Ratgeber - Garten


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Licht und luftig Obstbäume schneiden

Für süße und gesunde Früchte müssen Obstbäume regelmäßig im Februar oder März geschnitten werden, wenn der Wasserfluss eingeschränkt ist und die Knospen noch nicht ausgetrieben sind.

Stand: 21.06.2016

Reich tragender Zwetschgenast | Bild: colourbox.com

Das gilt sowohl für die im Herbst ganz frisch gepflanzten Bäumchen als auch für ältere Obstbäume. Allerdings sollte es nicht kälter als minus fünf Grad Celsius sein, da das Holz sonst zu brüchig ist und Schnittwunden schlecht heilen. Im Herbst kann nach der Ernte zusätzlich ausgelichtet werden.

Grundlegende Schnittregeln

Für anhaltenden Fruchtreichtum braucht der Obstbaum in seiner Krone Licht und Luft. Eine alte Gärtnerweisheit lautet: 'Einen Hut muss man durch eine Obstbaumkrone hindurchwerfen können, ohne dass er sich verfängt.' Schneiden Sie daher alle nach innen wachsenden Äste weg, vor allem aber die sogenannten Wasserschosse: Diese senkrecht nach oben wachsenden Triebe kosten den Baum nur unnötig Kraft, tragen praktisch keine Früchte und verdichten die Krone. Auch bei Zweigen, die sich kreuzen oder aneinander reiben, wird einer weggeschnitten, und zwar immer der steiler nach oben bzw. der nach innen weisende.

Wo wird geschnitten?

Erste Frühlingsblüten an einem Obstbaum

Äste, die ganz entfernt werden sollen, wie zum Beispiel die Wasserschosse, werden auf Astring geschnitten, also direkt an dem Ast, aus dem sie nach oben wachsen. Sollen Äste zurückgeschnitten werden, wird immer knapp oberhalb einer nach außen weisenden Triebknospe geschnitten, damit der junge Zweig ins Licht wächst. Achten Sie darauf, dass die Schnittstelle so klein und sauber wie möglich gehalten ist, benutzen Sie scharf geschliffene Qualitätsscheren. So minimieren Sie die Gefahr einer Infektion - und benötigen weniger Kraft beim Schneiden.

Wie weit wird geschnitten?

Grundsätzlich gilt: Ein starker Rückschnitt fördert das Holzwachstum, ein schwacher Rückschnitt die Fruchtansätze. Denn wird ein Ast stark zurückgeschnitten, reagiert er mit starkem Neuaustrieb an der Spitze. Wird er dagegen nur wenig gekürzt, gibt es auf der ganzen Länge des Astes mäßig starke, neue Triebe - für einen guten Fruchtansatz.

Stichwort: Alternierende Fruchtfolge

Wundern Sie sich nicht, wenn der Baum nur jedes zweite Jahr reich trägt: Meist liegt das an der sogenannten alternierenden Fruchtfolge. Werden viele Blüten gebildet, gibt es viele Früchte. Das kostet Energie und bewirkt eine geringe Blütenbildung im Folgejahr mit entsprechend weniger Früchten, sodass der Baum im dritten Jahr wieder ausreichend Blüten bilden kann ... der Kreislauf beginnt von neuem. Wie stark ein Obstbaum alterniert, hängt ganz wesentlich auch von der Sorte ab.

Zwei Erziehungsformen

Klassisch: die perfekte Rundkrone in voller Blütenpracht

Grundsätzlich kann man die Krone eines Obstbaumes auf zwei unterschiedliche Weisen schneiden und erziehen. Entweder zur Rundkrone, wie wir sie von Streuobstwiesen kennen, oder zur Spindel, die in kleinen Gärten und auch auf Obstplantagen zu finden ist. Die Rundkrone, die sich für große Obstbäume eignet und auf drei schräg nach oben wachsenden, starken Leitästen aufbaut, kann 30 bis 40 Jahre lang Früchte tragen. Die für schwachwüchsige Unterlagen geeignete Spindel, mit ihren waagerechten, nicht zu starken Ästen, bringt dafür schon nach drei bis vier Jahren Erziehung den vollen Ertrag.

Die Rundkrone

Zwei grundlegende Dinge bestimmen den Schnitt der Rundkrone über die Jahre: Er soll kräftig in die Breite wachsen und in der Krone nicht zu dicht werden - damit Licht und Luft an die Früchte kommt:

Die Rundkrone: Schritt für Schritt geschnitten

Krone

Kronenaufbau

Im Vorfrühling nach dem Setzen beginnt man, die Krone des Baumes zu formen: Drei Äste werden als zukünftige Leitäste ausgewählt. Sie sollten, von oben betrachtet, ungefähr in gleichen Abständen versetzt um die Stammverlängerung stehen.

