Themen - gesundheit


6

Alkohol und Alter Alkoholkonsum bei Jung und Alt alarmierend

11,5 Prozent der Jugendlichen in Deutschland betrinkt sich mindestens einmal im Monat. 2013 wurden knapp 23.300 Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Doch auch der Alkoholkonsum vieler älterer Menschen hierzulande ist bedenklich.

Stand: 21.05.2015

Jugendliche trinken Alcopops | Bild: picture-alliance/dpa

11,5 Prozent der Jugendlichen in Deutschland betrinkt sich mindestens einmal im Monat rauschhaft. 2013 wurden laut Statistischem Bundesamt knapp 23.300 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Das sind 12,1 Prozent weniger als 2012. Junge Männer von 14- bis 17-Jahren trinken deutlich mehr als junge Frauen, 23,1 Prozent gegenüber 16,5 Prozent.

Komasaufen

Experten weisen darauf hin, dass nur eine kleine Gruppe Jugendlicher zum sogenannten Komasaufen neigt, diese aber immer exzessivere Züge zeigt. Grundsätzlich gilt, dass Alkohol für das noch wachsende Gehirn schädlicher ist als für das ausgewachsene. Zum Glück geben 45,6 Prozent der Jugendlichen an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Vor zehn Jahren waren es nur 13 Prozent.

Alkoholismus im Alter

Alkoholmissbrauch ist nicht nur unter Jugendlichen ein Problem. Die Zahl der Krankenhauseinlieferungen ist bei Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen hoch, wenn sich auch leicht rückläufige Tendenzen zeigen. Doch während es viele Studien über jugendliches Trinkverhalten gibt, fehlen sie für alte Menschen. Dabei ist deren Alkoholkonsum nicht weniger alarmierend. Er fällt nur nicht so auf, denn je nach Altergruppe wird unterschiedlich getrunken: Während Jugendliche beim Trinken noch ihre Grenzen testen und situativ und öffentlich exzessive Trinkmuster zeigen (Komatrinken), trinken viele ältere Menschen durchgehend viel und meist heimlich.

Männer trinken mehr

Männer trinken in allen Altersgruppen insgesamt mehr Alkohol als Frauen. In den vergangenen Jahren wurde berichtet, dass die Zahl weiblicher Jugendlicher beim Komatrinken steigt. Daraus könne man aber nicht schließen, dass Frauen beim Trinken aufholten, sagt Thomas Altgeld von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin in Niedersachen. Es scheine nur so, denn Mädchen fielen beim Komatrinken mehr auf als Jungen und würden schneller ins Krankenhaus geschickt, so Altgeld weiter. Zudem werten beide Geschlechter betrunkene Frauen ab. Ihnen wird unterstellt, dass sie sich nicht im Griff hätten. Bei Männern werden Trinkexzesse dagegen eher entschuldigt - wie auch deren Folgen: Aggressionen, Gewalt und sexuelle Übergriffe.

Kinder aus suchtbelasteten Familien greifen eher zur Flasche

Kinder, die aus Familien stammen, in denen die Eltern selbst alkoholabhängig sind, haben ein höheres Risiko, selbst abhängig zu werden. Ein Drittel der Kinder von Suchtkranken entwickele selber eine Sucht, so Suchtexperte Klein. Und ganz besonders trifft es hier die Töchter alkoholkranker Frauen: Sie haben ein sechzehnfach höheres Risiko als Töchter von Müttern, die nicht trinken. Bei den Jungen ist das Risiko dagegen nur dreimal höher.

Jugendliche fangen immer früher an zu trinken

Feiern und Spaß haben - für viele Jugendliche ohne Alkohol nicht vorstellbar.

In den vergangenen Jahren ist das Einstiegsalter in den Alkoholkonsum auf 14,5 Jahre gesunken. Eigentlich dürfen in Deutschland Jugendliche bis 16 Jahre überhaupt keinen Alkohol erwerben. Schnaps, Likör oder Alcopos dürfen nur an über 18-Jährige verkauft werden. Suchtexperten beklagen, dass die bestehenden Bestimmungen des Jugendschutzes an vielen Supermarkt-Kassen und Tankstellen nicht eingehalten werden und beispielsweise schon 14-Jährigen Wodka verkauft wird. Fachleute plädieren aus diesem Grund dafür, Alkohol deutlich zu verteuern und die Werbung für alkoholische Getränke einzuschränken.

Der zunehmende Alkoholmissbrauch von Jugendlichen ist auch ein gesellschaftliches Problem: Alkohol ist sehr billig und in der Werbung positiv besetzt. Feiern und Spaß haben mit Alkohol hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Dazu ist der Alkoholkonsum meist das einzige Ventil für Jugendliche, Schulstress und andere Probleme zu bewältigen.

