Ratgeber - Familie

Linkshänder Unterstützung statt Umschulung

Bis in die 90er-Jahre war es in Deutschland üblich, linkshändige Kinder - immerhin 20 bis 30 Prozent des Nachwuchses - auf rechts umzuschulen. Eine über Jahre angelegte Maßnahme, die für viele Betroffene zu einer manchmal lebenslangen Belastung wurde.

Stand: 01.10.2012
Linkshänder | Bild: colourbox.com

Nur wenige völlig unbegründete Vorurteile können auf eine ähnlich lange Geschichte zurückblicken wie die Bevorzugung der rechten Hand, im Volksmund auch heute noch der "schönen Hand". Schon die alten Griechen verbanden mit Links Negatives und Schlechtes, es bedeutete Unheil und Unglück. In manchen fernöstlichen Kulturen wird die linke Seite sogar als unrein betrachtet.

Eine schmerzhafte Irrlehre

Eine Umschukung ist für die Betroffenen oft lebenslang eine schmerzhafte Irrlehre.

In Deutschland war es Jahrhunderte lang nicht viel besser. Die als "Störung" empfundene Linkshändigkeit, immerhin 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung von Haus aus eigen, galt als etwas, was zu korrigieren war. Eine für die Betroffenen oft lebenslang schmerzhafte Irrlehre. Mittlerweile ist man sich der Folgen einer solchen Umschulung bewusst. In den Lehrplänen einiger Bundesländer ist sie ausdrücklich verboten.

Über die Abläufe im Gehirn ist wenig bekannt

Illustration: Linke Hand schreibt "Hallo", rechte Hand zeichnet einen Baum | Bild: Creativ Collection; Montage: BR zum Artikel Mischhändigkeit Zwei rechte Hände - gut oder schlecht?

Es gibt Menschen, die nicht auf Rechts- oder Linkshändigkeit gepolt sind, sondern je nach Tätigkeit mal die eine und mal die andere Hand benutzen. Klingt praktisch, kann aber besonders bei Kindern große Probleme verursachen. [mehr]

Hirnforscher an der Technischen Universität München wollten erfahren, wie stark die Händigkeit bei Rechts- und Linkshändern und bei umgeschulten Linkshändern ausgeprägt ist. Mit Hilfe des PET - des Positronen-Emissions-Tomographen - fanden die Wissenschaftler heraus, was im Hirn der Probanden beim Schreiben genau passiert. An denjenigen Stellen im Gehirn, die gerade aktiv waren, stieg die Durchblutung. Diesen vermehrten Blutfluss konnten die Forscher sichtbar machen. Bei Rechtshändern war die linke Hirnhälfte aktiviert. Bei Linkshändern die rechte Hälfte, und bei umgeschulten Linkshändern waren beide, die rechte und die linke Hirnhälften, aktiv. Das Ergebnis der Untersuchungen: Es ist nicht so einfach, einen umgeschulten Linkshänder wieder zurückzuschulen.

Gezielte Hilfestellung für Linkshänder-Kinder

Bei einer Umschulung von der linken auf die rechte Hand entstehen so Interaktionsprobleme zwischen den Gehirnhälften. Auch ohne so brachiale Methoden wie das früher praktizierte Eingipsen des linken Arms, kommt es zu einer dauerhaften Überforderung, deren typische Folgen in Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie in motorischen Störungen liegen können.

Schon früh bei Kindern auf die Händigkeit achten

Die Münchner Beratungsstelle für Linkshänder kämpft vor allem für eine intensive Prävention gegen solche Schäden. Das heißt, dass die Umschulung, die manche Pädagogen und Eltern noch immer durchführen, weiter zurückgedrängt wird. Außerdem empfiehlt die Beratungsstelle, Linkshändern in ihrer Entwicklung gezielt Hilfestellung zu leisten. Die Händigkeit von Kindern zeigt sich in der Regel im Alter von zwei bis drei Jahren, meist bei Greifbewegungen, beim Daumenlutschen, Essen oder Malen.

Beratungsstelle:

Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder e.V.
Sendlinger Str. 17
80331 München

Wenn man herausgefunden hat, dass das eigene Kind Linkshänder ist, sollte es insbesondere eine optimale Blattlage beim Schreiben oder Malen gezeigt bekommen, um nicht falsche Positionen von Rechtshändern zu kopieren. Die Beratungsstelle bietet dazu Kurse für die Schreibvorbereitung an.


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