Ratgeber - Familie


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Kinder in Pflege nehmen Das müssen Pflegefamilien wissen

Pflegeeltern müssen belastbar sein und alle Familienmitglieder sollten an einem Strang ziehen: Wer ein Pflegekind bei sich aufnehmen will, sollte viel Zeit und Liebe übrig haben.

Stand: 25.09.2012

Familien gesucht

In Bayern leben rund 7.200 Kinder in Pflegefamilien. Es werden dringend neue Pflegefamilien gesucht.

Genügend Zeit, Erfahrung im Umgang und der Erziehung von Kindern sowie genügend Platz: Das braucht eine Pflegefamilie auf jeden Fall. Wer ein Pflegekind bei sich aufnehmen möchte, sollte sich zuerst an das örtliche Jugendamt wenden. Das Bewerbungs- und Prüfungsverfahren dauert mehrere Monate - denn es setzt sich aus verschiedenen Einzelgesprächen, Vorbereitungskursen und Hausbesuchen zusammen. Im Idealfall. Es hängt vom einzelnen Jugendamt ab, wie gut die künftigen Pflegeeltern vorbereitet werden. Es gibt keine genau vorgeschriebenen Regelungen für die Jugendämter, lediglich gesetzliche Bestimmungen und fachliche Empfehlungen. Auch die finanzielle Ausstattung der Ämter variiert und damit auch das, was an Pflegegeld den Pflegeeltern gezahlt wird.

Viele Mitarbeiter der Jugendämter sind überlastet - weil sie eine sehr große Zahl an Fällen zu betreuen haben.

Auch unverheiratete Paare können Pflegeeltern werden

In München können verheiratete und nicht verheiratete Paare oder auch Einzelpersonen - mit oder ohne eigene Kinder - ein Kind in Pflege nehmen, so das Stadtjugendamt. Bei Familien mit Kindern sei es optimal, wenn zwischen dem jüngsten eigenen Kind und dem Pflegekind ein Altersunterschied von drei Jahren liegt. Eine pädagogische Ausbildung muss man als Pflegeperson nicht vorweisen können - es sei denn, man bewirbt sich für die Kurzzeit- oder Bereitschaftspflege: Hierfür verlangen manche Gemeinden eine pädagogische Ausbildung als Voraussetzung.

"Wir erwarten von Pflegeeltern auch Offenheit und Toleranz gegenüber ungewöhnlichen oder fremden Verhaltensweisen. Von besonderer Bedeutung ist die Akzeptanz der Eltern des Pflegekindes und die Bereitschaft, mit ihnen vertrauensvoll umzugehen, auch wenn sie Verhaltensweisen zeigen, die in der eigenen Lebenswelt ungewöhnlich sind."

Stadtjugendamt München, Broschüre 'Wir wollen Pflegeeltern werden'

Dazu gehört auch, dass Pflegeeltern den Kontakt des Pflegekindes mit seinen leiblichen Eltern, wenn dieser möglich ist, aktiv fördern. Die Jugendämter helfen in der Regel bei der Kontaktaufnahme.

Pflegekinder brauchen viel Geduld

Fröhliche Kindergesichter im Kreis | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Kinderrechte Kleine Menschen brauchen Schutz

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist über 20 Jahre alt, fast alle Staaten der Erde haben sie ratifiziert. In Deutschland steigt die Zahl der Kinder, die in einem reichen Land chancenlos aufwachsen. [mehr]

Es muss Pflegeeltern klar sein, dass ihr Pflegekind vielleicht große Probleme mit sich bringt: Viele der Kinder, die aus ihren Herkunftsfamilien herausgenommen werden mussten, sind vernachlässigt oder gar misshandelt worden. Sie haben in vielen Fällen Eltern, die Drogen- oder Alkoholprobleme haben. Manche Kinder haben sich durch die Situation in ihren Familien nicht altersgemäß entwickeln können und brauchen eine entsprechend liebevolle Förderung.

Die Kinderseele soll in der Pflegefamilie langsam heilen

Familie im Park | Bild: Photosphere zum Artikel Adoptionen Der lange Weg zum Familienglück

Insgesamt stehen jedem Kind, für das eine neue Familie gesucht wird, sieben mögliche Adoptiveltern gegenüber. Viele Paare bewerben sich daher im Ausland um ein Kind. [mehr]

Doch nicht nur das: Das Pflegekind leidet psychisch immer unter der Trennung von seinen leiblichen Eltern. Es kann Schuldgefühle entwickeln oder das Gefühl, von den eigenen Eltern nicht genügend oder gar nicht geliebt zu werden. Die Angst vor dem Neuen - der neuen Schule, den neuen Geschwistern, den Pflegeeltern - kann das Kind zudem blockieren.

Viele Pflegekinder haben aufgrund dessen, was sie in ihrer Herkunftsfamilie erlebt haben, ein unsicheres Bindungsverhalten, das heißt, sie haben Schwierigkeiten damit, mit anderen Menschen eine Beziehung einzugehen, schreibt das Stadtjugendamt München in einer Broschüre. Die Kinder können entweder extrem anhänglich sein und auch zu völlig Fremden Körperkontakt suchen, oder aber sie verschließen sich völlig aus Angst, wieder enttäuscht oder verlassen zu werden.

Pflegeeltern müssen stark sein

Ob man dies leisten kann, ohne dass sich die eigenen Kinder benachteiligt fühlen, sollten sich Familien gemeinsam überlegen, bevor sie sich um ein Pflegekind bewerben. Auch die Partnerschaft sollte Stress aushalten können.

Verschiedene Pflegeformen

Bei der Kurzzeitpflege geht man davon aus, dass die Kinder nach einer vorrübergehenden Notlage - wie zum Beispiel dem Krankenhausaufenthalt der Eltern oder einer anderen schwierigen Situation - wieder in ihre Familien zurückkehren. Wer sich als Bereitschaftspflege-Familie bewirbt, nimmt kurzzeitig Kinder auf, die aus ihrer Familie herausgenommen werden müssen. Diese Kinder sind oft misshandelt oder vernachlässigt worden. Sie bleiben bis zu sechs Monate in der Bereitschaftspflegefamilie. Für beide Formen der zeitlich begrenzten Pflege verlangen die vermittelnden Behörden eine pädagogische Ausbildung. Bei der zeitlich unbefristeten Vollpflege bleibt ein Kind länger in der Pflegefamilie, eine pädagogische Ausbildung ist nicht nötig, aber Erfahrung im Umgang mit Kindern.


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