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E-Bike und Pedelec Riskantes Radeln ohne Muskelkater

Fahrräder mit Hilfsmotor sind nur was für Rentner? Irrtum: Pedelecs und E-Bikes haben sich hierzulande längst zum Verkaufsschlager gemausert. Allerdings erweisen sich viele Modelle laut Stiftung Warentest als mangelhaft.

Stand: 19.05.2014

Eine Frau hält ein Elektrofahrrad  | Bild: picture-alliance/dpa

Das "Pedelec": Damit ist ein Fahrrad gemeint, bei dem ein Motor den Fahrer beim Treten unterstützt. 2005 wurden in Deutschland ganze 25.000 davon verkauft, 2009 waren es 150.000, zwei Jahre später bereits 310.000 Stück. Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 700.000 Elektrofahrräder, Tendenz steigend.

Stiftung Warentest: erschreckende Ergebnisse

Im Mai 2013 testete Stiftung Warentest 16 Elektrofahrräder. Das Urteil ist vernichtend: Neun Modelle wurden mit "mangelhaft" bewertet. Mal brach der Rahmen, mal der Lenker, bei drei Modellen machten die Bremsen schlapp. Vier Fahrräder beinträchtigten zudem den Funkverkehr von Polizei und Rettungsfahrzeugen.

Lediglich zwei Modelle schnitten mit einem "gut" ab: Der E-Courier SX von Stevens sowie das Kettler Obra RT. Folgende Räder bekamen die Note "befriedigend": Winora C2 AGT, Giant Twist Elegance C1 28 und das Hercules Tourer 8 Pro.

Den kompletten Test können Sie auf der Homepage von Stiftung Warentest gegen eine Gebühr von 2,50 Euro freischalten lassen.

Pedelecs - die gemütliche Variante

Um ein Pedelec zu fahren, brauchen Sie keinen Führerschein. Der Elektromotor ist auf eine Leistung von 250 Watt begrenzt und schaltet sich ab, wenn der Radler 25 km/h erreicht hat. Wer schneller fahren will, muss strampeln. Ist ein Radweg vorhanden, müssen Sie ihn mit dem Pedelec benutzen. Eine Helmpflicht besteht nicht - zumal Fahrradhelme nur für eine Sturzgeschwindigkeit von bis zu 19,5 km/h ausgelegt sind. Hier besteht laut Experten dringend Nachbesserungsbedarf.

Versicherungsschutz bei Pedelecs

Pedelecs mit einer Motorleistung bis zu 250 Watt sind in aller Regel durch die Privathaftpflicht abgedeckt - allerdings gibt es Sonderfälle. Empfehlung: Lassen Sie sich von Ihrem Versicherer schriftlich bestätigen, dass Ihr Modell im Vertrag mit eingeschlossen ist. Den Diebstahlschutz übernimmt die Hausratversicherung (Prüfen Sie, ob Ihre Hausratversicherung Fahrraddiebstahl auch tatsächlich abdeckt, diese Option gilt nicht für alle Policen).

E-Bike – das "Pedelec 45"

Das E-Bike kann schneller fahren als das Pedelec. Die Motorunterstützung von bis zu 500 Watt lässt hier bis zu 45 km/h zu. Daher werden E-Bikes alternativ auch als "Pedelec 45" oder "schnelles Pedelec" bezeichnet. Ähnlich wie beim Mofa können Sie hier am Gasgriff drehen und es geht unter Umständen - je nach Modell - auch ganz ohne Treten vorwärts.

Wissenswert

Der Marktanteil der E-Bikes liegt bei unter 5 Prozent, über 95 Prozent der Elektrofahrräder hierzulande sind Pedelecs mit einem Motor bis 250 Watt.

Allerdings müssen Sie für ein E-Bike mindestens einen Mofaführerschein besitzen. Da E-Bikes als Kraftfahrzeuge gelten, darf man mit ihnen nicht auf Radwegen fahren, außer, die Wege sind für Mofas zugelassen. Auch der Anbau von Kindersitzen und Anhängern ist verboten. Übrigens: Wer mit 45 km/h in einer Tempo-30-Zone erwischt wird, muss mit Bußgeldern und Punkten rechnen.

Ein Schutzhelm ist beim Fahren eines E-Bikes laut Bundesverkehrsministrium offiziell Pflicht - ein normaler Fahrradhelm reicht nicht. Allerdings duldet die Polizei bislang das Fahren ohne Helm. Angedacht sind spezielle Helme für E-Bike-Fahrer, eine entsprechende Studie wurde Anfang 2012 in Auftrag gegeben.

Versicherungsschutz bei E-Bikes

Da E-Bikes straßenverkehrsrechtlich als Mofa gelten, ist ein Kennzeichen obligatorisch. Der Erwerb eines solchen Kennzeichens umfasst einen entsprechenden Haftpflicht-Versicherungsschutz, gegen einen Aufpreis können Sie das E-Bike auch gegen Diebstahl absichern lassen.

