Ratgeber - Ernährung

Zucker Die gefährliche Lust auf Süßes

Zucker schadet den Zähnen und macht dick - so weit, so schlecht. Allerdings will kaum jemand darauf verzichten: Denn die Lust am Süßen steckt den Menschen in den Genen.

Stand: 07.02.2013
Eine Frau beißt auf ein Stück Würfelzucker  | Bild: colourbox.com

Die Vorliebe für Zucker verwundert daher nicht. Hinzu kommt: Ohne Traubenzucker kann unser zentrales Nervensystem nicht arbeiten. Und trotzdem muss man keinen Zucker essen, denn: Der Körper spaltet komplexe Kohlenhydrate, wie sie etwa in Gemüse und Vollkornbrot stecken, in Traubenzucker auf. Bei diesem Umbauprozess gelangt der Zucker langsam und gleichmäßig ins Blut. Bei purem Zucker verhält sich das allerdings anders:

"Wenn ich Zucker in Form von Süßigkeiten zu mir nehme, dann geht der Zucker besonders schnell ins Blut. Der Körper reagiert darauf, indem er Insulin ausschüttet, das heißt, der Blutzuckerspiegel sinkt in der Folge stark. Und das bedeutet, dass ich schnell wieder Hunger bekomme und deswegen gleich wieder die nächsten Kalorien aufnehmen möchte."

Andrea Danitschek, Verbraucherzentrale Bayern

Turbo-Booster Traubenzucker

Am Pranger

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Reiner Zucker besteht nur aus ein oder zwei Molekülen, deswegen wird er rasch ins Blut aufgenommen. Am schnellsten geht Traubenzucker ins Blut: Binnen weniger Minuten lässt dieser Einfachzucker den Blutzucker in die Höhe schnellen. Traubenzucker findet sich gemäß seinem Namen vor allem in Weintrauben und wird auch Glukose (griechisch: süß) oder Dextrose (d.h. "dreht das polarisierte Licht nach rechts“) genannt. Traubenzucker ist auch Bestandteil von komplexen Mehrfachzuckern wie Milch-zucker oder Haushaltszucker.

Zucker: Ein Gesundheitsrisiko

Zu viel Zucker kann nicht nur dick machen und zu Fettleibigkeit führen: Zucker wird häufig mit etlichen anderen Krankheiten in Verbindung gebracht, viele Ärzte vermuten zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Herzinfarktrisiko. Wissenschaftlich untermauert ist aber nur, dass Zucker Karies verursacht.

Andrea Danitschek rät, dass die Aufnahme von Zucker rund zehn Prozent der Tagesenergiemenge nicht überschreiten sollte. Je nach Gewicht und körperlicher Tätigkeit wären das zwischen 50 und 70 Gramm: Soviel steckt meist schon in einem Glas Limo oder einem unscheinbaren Fruchtjoghurt.

Verwirrende Angaben

Selbst scheinbar natürliche Joghurts enthalten oft Zucker. Schauen Sie am besten aufs Kleingedruckte.

In der Regel wird bei vielen Produkten Zucker nicht explizit deklariert. Stattdessen schreiben Hersteller zum Beispiel "Saccharose", was eine andere Bezeichnung für Rohr- oder Rübenzucker ist. Oder sie geben Glucosesirup an: Ein Stärkeprodukt aus Mais, Weizen oder Kartoffeln, das billiger herzustellen ist als echter Zucker. Zudem dürfen Lebensmittel, die Stärkezucker enthalten, als "zuckerfrei" deklariert werden. Und selbst wenn der Hersteller mit "kristallzuckerfrei“ wirbt oder das Produkt mit der Aufschrift "ohne Zucker“ versieht, dann bedeutet das nur, dass reiner Zucker nicht zusätzlich zugesetzt wurde.