Tipps im Umgang mit Jugendlichen

Pflicht

Eltern haben, bis ihr Kind das 18. Lebensjahr vollendet, das Recht, über den Aufenenthaltsort ihrer Kinder zu bestimmen und die Pflicht: Eltern obliegt die sogenannte Personensorge.

Abholen

Holen Sie Ihr Kind rechtzeitig von der Party oder der Diskothek ab. Jugendliche unter 16 Jahren dürfen nur mit einem Erziehungsbeauftragten in der Disko oder auf einer Tanzveranstaltung unterwegs sein. Jugendliche ab 16 Jahren müssen um 24.00 Uhr nach Hause gehen.

Anzeige

Beschweren Sie sich, wenn Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren ausgeschenkt oder verkauft wird. Sprechen Sie die Wirte an, verbünden Sie sich mit anderen Eltern. Melden Sie die Verkaufsstellen, die sich nicht an die Jugendschutz-Bestimmungen halten, dem Jugendamt oder erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Verbot

Sprechen Sie eindeutige Verbote aus: Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie nicht akzeptieren, wenn es raucht oder Alkohol trinkt.

Regeln

Bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren sollten Sie, so das Jugendamt Nürnberg, ganz konkrete Konsumregeln aufstellen, wann, wo und wie viel Alkohol die Jugendlichen trinken dürfen. Sie müssen nicht erlauben, was gesetzlich erlaubt ist.

Reden

Reden Sie offen mit ihren Kindern und informieren Sie sie sachlich über die Folgen von Alkoholkonsum und Suchtgefahren.

Beratung

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind öfter Alkohol trinkt, sprechen Sie es an - und nehmen Sie ihre Verantwortung ernst: Suchtberatungsstellen bieten Hilfe an.

Quellen: Suchtinfo Oberpfalz, Jugendamt Nürnberg

"Ein Drittel trinkt wegen wirklicher Probleme"

Zwei Drittel aller Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, geraten aus Naivität, durch Trinkspiele oder Wetten in diese Situation - und werden nach diesem Erlebnis nicht wieder auffällig, so Jörg Wolstein, Psychologe an der Universität Bamberg. Ein Drittel der Jugendlichen aber trinke, weil sie wirklich unter Stress und Problemen litten. Besonders bei den jüngeren Kindern habe die Zahl der Mädchen unter den Komatrinkern zugenommen: Mädchen betrinken sich früher als Jungen. Bei den Jugendlichen ab 16 Jahren dagegen sei das Geschlechterverhältnis zwei Drittel Jungen, ein Drittel Mädchen.

Fatale Folgen fürs Gehirn

Was ist Sucht?

"Sucht fängt dann an, wenn die Dosis ständig gesteigert werden muss, der Jugendliche schon tagsüber Verlangen nach Alkohol hat oder anfängt, alleine zu trinken." Jörg Wolstein, Uni Bamberg

Bei Jugendlichen ist nicht nur die Spanne zwischen dem ersten Alkoholkonsum und der Suchtentwicklung kürzer als bei Erwachsenen, sondern Alkoholmissbrauch trifft das jugendliche Gehirn ungleich härter als ein Erwachsenen-Hirn. Denn das Gehirn von Jugendlichen befindet sich in einem Umbauprozess und ist in dieser Phase besonders empfindlich, so Jörg Wolstein, Psychologe an der Universität Bamberg. Die Folgen: Das Gedächtnis leidet messbar unter wiederholtem Alkoholmissbrauch.

Verschärfter Jugendschutz?

Sowohl Benjamin Grünbichler als auch Jörg Wolstein betonen, dass sie eine weitere Verschärfung der Jugendschutz-Bestimmungen nicht für sinnvoll und machbar halten, aber die Einhaltung der bestehenden Jugendschutz-Bestimmungen wichtig sei. In Frankreich gebe es ein geringeres Alkoholproblem unter Jugendlichen als in Deutschland:

"In Frankreich betrinken sich 30 Prozent der Jugendlichen einmal pro Jahr, in Deutschland sind es 60 Prozent. In Frankreich wurde aber auch die Alkohol-Werbung stark eingeschränkt, da hinken wir hinterher."

Jörg Wolstein, Psychologe an der Universität Bamberg

Jugendschutzgesetz

Tanzveranstaltungen

"Die Anwesenheit bei öffentlichen Tanzveranstaltungen ohne Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person darf Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nicht und Jugendlichen ab 16 Jahren längstens bis 24.00 Uhr gestattet werden."

Ausschank

"In Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit dürfen 1. Branntwein, branntweinhaltige Getränke oder Lebensmittel, die Branntwein in nicht nur geringfügiger Menge enthalten, an Kinder und Jugendliche, 2. andere alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weder abgegeben noch darf ihnen der Verzehr gestattet werden."

Alcopops

"Alkoholhaltige Süßgetränke im Sinne des § 1 Abs. 2 und 3 des Alkopopsteuergesetzes dürfen gewerbsmäßig nur mit dem Hinweis 'Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz' in den Verkehr gebracht werden."


6