Ratgeber - Ernährung

Kochgeschirr aus Melaminharz Das Gift köchelt mit

Die Tomatensuppe köchelt langsam vor sich hin - so wie der Kochlöffel. Der gibt der Suppe eine besondere Würze, eine ungesunde.

Stand: 13.02.2012
Ein Kochtopf mit Kochlöffel | Bild: colourbox.com

Plastikkochlöffel, Pfannenwender, Mikrowellengeschirr und Kinderteller in fröhlichen Farben sind in der Küche beliebt - doch hier lauert eine Gefahr: Bei Produkten aus Melaminharz treten bei Erhitzung chemische Verbindungen aus, die auch in die Lebensmittel übergehen können. Treten diese in hohen Konzentrationen auf, so sind auch gesundheitliche Wirkungen nicht auszuschließen. Diese Stoffe stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.

Lebensmittelchemiker testen

Zehn Prozent aller Plastikwaren bestehen aus Melaminharz - einer chemischen Verbindung aus Melamin und Formaldehyd. Seit über 75 Jahren wird der Kunststoff bereits verwendet. Er hat eine angenehm glatte Oberfläche und gilt als besonders hart, bruchfest und langlebig. Im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) forscht Ingo Ebner, ob die praktischen Küchenhelfer der Gesundheit schaden könnten. Dazu werden verschiedene Melaminkochlöffel von deutschen und ausländischen Herstellern für zwei Stunden in bei 100 Grad köchelnde Tomatensuppe gesteckt. Das ist eine lange Zeit, kommt aber vor, wenn man den Kochlöffel im Topf vergisst. Das Ergebnis:

"Bei hohen Temperaturen, wie sie beim Kochen herrschen, wird der Kunststoff angegriffen und oberflächlich zersetzt. Dabei werden die Monomere Melamin und Formaldehyd freigegeben und in das Lebensmittel abgegeben."

Ingo Ebner, Bundesinstitut für Risikoforschung

Erschreckend hohe Werte

Grenzwerte

In der EU liegt der Grenzwert von Melamin bei 30 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel. Für Formaldehyd bei 15 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel.

Beim diesem Versuch konnten die Forscher sehr hohe Werte von Melamin und Formaldehyd in der Suppe feststellen: Die vorgeschriebenen Grenzwerte wurden teilweise um das Zehnfache überschritten. Da Formaldehyd ein leicht flüchtiger Stoff ist, besteht auch eine gesundheitliche Gefahr allein durch das Einatmen. Das BfR rät aufgrund dieser Ergebnisse vom Gebrauch der Kochutensilien ab. Besonders viel Giftstoffe werden aus den Geräten ausgelöst, wenn man säurehaltige Lebensmittel zubereitet. Dazu gehört die oben genannte Tomatensoße und viele andere Gemüsesorten sowie die Zubereitung von Obst - zum Beispiel zu Kompott oder Marmeladen.

"Mit Blick auf die Freisetzung von Melamin und Formaldehyd bei hohen Temperaturen empfiehlt das BfR, beim Kochen und beim Erhitzen von Lebensmitteln in der Mikrowelle auf Geschirr und Küchenutensilien aus Melaminharzen zu verzichten."

Bundesinstitut für Risikoforschung

Kochlöffel aus China? Besser nicht.

Eine besondere Gefahr sind Melaminprodukte aus China: Sie sind oft sehr stark mit Formaldehyd belastet. Zwar gibt es in der EU eine Kunststoffverordnung, die Verbraucher vor zu stark belastetem Kochgeschirr schützen soll, doch die Kontrollinstitute sind heillos überlastet.

"Wir haben einfach zu wenig Leute für diese Arbeit. Das betrifft alle Laboratorien in der Bundesrepublik. Und da würde es mich nicht wundern, wenn die eine oder andere Probe mal durchs Raster rutscht."

Werner Altkofer, Landesuntersuchungsamt Baden-Württemberg

Melaminkatastrophe in China

2008 tauchte in China mit Melamin gestrecktes Milchpulver auf: Viele Kleinkinder erkrankten oder starben sogar daran. Diese Mengen lagen jedoch deutlich höher als die Mengen, die vom BfR beim Test von Melaminkochlöffeln festgestellt worden waren.

Werden bei einem Landesuntersuchungsamt giftige Produkte entdeckt, muss der Hersteller sie vom Markt nehmen. Das Problem dabei: Er muss die Ware nicht zerstören. Das hat zur Folge, dass die Produkte außerhalb der EU-Grenzen wieder auf dem Markt landen, zum Beispiel in Russland oder der Ukraine. Und über illegale Wege gelangen die Produkte dann häufig wieder bei uns in Ein-Euro-Läden oder anderen Billiggeschäfte.

Was kann der Verbraucher tun?

Eine Alternative - der Klassiker aus Holz.

Die Grenzwerte sind so ausgelegt, dass bei sachgemäßem Gebrauch keine Gesundheitsgefahr von Melaminprodukten ausgeht. Das heißt: Mit dem Löffel nicht länger als 15 Minuten im heißen Topf herumrühren. Für die Verwendung von Melaminprodukten bei Temperaturen bis zu 70 Grad Celsius bestehen keine gesundheitlichen Bedenken. Man kann also heiße Speisen in einen Teller einfüllen und ohne Gesundheitsgefahr essen. Der Verbraucher kann leider nicht erkennen, ob ein Kochgegenstand aus Melamin oder einem anderen Kunststoff besteht - außer es steht auf der Verpackung. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, muss auf Holz, Metall, Porzellan oder Glas umsteigen.

Linktipp:

Fragen und Antworten zu Melaminharz-Kochutensilien hat das BfR auf folgender Seite zusammengestellt: