Im Spätsommer und Herbst sind in Mitteleuropa die Weintrauben reif genug, um sie zu ernten.
Tipps rund um den Wein Vom Einsteiger zum Weinkenner
Roter? Weißer? Einer aus Italien, Frankreich oder doch aus Deutschland? Wer sich mit Wein nicht auskennt, der steht oft ratlos vorm Supermarktregal oder in der Weinhandlung. Hier finden Sie Wissenswertes rund um Wein und Tipps für Einsteiger.
Ein guter Wein? Am besten ein trockener, im Barriquefass gelagert - etwas anderes geht gar nicht! Dies oder Ähnliches bekommt der Wein-Einsteiger oft zu hören. Trockene Weine gelten als schick und angesagt. Dabei trinken viele eigentlich lieber süße Weine - und das war, wenn man historischen Funden glauben darf, schon immer so.
Tipps für Wein-Einsteiger
Preis
Wie viel darf die Flasche Wein kosten? Der Deutsche gibt dafür im Durchschnitt 2,38 Euro aus. Der Preis sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität eines Weines aus. Und welcher Wein einem schmeckt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Etwas mehr sollte man allerdings doch ausgeben. Richtig gute Weine gibt es schon ab fünf Euro zu kaufen.
Etikett
Auf dem Etikett steht alles, was man über den Wein wissen muss: Wo kommt er her? Von welchem Winzer wurde er hergestellt und in welchem Jahr? Ist es ein trockener, halbtrockener, milder oder süßer Wein? Wie hoch ist der Alkoholgehalt? Aus welcher Traube wurde der Wein hergestellt?
Findet man diese Angaben nicht auf dem Etikett vorne auf der Flasche - einfach umdrehen, in diesem Fall sollte alles auf einem zweiten Etikett hinten auf der Flasche stehen.
Gläser
Weingläser sollten nach oben hin leicht geschlossen sein - sonst verfliegt das Aroma. Standard-Weingläser kann man sowohl für Rot- als auch Weißwein verwenden. In der Regel sind Weißweingläser aber kleiner und schmaler als Rotweingläser, ähnlich Sektgläsern. Weiche Weine wie zum Beispiel Spätburgunder trinkt man aus runden, bauchigen Gläsern. In diesen kann sich ihr Aroma besser entfalten als in normalen Rotweingläsern.
Temperatur
"Wein trinkt man auf Zimmertemperatur." Ein Mythos - heutzutage ist Zimmertemperatur viel zu warm. Wärmer als 20° Celsius sollte ein Rotwein auf keinen Fall sein, besser wären etwa 15° Celsius. Weißwein sollte eine Temperatur von etwa 10° Celsius haben. Also ab in den Kühlschrank mit den Flaschen - eventuell auch nur für eine Stunde.
Achtung: Lassen Sie Wein oder Sekt nicht kälter als 5° Celsius werden! Alles was kälter ist, kann die Zunge nicht mehr schmecken. Die Temperatur überprüft man - zumindest zuhause - mit einem Weinthermometer, das man direkt in den Wein hält. Es gibt auch Manschetten für die Flasche, doch diese messen die Temperatur weniger genau als ein Thermometer.
Trinken und Schmecken
Ein guter Wein, die richtige Temperatur, passende Gläser - endlich geschafft! Nun kann man sich zurücklehnen und in Ruhe genießen. Und das macht man beim Wein am besten auch mit dem Geruchssinn. Also ruhig die Nase ins Glas halten, den Wein etwas schwenken und nochmal dran riechen. So nehmen Sie das Aroma auf.
Den ersten Schluck nicht gleich schlucken. Lassen Sie ihn etwas im Mund und kosten Sie den Geschmack voll aus. Natürlich kann man Wein auch einfach so trinken - doch dabei entgeht einem so einiges an feinen Duft- und Geschmacksnoten.
Geschmack
Trocken - halbtrocken - mild - süß: Diese Begriffe sind im deutschen Weingesetz fest verankert und es ist auch ganz genau festgelegt, welcher Wein zum Beispiel ein trockener ist. Die vier Begriffe beziehen sich auf die sogenannte Restsüße, die noch im fertigen Wein steckt und die immer auf einen Liter gemessen wird. Trockene Weine enthalten 0 bis 10 Gramm pro Liter, halbtrockene 10 bis 20 Gramm, milde 20 bis 45 Gramm. Alles was darüber liegt, gilt als süß.
