Ratgeber - Familie


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Übertrittszeugnisse Tag der Auslese? Nein!

In Bayern bekommen die Viertklässler ihr wegweisendes Übertrittszeugnis. Die Noten in den drei Hauptfächern entscheiden, auf welcher weiterführenden Schule es weitergeht. Doch auch wer es nicht auf das Gymnasium schafft, hat viele Möglichkeiten.

Stand: 30.04.2014

Die Viertklässler in Bayern erhalten das, was - so die Ansicht vieler Eltern - über die Zukunft ihrer Kinder entscheidet: ihr Übertrittszeugnis. Der Notendurchschnitt in den Fächern Mathematik, Deutsch und Heimat- und Sachunterricht (HSU) entscheidet, auf welche Schule ein Kind wechseln darf. Mit 2,33 gibt es grünes Licht fürs Gymnasium, mit 2,66 für die Realschule. Alle anderen besuchen ab der fünften Klasse die Mittelschule.

Wer den geforderten Schnitt knapp verfehlt hat, kann an einem Probeunterricht in der gewünschten Schule teilnehmen. Laut Kultusministerium nehmen derzeit rund zehn Prozent eines Jahrgangs an diesem dreitägigen Probeunterricht teil. Jeder zweite Probeschüler schafft den Sprung auf die Wunschschule.

Soll der Elternwille zählen oder nicht?

Vor lauter Lernen sollte das Leben nicht zu kurz kommen.

Fakt ist, dass viele Viertklässler und ihre Eltern durch den Notendruck extrem gestresst sind. Ein paar wenige Schulaufgaben bestimmen die berufliche Zukunft des Kindes - so sehen es viele Eltern. Hat der Schüler mal einen schlechten Tag könnte das das Aus für das Gymnasium bedeuten. Auch deswegen wünschen sich viele Eltern, dass allein der Elternwille über die weitere schulische Laufbahn des Kindes entscheiden soll.

Unterstützt werden sie dabei vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der zudem eine Diskussion fordert, was Bildung eigentlich wirklich bedeutet. Das schnell angehäufte Wissen hätte mit Bildung "gar nichts zu tun", so Klaus Wenzel, der Präsident des BLLV. Die Angst vor schlechten Noten demotiviert und löst bei vielen Kindern Blockaden aus, so Wenzel weiter.

Das bayerische Kultusministerium dagegen hält Noten nach wie vor für gerechter und sinnvoller als den reinen Elternwillen. Denn jeder Dritte, der es auf das Gymnasium schafft, hält nicht bis zum Abitur durch - ganz abgesehen von dem Stress, was dies für das Kind bedeutet, wenn es tagtäglich mit schlechten Noten konfrontiert wird und seine Freizeit mit Nachhilfestunden verbringen muss.

Es gibt viele Wege zum Abitur

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Viele Wege führen in Bayern zu einer Hochschulzugangsberechtigung. Das zeigt die TV-Dokumentation "Viele Wege – ein Ziel. Fahrplan zur Hochschulreife". [mehr]

Elternwille hin oder her - um den Druck aus der Situation zu nehmen, sollte man sich klarmachen: Dem eigenen Kind steht alles offen, auch wenn es nicht auf das Gymnasium kommt: Über 30 verschiedene Wege bietet das bayerische Bildungswesen, um später mal studieren zu können.

Auf diesen vielfältigen Wegen können junge Menschen sicher mehr Erfahrungen sammeln als in einer stressigen Laufbahn auf dem Gymnasium: Wichtige Erfahrungen, die ihnen helfen, ihre Neigungen und Fähigkeiten einzuschätzen, um den Beruf zu wählen, der wirklich zu ihnen passt.


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