Link-Tipp

Weitergehende Informationen zur Rechtslage finden Sie auf den Seiten des Allgemeiner Deutschen Fahrrad-Clubs e.V.:

Probefahrt

Unerlässlich ist eine Probefahrt. Achten Sie hier auf das Gewicht und die Gewichtsverteilung. Je nachdem, ob Sie das Fahrrad sportlich oder bequem verwenden möchten, sollten Sie den Rahmen entsprechend aussuchen. Achten Sie zudem auf Schaltung, Bremsbedienung und Display.

Plötzlich losgefahren:

Verzögerung und Nachlauf

Im Rahmen eines Tests hat die Stiftung Warentest ein Phänomen festgestellt: Der Schub kann verzögert einsetzen oder der Motor läuft noch nach, obwohl man schon aufgehört hat, zu treten. Grund hierfür ist, dass bei einigen Modellen die Motorunterstützung durch einen Sensor aktiviert wird, der auf die Pedalkurbelumdrehung reagiert.

"Fünf nach Zwölf" mit Folgen

Pedelecs, deren Steuerung auf Pedaldruck reagiert, können sich an der Ampel plötzlich in Bewegung setzen, wenn der Fuß auf dem Pedal ruht. Wer gewohnt ist, zum Losfahren das Pedal auf "fünf nach zwölf" zu stellen, um dann mit vollem Körpergewicht aufs Pedal zu steigen, der löst bei Pedelecs mit Drucksensor die eingestellte Unterstützung aus.

Tipp

Sicherer ist es, mit dem Pedal unten zu starten und erst dann mit Kraft in die Pedale zu treten, wenn man im Sattel sitzt.

Quelle: Stiftung Warentest

Akkus

Der Akku ist die Schwachstelle der Elektrofahrräder. Wer mit der elektrischen Unterstützung sparsam umgeht, kommt bis zu 100 Kilometer weit. Wer sich jedoch voll auf den Motor verlässt, schafft 30 bis 50 Kilometer. Weiter geht's dann nur mit Muskelkraft, wobei zu berücksichtigen ist, dass ein E-Bike bis zu 30 Kilo wiegen kann. Ein Akku kann bis zu 1.000 Mal aufgeladen werden, danach ist ein neuer Akku nötig - der 500 Euro und mehr kosten kann.

Ladezeiten

Tipp

Beim Abstellen des Elektro-Fahrrads den Akku immer per Akkuschloss sichern oder gleich mitnehmen.

Die Ladezeiten der Akkus sind noch relativ lang: Im Durchschnitt dauert es fünf bis sechs Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Experten schätzen Pedelecs trotz hoher Anschaffungskosten als wirtschaftlich ein. Die Betriebskosten sind gering und der Stromverbrauch ist niedrig. Umweltfreundlich ist der Antrieb vor allem, wenn Sie zuhause Ökostrom verwenden.

Motor

Der Motor kann an verschiedenen Stellen angebracht sein: am Tretlager, unter dem Gepäckträger oder als Vorderradnabenmotor. Am wenigsten beeinflusst der Motor unter dem Tretlager das Fahren. Befindet sich der Motor jedoch unterm Gepäckträger, führt das dazu, dass das Rad beim Fahren pendelt. Gewöhnungsbedürftig ist der Motor am Vorderrad - denn dadurch "zieht" das Vorderrad und bei glattem oder sandigem Untergrund kann es in Kurven leicht wegrutschen.

Es ist übrigens nicht ratsam, einen Motorantrieb bei normalen Fahrrädern nachzurüsten, da nicht sicher ist, ob Rahmen, Gabel und Bremse das Mehrgewicht aushalten.

Vorsicht, Unfallgefahr

Ein bei der Dekra in Auftrag gegebener Test hat einen möglichen Unfall simuliert, bei dem ein schnelles E-Bike auf einen normalen Radler trifft und beide stürzen. Die Datenanalyse der Dummies ist beunruhigend: "Die Kopfbelastung des Pedelec-Fahrers war dramatisch hoch. Auch der Hals wurde extrem belastet. Ein Mensch hätte kaum eine Überlebenschance." Der Dummy auf dem normalen Fahrrad war zwar vergleichsweise gut davon gekommen, ein Mensch hätte jedoch wohl schwere Verletzungen im Brustbereich erlitten.

Der Preis

Ein ordentliches Elektrofahrrad ist ab 2.000 Euro zu haben, hinzu kommen Kosten für den Ersatzakku. Sie sollten sich auch bewusst machen, dass es bei billigen Angeboten aus dem Baumarkt oder Discounter unter Umständen keine Ersatzteile gibt.

So bringen Sie Ihr Elektrorad sicher über den Winter

  • Akku nie ganz leer fahren
  • Immer das original Ladegerät verwenden
  • Wird das Rad eingemottet, die Batterie alle zwei Monate nachladen
  • Das Rad lieber in den Keller als in die kalte Garage stellen
  • Der Akku hat's gern warm: Das Laden funktioniert am besten bei +10 bis + 30 Grad!
  • Bei Transport des Elektrorads auf einem Anhänger den Akku entfernen
  • Kontakte sauber halten

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