Ratgeber - Freizeit

Eisunfälle Vorsicht - dünnes Eis!

Sie passieren jeden Winter: Eis-Unfälle. Bricht jemand ins Eis ein, muss die Rettung schnell gehen ohne dass der Retter sich selbst in Lebensgefahr bringt. Auch nach einigen Tagen mit Minustemperaturen ist es nämlich nicht sicher, dass die Eisdecke auf den Seen tragfähig ist.

Stand: 01.02.2012
Retter üben die Rettung bei Eis-Unfällen | Bild: picture-alliance/dpa

Erst wenn das Eis eine Dicke von ungefähr 15 Zentimetern erreicht, trägt es wirklich sicher. Doch bei jedem Gewässer gibt es auch bei einer scheinbar ausreichenden Eisdicke immer noch gefährliche Stellen: "Wir haben unterschiedliche Seetiefen, unterschiedliche Quellen, manchmal mehrere Quellen in einem See, manche Seen sind zudem Fließgewässer mit Zu- und Ablauf", sagt Martin Rabl, Geschäftsführer der Wasserwacht Bayern. All dies beeinflusse, wie ein Gewässer zufriert.

Eisqualität hängt von vielen Faktoren ab

Das härteste und dichteste Eis entsteht bei trockenem Wetter und eiskalten Temperaturen, sagt Ines-Maria Weiß vom Wetterteam von BAYERN 3. Wenn es aber in der Frostperiode schneit, können sich durch den Schnee auf der Eisfläche Lufteinschlüsse bilden, wodurch das Eis poröser wird und leichter brechen kann. "Das Gefährliche ist dann, dass man von oben die Stärke des Eises nicht erkennen kann", so Rabl.

Darauf warten, dass die Eisfläche freigegeben wird

Daher wird an vielen Seen die Dicke der Eisflächen von der örtlichen Wasserwacht kontrolliert - aber nicht überall. Grundsätzlich gilt: Wenn die Eisfläche nicht zum Betreten freigegeben ist, sollte man das Eislaufen besser sein lassen. Ob ein See kontrolliert wird, erkennt man an den Hinweisschildern im Uferbereich. Trotzdem betritt man das Eis grundsätzlich immer auf eigene Gefahr.

Sofort Notruf absetzen!

Diese zwei Jungen, die 2002 in der Regnitz eingebrochen sind, konnten sich schnell selbst aus dem brusttiefen Wasser retten.

Das Wichtigste bei Eisunfällen ist, dass man sofort einen Notruf unter 112 absetzt. Hat man kein Handy, muss man Passanten dazu bringen, den Unfall zu melden. Als Retter sollte man sich nicht selbst in Gefahr bringen, sondern sich nur mit äußerster Vorsicht dem Eingebrochenen nähern. Dazu legt man sich flach aufs Eis, um das Gewicht zu verteilen und robbt an die Einbruchstelle heran. An manchen Seen sind am Ufer Rettungsringe oder andere rettungsmittel wie Stangen aufgestellt - wenn also vorhanden, diese dem Opfer zuwerfen. Oder Äste, Kleidungsstücke, Seile, Abschleppstangen, Holzlatten dazu benutzen, den Eingebrochenen behutsam aus dem Wasser zu ziehen.

Lebensgefahr Unterkühlung

Darauf warten in München viele: Dass man auf dem Nymphenburger Kanal wieder Eislaufen und Eisstockschießen kann.

Hat man einen Eingebrochenen gerettet, ist er meist stark unterkühlt, das bedeutet, im Körperkern befindet sich warmes Blut, während an Armen und Beinen sehr kaltes Blut fließt. "Wird der Gerettete zu stark bewegt oder wird ihm Wärme zugefügt, so führt dies unter Umständen dazu, dass kaltes Blut in den Kern gelangt. Dies kann zum Aussetzen der lebenserhaltenden Körperfunktionen und damit zum Tod führen", schreibt die Wasserwacht. Daher sollte man den Geretteten flach lagern, nicht unnötig bewegen und ihn dem Rettungsdienst übergeben. Bis die Rettungskräfte eintreffen, muss man beim Opfer bleiben und dessen Zustand kontrollieren. Wenn Atem oder Puls aussetzen, sofort Erste Hilfe leisten.

Eisregeln zum Eigenschutz

  • Gehen Sie nicht an den ersten kalten Tagen gleich aufs Eis.
  • Gehen Sie nie allein aufs Eis.
  • Achten Sie auf Warnungen in Radio und Zeitung. Betreten Sie nur freigegebene Eisflächen.
  • Erkundigen Sie sich beim zuständigen Amt, ob das Eis schon trägt.
  • Kindern müssen die drohende Gefahr erklärt werden.
  • Betreten Sie einen See erst, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist. Ein fließendes Gewässer erst, wenn das Eis 20 Zentimeter dick ist.
  • Verlassen Sie das Eis sofort, wenn es knistert und knackt!
  • Wenn Sie einzubrechen drohen, legen Sie sich flach aufs Eis und bewegen Sie sich vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück Richtung Ufer.
  • Quellen: Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), Deutscher Feuerwehrverband

Sofortmaßnahmen nach einem Eiseinbruch

  • Eingebrochener: Nur wenig bewegen, da der Körper bei Bewegung schneller auskühlt. Wenn möglich, sich langsam auf das Eis schieben. Wenn das Eis weiter bricht, wenn möglich, sich mit Fäusten oder Ellbogen einen Weg freischlagen.
  • Retter: Sofort die Notrufnummer 112 anrufen. Versuchen, den Eingebrochenen mit langen Hilfsmitteln, wie Leitern, Seilen, Stangen, Kleidungsstücken oder Ästen vom Ufer aus dem Wasser zu ziehen. Sich nie im Stehen dem Eingebrochenen nähern, nur auf dem Bauch robbend, damit sich das Gewicht auf dem Eis verteilt.