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Kinderarbeit Sie schuften gegen die Armut an

Elend und harte Arbeit: Viele Kinder in den Entwicklungsländern erleben eine kurze Kindheit. Sie müssen arbeiten gehen und können keine Schule besuchen. Oft ruiniert die Arbeit ihnen die Gesundheit. Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben sie keine.

Stand: 11.06.2012

Mädchen bei schwerer Bauarbeit | Bild: picture-alliance/dpa

Tag gegen Kinderarbeit

Der 12. Juni ist der Internationale Tag gegen Kinderarbeit, ausgerufen von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Das Motto 2012 lautet "Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit: Kinderarbeit beenden".

Die Kinder, die zur Arbeit gezwungen sind, bleiben meist eih Leben lang bitterarm: Sie werden durch die schwere körperliche Arbeit wie zum Beispiel in den Steinbrüchen Indiens krank. Diese Kinder erlangen keine Schulbildung und können sich daher auch in ihrem Erwachsenenleben nicht aus der Ausbeutung befreien. Kinder, die zum Beispiel in Teppichknüpfereien arbeiten müssen, sind für den Rest ihres Lebens gezeichnet:

"Oft sind ihre Hände deformiert - das kommt vom stundenlangen, ermüdenden Knüpfen. Viele leiden duch das ständige Einatmen von Staub an schweren Lungen-, Magen- und Darmkrankheiten. Auch das Rückgrat ist häufig geschädigt."

Pater Deepak von Diocesan Development an Welfare Society (DDWS), Partnerorganisation von Misereor, Indien

Was Verbraucher tun können

Jungen in einer Teppichknüpferei in Afghanistan

Wer sicher sein möchte, dass für die Produkte, die man anschafft, nicht Kinder leiden müssen, sollte Produkte aus fairem Handel kaufen. Zahlreiche Siegel garantieren Sozialstandards und Umweltfreundlichkeit:

Wie man Produkte ohne Kinderarbeit findet

Lebensmittel

Fair gehandelte Banane

Beim Anbau von Kaffee, Tee oder Orangen werden auf den Plantagen oft Kinder als Arbeiter eingesetzt: Sie arbeiten hart unter sengender Sonne, tragen schwere Lasten und sind giftigen Pestiziden und Düngemitteln ausgesetzt. Wer keine Lebensmittel kaufen will, die unter diesen Bedingungen hergestellt werden, sollte auf folgende Siegel achten: TransFair, GEPA, Weltläden oder Rainforest Alliance. Die 4C-Initiative bestätigt den nachhaltigen Kaffeeanbau.

Blumen

Schnittblumen aus Anbau mit Sozialstandards

80 Prozent der Schnittblumen werden über die Niederlande aus Kenia, Ecuador, Kolumbien, Tansania und Simbabwe importiert, berichtet die Kinderhilfsorganisation terre des hommes. Die Arbeitsbedingungen auf den Blumenfarmen sind verheerend: Frauen und Kinder werden für Hungerlöhne beschäftigt - ohne jeglichen Arbeitsschutz. Sie sind Pflanzenschutzmitteln und Unkrautvernichtungsmitteln ausgesetzt.
Wer nur Blumen aus sozial- und umweltfreundlicher Produktion kaufen will, muss auf folgende Siegel achten, die garantieren, dass ein internationaler Verhaltenskodex eingehalten wird: TransFair, fair flowers- fair plants oder Flower Label Program (FLP).

Bekleidung

Ökosiegel für Kleidung | Bild: Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e. V.

Das Siegel für Global Organic Textile Standard (GOTS)

Die meisten Kinderarbeiter schuften weltweit nach wie vor in der Landwirtschaft - zum Beispiel auf Baumwollfeldern. In der Weiterverarbeitung, in Spinnereien und Webereien, berichtet die Kinderhilfsorganisation terre des hommes, ist Kinderarbeit seltener geworden. Weit verbreitet, so die Organisation, sei Kinderarbeit immer noch dort, wo Textilien in Heimarbeit bemalt oder bestickt werden.
Siegel, die Kinderarbeit ausschließen, sind: TransFair, GOTS (Global Organic Textile Standard), Cotton made in Africa.

Bälle

Sicher nicht von Kinderhänden zusammengenäht.

