Schwimmen lernen Kinder - ab ins Wasser!
Viele Badeunfälle passieren allein deswegen, weil der Nachwuchs nicht richtig schwimmen gelernt hat: Immer weniger Kinder legen die Prüfung zum Freischwimmer ab. Dabei lernen die Kleinen die richtigen Bewegungen eigentlich spielerisch. Also: ab ins Wasser!
Laut einer Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) vom Juni 2011 können immer weniger Kinder sicher schwimmen. Nur noch 55 Prozent aller Kinder hätten bis zum Abschluss der vierten Klasse das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze erworben. Der sogenannte Freischwimmer gilt als Mindestvoraussetzung für sicheres Schwimmen.
Weniger Schwimmbäder, weniger Schwimmunterricht
Zahlen
Ende der 80er Jahre konnten noch mehr als 90 Prozent der Viertklässler in Westdeutschland schwimmen, heutzutage sind es im Schnitt nur noch 70 Prozent.
Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt. "Wir haben in den letzten zehn Jahren 1.100 Bäder verloren für die Ausbildung", so DLRG-Präsident Klaus Wilkens. Fast 320 Bäder seien von der Schließung bedroht. Außerdem bieten Grundschulen heutzutage weniger Schwimmkurse als früher an. Laut DLRG fehlt dadurch vielen Kindern die Möglichkeit, frühzeitig die Grundlagen des Schwimmens zu erlernen. Kinder sollten nach Ansicht von Experten ab dem ersten Schuljahr Schwimmunterricht in der Schule bekommen: "Das Grundschulalter ist die hohe Zeit fürs Schwimmenlernen. Danach nimmt die Schwimmlernfähigkeit deutlich ab", sagte Martin Janssen von der DLRG. Neben Schulen bieten unter anderem auch die bayerischen Schwimmvereine Schwimmprüfungen an.
Schwimmen von klein auf
Für einen Kontakt mit dem Nass ist es eigentlich nie zu früh: Aus dem Mutterleib ist Babys das Element "Wasser" vertraut. Sportmediziner empfehlen deshalb bereits für Säuglinge ab drei Monaten einen Babyschwimmkurs. Dort können die Kleinsten vielfältige Bewegungserfahrungen im warmen Wasser machen und dabei das nasse Element und ihren eigenen Körper kennen lernen. Studien haben ergeben, dass Babyschwimmen den Gleichgewichtssinn und das Körpergefühl dauerhaft verbessern kann. Auf eines sollten die Eltern aber achten: Ihre Kleinen könnten sich im Wasser eine Ohrenentzündung einfangen. Verhindern kann man das, indem man den Gehörgang des Babies nach dem Baden fönt. Denn in trockenen Ohren können sich keine Bakterien ansiedeln.
Achtung bei allergiegefährdeten Kindern
Das Umweltbundesamt warnt allerdings Eltern allergiegefährdeter Kinder davor, mit ihrem Nachwuchs zum Babyschwimmen zu gehen. Studien legen nahe, dass Asthma und andere chronische Erkrankungen mit dem Baden in gechlortem Wasser zusammenhängen können. Chlor, das Keime im Badewasser vernichten soll, reagiert mit Urin und bildet Substanzen wie Trichloramin. Diese stehen im Verdacht Allergien auszulösen. Bis diese Frage geklärt ist, sollten Kinder unter zwei Jahren, in deren Familien gehäuft Allergien auftreten, nicht zum Babyschwimmen gehen.
Link-Tipp
Ausführliche Informationen zu den Themen Babyschwimmen und Desinfektionsnebenprodukte in Schwimmbädern unter:
Schwimmkurse für "Wasserflöhe"
Im Alter von etwa vier Jahren können und sollten Kinder schwimmen lernen. Das wussten schon die alten Griechen. Ihre Weisheit: "Töricht ist, wer weder lesen noch schwimmen kann." Tatsächlich ist das Erlernen der Bewegungsabläufe im Wasser ein wichtiger Aspekt in der Bildung und Entwicklung eines Kindes. Wer Geduld und Zeit mitbringt, kann es dem Nachwuchs selbst beibringen. Viele Kinder lernen aber besonders gern in einer Gruppe Gleichaltriger – hier sind Anfängerschwimmkurse sinnvoll.
"Seepferdchen" sind noch ungeübte Schwimmer
Auch wenn Kinder das Schwimmabzeichen "Seepferdchen" erworben haben, sollten sie nicht unbeaufsichtigt schwimmen gehen. Diese Kinder sind noch keine geübten Schwimmer, können ihre Kraft noch nicht richtig einschätzen und sollten daher zur Sicherheit weiterhin Schwimmflügel tragen, raten Experten. Erst Kinder mit dem Abzeichen "Bronze" bewegen sich sicherer im Wasser: Statt nur 25 Meter wie die "Seepferdchen" müssen sie für das Abzeichen schon 200 Meter schwimmen können.
Empfehlenswert ist es aber trotzdem, dass Eltern ihre Kinder im Wasser immer im Auge behalten und mit diesen zusammen am ersten Urlaubstag Hotel-Pools oder Strandanlagen testen. Eltern sollten ihren Kinder dann genau sagen, bis wohin sie schwimmen dürfen und von welchen Bereichen sie sich fernhalten sollten - zum Beispiel von Abflussrohren und Ansauganlagen in Schwimmbecken. Generell sollten Eltern die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder besser unter- als überschätzen und längere Strecken gemeinsam bestreiten.
Checkliste für die Schwimmkurs-Auswahl
- Wird der Kurs durchgehend von einer qualifizierten Person geleitet?
- Ist die Gruppe klein genug, damit alle individuell betreut werden?
- Schaffen Lob und Ermutigung ein positives Lernumfeld für die Kinder?
- Hat der Kurs ein klares Lernziel, zum Beispiel den Erwerb des Frühschwimmerabzeichens ("Seepferdchen")?
- Lernen die Kinder nicht nur schwimmen, sondern auch die Baderegeln? Sie sollten zum Beispiel wissen, dass man nur ins Wasser springt, wenn es tief genug ist oder dass man bei Gewitter das Wasser verlässt.
Quelle: Bayerischer Schwimmverband

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