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Berufsleben Alkohol am Arbeitsplatz

Geburtstage, Betriebsfeste - Gründe mit den Kollegen zu feiern, gibt es genug. Alkohol gehört meist dazu. Aber auch bei Konflikten, Stress und Überforderung am Arbeitsplatz ist Alkohol ein beliebtes Beruhigungsmittel.

Stand: 23.04.2014

Schnaps und Zigaretten am Arbeitsplatz | Bild: picture-alliance/dpa

Schätzungsweise 10 bis 30 Prozent der Arbeitsunfälle ereignen sich unter Alkoholeinfluss. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) fehlen Alkoholkranke 16-mal häufiger, sind öfter krank und verursachen mehr Unfälle als ihre Kollegen. Im Schnitt leisten Alkoholiker nur 75 Prozent des normalen Arbeitspensums. Suchtexperten gehen davon aus, dass fünf Prozent der Beschäftigten alkoholsüchtig und zehn Prozent stark gefährdet sind.

Bundesweit drei Millionen Fehltage

In Deutschland fallen nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) jährlich drei Millionen Fehltage an, weil Arbeitnehmer aufgrund ihres Alkoholkonsums krankgeschrieben werden mussten. Die Beschäftigten bleiben nicht zu Hause, weil sie am Wochenende zu lange gefeiert haben, sondern aufgrund von schwerwiegenden Erkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Entzugssyndromen und psychotischen Störungen. Im Durchschnitt dauere eine solche Krankschreibung sieben Wochen.

Das Betriebsklima leidet

Alkoholkranke am Arbeitsplatz beeinflussen das Arbeitsklima nachhaltig. Da sie durch die Hilfe der Kollegen lange unentdeckt bleiben, beginnen die Veränderungen schleichend. Zuerst gerät der Betriebsablauf durcheinander, da Kollegen die Arbeiten des Süchtigen übernehmen und versuchen, ihn zu beschützen. Wenn die Probleme zunehmen, setzt eine "negative Spirale" ein: Ein Teil der Mitarbeiter wendet sich ab. Andere helfen aus Mitleid weiter. In der Gruppe entsteht ein Ungleichgewicht, das das Arbeitsklima belastet. Der kräftezehrende Prozess und die Mehrarbeit vermindern schließlich die Leistungen der ganzen Abteilung.

Alkoholismus am Arbeitsplatz

Vertuschen

Alkoholiker sind ein Risiko

Zunächst versucht der Suchtkranke sein Alkoholproblem zu verheimlichen. Das geht meist nicht lange gut, denn Alkoholmissbrauch hat körperliche und psychische Folgen. Mitarbeiter, die Alkohol riskant konsumieren, sind laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen bis zu 2,5 Mal häufiger krank als andere Mitarbeiter. Laut World Health Organisation (WHO) spielt Alkohol bei jedem fünften Arbeitsunfall eine Rolle.

Betriebsstörung

Mehrarbeit für die Kollegen

Fällt ein Suchtkranker wiederholt aus, gerät der Arbeitsablauf durcheinander. Kollegen springen ein und übernehmen die Aufgaben des Süchtigen, manche versuchen ihn zu schützen. Diese Mehrbelastung schädigt langfristig das Arbeitsklima und senkt die Motivation der Mitarbeiter.

Gesprächsbedarf

Ansprechen statt Abwenden

Wenn die Probleme zunehmen, wendet sich viele Kollegen ab. Andere versuchen aus Mitleid, dem Alkoholiker weiterhin zu helfen. Spätestens dann sollte der Vorgesetzte das Problem offen und direkt ansprechen. Wenn Pflichtverletzungen aufgetreten sind, sollte ein Gespräch auf arbeitsrechtlicher Ebene mit klaren Zeitvorgaben stattfinden.

Alkoholkranken den Spiegel vorhalten

Man sollte nicht versuchen, einem Kollegen Alkoholsucht nachzuweisen. Seine Versteckspiele werden umso ausgefeilter sein. Auch Abwarten oder die Versetzung in eine andere Abteilung sind nicht der richtige Weg. Dadurch ändert der Betroffene sein Verhalten nicht. Erfolgsversprechend ist laut Suchtexperten nur die direkte Auseinandersetzung mit dem Alkoholkranken. Wenn noch keine Pflichtverletzungen aufgetreten sind, wird der Vorgesetzte hierfür ein Gespräch auf kollegialer Ebene wählen. Ansonsten erfolgt ein Gespräch auf der arbeitsrechtlichen Ebene mit klaren zeitlichen Vorgaben. Erst wenn der Verlust des Arbeitsplatzes droht, erkennen Süchtige den Ernst der Lage.

Konstruktiven Druck ausüben

Man sollte sich nicht von Betroffenen in die Irre führen lassen, denn sie wollen sich ihr Problem nicht eingestehen. Daher sind die Reaktionen auf ein offenes Gespräch mit einem Alkoholkranken schwer einzuschätzen. Gegenwehr, Einsicht oder Versprechungen: Ob man etwas erreicht hat, wird nicht sofort ersichtlich. Der konstruktive Druck der durch eine Rückmeldung auf den Süchtigen ausgeübt wird, bleibt jedoch selten ohne Folgen. Viele Betroffene bestätigen, dass sie erst durch die Reaktion ihrer Kollegen und Vorgesetzten zur Einsicht kamen und ihre Situation ändern wollten.

Web-Tipp: :

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