Antike und Mittelalter: süß ist "in"
Der erste Wein der Geschichte stammt vermutlich aus Persien. 2.500 vor Christus lebte dort, in Schiraz, König Dschamschid. Er lagerte Trauben in seinem Keller, die vergoren. Man dachte zuerst, sie seien vergiftet. Bis die Königin von ihrem vergorenen Saft trank, um vor ihren Kopfschmerzen in den Tod zu fliehen. Die Kopfschmerzen verschwanden und der Wein wurde zum offiziellen Getränk erklärt. Ob die Geschichte stimmt? Nun, jedenfalls war Schiraz schon damals berühmt für seine Weine ... (Die gleichnamige Rebsorte stammt übrigens nicht aus Persien, sondern höchstwahrscheinlich aus dem Rhône-Tal.)
Fakt ist jedenfalls, dass schon im Altertum dem Wein eine heilende und stärkende Wirkung zugeschrieben wurde. Griechen und Römer versetzten Wein mit viel Honig. "Mulsum" nannte man dieses Getränk, das als appetitanregend, verdauungsfördernd und sogar lebensverlängernd galt. Im Mittelalter war ungarischer Tokajer sehr beliebt - ebenfalls ein süßer Wein.
Damals begann man auch damit, Medikamente in Wein aufzulösen und dadurch haltbar zu machen. Diese alten Arnzeiweine sind heute fast vollständig aus den Apotheken verschwunden. Nur den Pepsinwein gibt es noch: Er hilft nachweislich Menschen, die zu wenig Magensäure und Enzyme haben.
Wichtiges Nebenprodukt: Essig
Essig entsteht durch Fermentation alkoholhaltiger Flüssigkeiten - wie zum Beispiel Wein. Weine, deren Säuregehalt zu hoch ist, schmecken nach Essig. Essig verwendet man nicht nur in Salatdressings. Essigreiniger haben keimtötende Wirkung, sie eignen sich also auch als Desinfektionsmittel im Haushalt. Außerdem kann man damit auch hervorragend Verkalkungen entfernen. Verschiedene Essigsorten, zum Beispiel Apfelessig, werden auch als Naturheilmittel eingesetzt.
Ein Gläschen in Ehren - ist das gesund?
Auch Wein ohne Arnzeizusätze soll gesund sein. Moderater Weingenuss, besonders von Rotwein, soll verschiedensten Studien zufolge das Herzinfarkt-Risiko deutlich senken. Verantwortlich dafür soll eine Substanz sein, die in der roten Traube vorkommt: das Resveratrol. Dieser Stoff ist Teil des pflanzeneigenen Immunsystems und soll auch Weintrinker vor freien Radikalen schützen, die Zellen schädigen können. Zu viel des Guten ist allerdings alles andere als gesund. Ein bis zwei Gläser pro Tag sollten es höchstens sein.
Wissenschaftler sind sich noch nicht darüber einig, ob nun die positiven oder - durch den enthaltenen Alkohol - die negativen Auswirkungen von Rotwein auf den Körper überwiegen. Jugendliche, Schwangere und stillende Mütter sollten sowieso komplett auf Alkohol verzichten. Stattdessen tut's bei ihnen auch ein Glas Traubensaft.
Wein-Fakten
- Die Römer kannten bereits 130 verschiedene Rebsorten.
- Weltweit gibt es schätzungsweise mehr als 10.000 Traubensorten.
- Italien ist der Wein-Erzeuger Nummer eins weltweit. Es folgen Frankreich auf Platz zwei und Spanien Platz drei. Deutschland liegt an achter Stelle - hinter den USA, Argentinien, Australien und China.
- Der Frankenwein hat eine lange Tradition: Ihn gab es schon im frühen Mittelalter.
- Noch bevor in Altbayern das Bier heimisch wurde, gab es hier bereits Wein: den sogenannten Baierwein. Er war so sauer, dass er als "Sauerampfer" und "Essig" verschrien war.

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