Von der Seite aus betrachtet, sollten sie schräg nach oben aus der Stammverlängerung austreten: Der ideale Winkel zwischen Leitast und Stammverlängerung liegt bei 45 Grad.

Konkurrenztriebe

Konkurrenztriebe entfernen

Hat man drei Leitäste ausgewählt, werden alle anderen Zweige entfernt - vor allem aber der Konkurrenztrieb zur Stammverlängerung, also der am höchsten stehende Zweig an ihr. Alle zu entfernenden Triebe werden bis zum Stamm, also auf Astring, zurückgeschnitten, damit an den Aststummeln keine schlafenden Knospen neu austreiben.

Saftwaage

Saftwaage auf gleicher Höhe

Übrig bleibt also eine Art vierarmiger Leuchter - bestehend aus Stammverlängerung und den drei Leitästen. Die Leitäste werden beim Pflanzschnitt auf die gleiche Höhe eingekürzt. Der Fachmann nennt dies "Saftwaage".

Wuchsstärke

Schwach- oder starkwüchsig?

Wie viel zurückgeschnitten wird, hängt von der Wuchsstärke des Pflanzguts ab. Bei schwachwüchsigen Bäumchen kürzt man die Leitäste bis zur Hälfte, bei starkwüchsigen nimmt man höchstens ein Drittel weg. Geschnitten wird rund fünf Millimeter über einer Knospe, die vom Stamm weg weist, damit der junge Trieb nach außen wächst und die Krone licht wird.

Stammverlängerung

Einkürzen der Stammverlängerung

Als letztes kürzt man die Stammverlängerung. Um den Baum gerade zu halten, schneidet man über einem Auge, das gegen die Windrichtung weist. Die Schnittstelle liegt rund 20 Zentimeter über der Saftwaage. Der Winkel von zwei zueinanderliegenden Leitastspitzen beträgt idealerweise 120 Grad.

Die Spindel

Die roten Balken geben die Ideallinie der Spindel vor.

Bei der Erziehung eines Obstbaumes zur Spindel will man grundsätzlich keinen starken Austrieb: Der Baum soll klein bleiben. Locker um die dominierende Mitte verteilt stehen waagrechte, nicht zu starke Äste, mit reichem Blüten- und Fruchtansatz. Achten Sie am besten schon beim Kauf auf flach wachsende Zweige. Steile Äste können entweder entfernt oder in die Waagerechte gebracht werden. Wobei Pflaumenzweige immer leicht nach oben streben sollten, damit ihr Wuchs nicht stockt.

Vom Auf- und Ableiten der Spindel

Aufleiten

Die ersten Jahre beschränkt man sich im Wesentlichen darauf, die Wassertriebe zu entfernen. Außerdem wird der Konkurrenztrieb, also der höchste, neben der Mittelachse aufstrebende Ast, entfernt. Nach vier, fünf Jahren sollte dann das Fruchtholz verjüngt werden. Bei Steinobst wie Kirsche oder Zwetschge werden die dreijährigen Äste auf einen flach nach oben strebenden Jungtrieb zurückgeschnitten, man sagt, sie werden aufgeleitet.

Ableiten

Bei Kernobst wie Apfel werden sie abgeleitet, also knapp über einem nach unten weisenden Trieb zurückgeschnitten. Diese verjüngten Äste werden wieder in die Waagerechte gebunden und bleiben ertragsfähig. Auch die Mittelachse wird auf einen flachen Seitentrieb abgeleitet, sobald der Baum seine gewünschte Höhe erreicht hat. Das bremst das Wachstum.

Erziehungsschnitt

Und noch etwas: Spindelkronen müssen regelmäßig geschnitten werden. Denn werden starke Äste erst am ausgewachsenen Baum geschnitten, lassen sich die Lücken nur schwer schließen.

Folgearbeiten

Jahr für Jahr werden steil nach oben wachsende Konkurrenztriebe zur Mittelachse entfernt, ebenso Wasserschosse oder sich kreuzende Äste. Damit die Krone weiter in die Breite wächst, werden die Verlängerungen der Leitäste, die nach dem Pflanzschnitt ausgetrieben sind, auf eine nach außen weisende Knospe eingekürzt.

Wie bekomme ich Äste in die Waagerechte?

Dazu können die Zweige nach unten gebunden werden. Nach einem Jahr bleibt der Ast von sich aus waagerecht und die Schnur wird wieder entfernt. Fall Sie die Schnur nicht befestigen können: Binden Sie sie um einen Stein, der lotrecht auf dem Boden unter dem betroffenen Zweig platziert wird - das klappt überall, in jeder Lage.

Schnittkurse

Von Gartenbauvereinen, Kleingärtnervereinen oder auch Volkshochschulen werden jedes Jahr Schnittkurse angeboten. Gartenbauvereine in Ihrer Nähe finden Sie beim Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Gartenpflege e.V.


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