Bildergalerie

Soviel Zucker kann in Fertigprodukten stecken:

Viele Sorten Zucker, ein Hintergrund

Im Handel gibt es inzwischen zahlreiche Sorten, zum Beispiel Vanille-Zucker, Kandis-Zucker oder karamellisierter brauner Zucker. Vom Nährstoffgehalt unterscheiden sich die Zucker-Arten jedoch in keinster Weise. Zucker ist ein leerer Energieträger ohne Vitamine und Ballaststoffe:

"Das ist zum einen für die Figur schlecht, zum anderen für die Nährstoffaufnahme ungünstig, weil man von nährstoffreicheren Produkten weniger isst, wenn man solche süßen Snacks bevorzugt. Deswegen ist es günstiger, wenn man beispielsweise süßes Obst isst. Dann hat man auch den Zucker und die Energie, gleichzeitig aber auch die ganzen anderen Vorteile, sprich Vitamine, Minerale, Ballaststoffe."

Andrea Danitschek

Oft unterschätzt: Fruchtzucker

Eine Zuckerbombe: der Fruchtsmoothie mit bis zu 70 Kalorien pro 100ml. Zum Vergleich: Bier enthält rund 40 Kalorien auf 100ml.

Doch auch bei der Fruktose (Fruchtzucker) ist Vorsicht geboten, warnt Prof. Dr. Olaf Adam, Präsident der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin: "Studien aus Amerika zeigen, dass der übermäßige Verzehr von Fruchtzucker maßgeblich zum Übergewicht beiträgt, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Denn das Gehirn nimmt Fruchtzucker nicht wahr, die fehlende Sättigung verleitet zum Verzehr großer Mengen.“ Zahlreiche Produkte enthalten Fruktose in größeren Mengen, darunter Softdrinks, Mayonnaise, Kuchen oder Kekse.

Kleiner Zuckerführer

Grundsätzliches

Zucker | Bild: picture-alliance/dpa

Beim klassischen Haushalts- bzw. Kristallzucker handelt es sich um den Doppelzucker Saccharose. Haushaltszucker gehört zu den ganz wenigen Lebensmitteln, die aufgrund ihrer Haltbarkeit nicht mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen sein müssen.

Frucht- und Traubenzucker

Utensilien zur Blutzuckermessung  | Bild: picture-alliance/dpa

Fruchtzucker (Fruktose) und Traubenzucker (Glukose oder Dextrose) sind Einfachzucker und Bestandteil zahlreicher Mehrfachzucker. Beim sogenannten Blutzucker des Menschen handelt es sich um Glukose.

Invertzucker

Honig | Bild: colourbox.com

Invertzucker ist ein Zuckergemisch, das je zur Hälfte aus Fruchtzucker und Traubenzucker besteht. Wird in der Lebensmittelindustrie durch die Hydrolyse von Saccharose gewonnen. Honig ist ein natürlich vorkommender Invertzucker, da beide Zuckersorten enthalten sind.

Raffinade

Zuckerrüben | Bild: picture-alliance/dpa

Raffinade ist der eigentliche Haushaltszucker, den man im Handel kauft. Er besteht zu über 99 Prozent aus Saccharose. Saccharose kommt hauptsächlich in Zuckerrüben und Zuckerrohr vor.

Würfelzucker

Würfelzucker | Bild: picture-alliance/dpa

Der Würfelzucker wurde 1840 erfunden: Angefeuchtete Raffinade wird in Form gepresst und anschließend wieder getrocknet.

Karamell

Nachspeise mit Karamell-Sauce | Bild: colourbox.com

Karamell wird durch Erhitzen von Zucker gewonnen. Konsistenz und Farbe hängen vor allem von der Erhitzungsdauer ab. Neueste Forschungen ergaben, dass Karamell aus mindestens 4.000 Substanzen besteht. Ein Grund ist, dass sich der Zucker durch die Erhitzung stark verändert.

Melasse

verdünnte Melasse | Bild: picture-alliance/dpa

Melasse ist ein sirupförmiges Abfallprodukt bei der Zuckerherstellung. Sie bildet die Grundlage zur Herstellung von Alkoholen oder Hefekulturen und wird auch als Viehfutter verwendet. Zuckerrohrmelasse wird für die Rumherstellung benötigt.

Milchzucker

Käse, Milch, Quark | Bild: picture-alliance/dpa

Milchzucker ist ein Zweifachzucker und Bestandteil von Milch, er bildet oft die Grundlage von Tabletten. Vor allem viele Nichteuropäer reagieren nach dem Säuglingsalter unverträglich auf Milchzucker (sogenannte Laktoseintoleranz).


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