"70 Prozent der Sportbälle aus Leder kommen aus der Stadt Sialkot in Pakistan. Zwischen 40 und 60 Millionen Bälle werden dort jedes Jahr per Hand genäht", berichtet terre des hommes. Früher wurden dabei viele Kinder eingesetzt. Das hat sich geändert: 1997 wurde das Atlanta-Abkommen unterzeichnet, seitdem ist Kinderarbeit in Fußballnähereien nicht mehr verbreitet. Wer sichergehen will, wählt aber auch hier Bälle mit dem TransFair-Zeichen.

Natur- und Grabsteine

Etwa 60 Prozent der Natursteine, die in Deutschland verbaut und verarbeitet werden, stammen aus dem Ausland. Hauptimporteure sind China und Indien. Wer eine neue Küchenplatte, Terrassenplatten, Zierfiguren oder Brunnen anschafft, sollte auf jeden Fall auf Sozialsiegel achten, denn in den Steinbrüchen in Indien herrschen schreckliche Arbeitsbedingungen: ausbeuterische Hungerlöhne, keinerlei Arbeitsschutz. Das Siegel "Xertifix" für Natursteine aus Indien garantiert Steine, die ohne Kinderarbeit und mit der Wahrung grundlegender Arbeitsstandards herstellt werden. Auch das Fairstone-Siegel.

Teppiche

Seit 2009 gibt es ein neues Siegel für Teppiche, die nicht von Kinderhand geknüpft wurden: Good Weave ist das Nachfolgesiegel von "Rugmark". Good Weave wird von den Hilfsorganisationen Unicef, Anti-Slavery International, Brot für die Welt, Misereor und terre des homes unterstützt.
STEP - weiße Schrift auf einem stilisierten roten Teppich - ist das zweite Siegel, mit dem seit 1995 Teppiche gekennzeichnet sind, die unter guten Arbeitsbedingungen und ohne die Beteiligung von Kindern entstanden sind.

Quellen: Unicef, terre des hommes, Good Weave, Xertifix, STEP, Misereor

Wenn Sie noch mehr tun wollen, können Sie Projekte der Hilfsorganisationen für Kinderarbeiter unterstützen, die vor Ort Schulbildung und Einkommensalternativen für Familien ermöglichen. Und sorgen Sie in Ihrer Gemeinde oder Ihrem Betrieb dafür, dass bei der Beschaffung von Lebensmitteln oder anderen Produkten Sozial- und Umweltstandards berücksichtigt werden.

Produkte, die von Kinderhänden hergestellt werden

Bei folgenden Produkten kann Kinderarbeit bei Rohstoffgewinnung und Herstellung eine Rolle gespielt haben: Bekleidung, Bleistifte, Blumen, Computer und Unterhaltungselektronik, Diamanten, Edelsteine, Feuerwerkskörper, Fußbälle/Lederbälle, Handys, Kosmetik, Kunstgewerbe, Korbwaren, Lebensmittel, Lederwaren, Natursteine, Spielzeug, Sportbekleidung, Sportschuhe, Tabak, handgeknüpfte Teppiche.
Quelle: terre des hommes

22.000 tote Kinder durch Arbeitsunfälle

Neunjähriger arbeitet als Hilfskraft in einer Autowerkstatt in Gaza.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisaton (ILO) arbeiten weltweit 306 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, 215 Millionen arbeiten regelmäßig mehrere Stunden. 120 Millionen Kinder arbeiten den ganzen Tag.

115 Millionen der arbeitenden Kinder müssen unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen schuften. Jedes Jahr sterben 22.000 Kinder und Jugendliche bei Arbeitsunfällen, berichtet die ILO.

Die UN-Kinderrechte - und die Realität

Gleichheit

UN-Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten achten die in diesem Übereinkommen festgelegten Rechte und gewährleisten sie jedem ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Kind ohne jede Diskriminierung unabhängig von der Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds."

Realität:

  • Tod wegen des falschen Geschlechts: In vielen asiatischen Ländern wie Indien, Pakistan, Bangladesch und China werden weibliche Embryos abgetrieben oder nach der Geburt getötet.
  • Mädchen werden medizinisch schlechter versorgt als ihre Brüder und auch weniger gut ernährt. 65 Millionen Mädchen gehen weltweit nicht zur Schule. Von den 875 Millionen Analphabeten auf der Welt sind zwei Drittel Frauen.
  • Jeden Tag werden mehr als 8.000 Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt, meldet UNICEF.
  • In Afrika stecken sich Mädchen und Frauen sehr viel häufiger mit HIV an als Männer - Grund sind die Diskriminierung der Frau und mangelnde Information.

