung erforderlich ist und zusätzlich eine Therapie gemacht wird. Das Medikament muss nicht dauerhaft eingenommen werden, sondern nur bevor Alkoholabhänigige Alkohol trinken. Das Medikament soll die Lust auf Alkohol dämpfen und Alkoholabhängige den Ausstieg aus der Sucht erleichtern. Bisher lassen sich nämlich nur bis zu zehn Prozent der Menschen mit Alkoholproblemen überhaupt behandeln. Die Rentenversicherung akzeptiert diesen Therapieform bisher nicht.


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