Schutz

Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte."

Realität Kinderarbeit:

Laut der Internationalen Arbeitsorganisaton (IAO) müssen 115 Millionen der 305 Millionen arbeitenden Kinder unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen schuften - wie zum Beispiel in Plantagen oder Steinbrüchen. Sie ruinieren ihre Gesundheit und können nicht zur Schule gehen.

Bildung

Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Bildung an."

Realität:

67 Millionen Kinder im Grundschulalter und 74 Millionen Millionen Jugendliche weltweit besuchen keine Schule. Rund die Hälfte dieser Kinder lebt in den Ländern Afrikas südlich der Sahara, ein weiteres Drittel in Süd-und Westasien, berichtet terre des hommes. Elf Prozent der Weltbevölkerung sind Analphabeten. Die Kinder armer Familien müssen früh im Haushalt oder in der Landwirtschaft mitarbeiten, um die Existenz der Familie zu sichern. Mädchen werden in vielen Ländern früh verheiratet - und müssen spätestens dann die Schule verlassen.
Weltweit erreichen nur 66 Prozent der Mädchen und 68 Prozent der Jungen eine weiterführende Schule, so die Kindernothilfe.

Unterhalt

Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an."

Realität:

Rund 100 Millionen Kinder leben weltweit auf der Straße. Sie sind dort schutzlos Gewalt, Hunger und Krankheiten ausgeliefert. Viele konsumieren Drogen oder prostituieren sich. Das Land mit den meisten Straßenkindern ist Indien mit geschätzt 18 Millionen Kindern, die auf der Straße leben.

Gesundheit

Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit. Die Vertragsstaaten bemühen sich sicherzustellen, dass keinem Kind das Recht auf Zugang zu derartigen Gesundheitsdiensten vorenthalten wird."

Realität, Beispiel Südafrika:

Aids ist eines der größten Probleme Afrikas. Etwa 2,5 Millionen Kinder sind HIV-positiv. Jeden Tag sterben über 1.000 Kinder an der Immunschwäche.
Kinder werden bei der Geburt oder beim Stillen durch ihre Mütter infiziert. Es gibt für diese Kinder jedoch kaum verträgliche und bezahlbare Medikamente. Nur 28 Prozent der erkrankten Kinder erhalten Zugang zu medizinischer Behandlung.
Rund 16,6 Millionen Kinder haben bereits einen Elternteil oder sogar beide Eltern durch Aids verloren.

Unversehrtheit

Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten verpflichten sich, das Kind vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen."

Realität sexueller Missbrauch:

Die Vereinten Nationen gehen von jährlich mehreren Millionen neuen Fällen von Kinderprostitution aus. Genaue Angaben über die Zahl der Touristen, die Kinder sexuell missbrauchen, existieren nicht.

Quellen: Kindernothilfe, UNICEF, terre des hommes, Plan

Leben auf der Straße

Alleine und verloren: Straßenkind in Nepal.

100 Millionen Kinder leben weltweit auf der Straße - in Ländern wie Vietnam, Kambodscha, Nepal, Brasilien, Guatemala, Somalia. Ihre genaue Zahl kennt keiner. Doch auch in Ländern wie den USA und auch Deutschland werden immer mehr Kinder ohne festes Zuhause groß. In Deutschland sind es nach Schätzungen rund 9.000 Kinder, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, berichtet die Hilfsorganisation terre des hommes. Das Leben auf der Straße ist - in den Entwicklungsländer ebenso wie in den westlichen Ländern - ein Leben mit ständigem Hunger, Angst, Krankheit, Gewalt und Drogen.

Die Situation der Kinder auf der Welt

  • Jedem zweiten Kind der 2,2 Milliarden Kinder auf der Welt fehlt es an Nahrung, sauberem Wasser und medizinischer Hilfe, wie UNICEF, die Kinderschutzorganisation der Vereinten Nationen, berichtet.
  • Jedes Jahr sterben auf der Welt über neun Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag - an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten.
  • Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung, berichten die Vereinten Nationen.
  • Immer mehr Kinder leben in weltweit in den Slums der Metropolen. Die Hälfte der Kinder der Welt, eine Milliarde, wächst in Städten auf. Jedes dritte dieser Kinder wird in einem Slum groß - unterernährt, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, meist ohne medizinische Versorgung und ohne die Möglichkeit, die Schule zu besuchen, so der UNICEF-Report zu Situation der Kinder 2012.

Quelle: UNICEF


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