Fairer Handel Die Gepa will mehr
Europas größte Handelsorganisation für fairen Handel, die Gepa, verbannt künftig das Fair-Trade-Siegel von einem Großteil ihrer Produkte. Warum geht die "Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt" diesen Weg?
Die Gepa wurde 1975 von kirchlichen Gesellschaftern ins Leben gerufen. Diese gründeten 1992 auch die Organisation TransFair, die das Fairtrade-Siegel in Deutschland vergibt. Nun will die Gepa das Siegel ihres Handelspartners - das blau-grün-schwarze Siegel zeigt einen Kaffeebauern, der eine schwere Last schultert - kaum noch auf ihre Produkte drucken. Staunen in der Öko-Welt - und viele Fragen an den Geschäftsführer Thomas Speck. Dieser will den Schritt von Gepa ausdrücklich nicht als Abwendung von TransFair verstanden wissen, sondern als "reine Marketing-Entscheidung": Die Gepa will "mehr als fair" sein.
Nur teilweise fair ist nicht genug
Man halte den internationalen Fair-Trade-Standard weiterhin ein, dieser sei aber nur der Mindeststandard, der nie unterschritten wird, sagt Speck. "Bei manchen Produkten will die Gepa aber über das hinaus gehen, was viele andere Lizenznehmer anbieten, die auch Trans-Fair-Zeichen verwenden": Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur teilweise mit fairen Produkten zu handeln, sondern vollständig.
Zudem hätten zwar Siegelvergaben wie die für Produkte des Discounters Lidl keine Rolle gespielt bei der Entscheidung, das Logo weniger zu nutzen, sagt Speck, "aber man kann sich fragen, welches Image das Siegel bekommt."
Das neue "Fair+"-Zeichen
Umsatzsteigerung
Studien zeigen, dass etwa zwei Drittel der Verbraucher das Fair-Trade-Siegel kennen. Insgesamt 400 Millionen Euro ließen sich Konsumenten in Deutschland 2011 "faire" Waren kosten. Das ist verglichen mit dem Vorjahr ein Zuwachs von etwa 18 Prozent. Rund 80 Prozent des Umsatzes wurde mit Produkten erwirtschaftet, die das Fairtrade-Siegel tragen.
Künftig wird nur noch das Einsteigersortiment, das häufig im Supermarkt zu finden ist, das TransFair-Siegel tragen. Die entsiegelten Produkte werden mit dem Gepa-Logo ausgezeichnet und erhalten zusätzlich das "fair+"-Zeichen. Das soll kein neues Siegel sein, sagt Thomas Speck, sondern eine Zusatzinformation für die Kunden, die eine spezielle Produkt-Qualität markiert und die unterschiedlichen Zeichen auf den bisherigen Verpackungen ersetzt.
Der Gepa-Geschäftsführer betont, dass man noch vor fünf Jahren so eine Entscheidung nicht getroffen hätte, weil es den Verein TransFair gefährdet hätte. Die Organisation sei jedoch sehr gewachsen, der Schritt deshalb möglich. Die Gepa wolle aber auch weiterhin mit TransFair zusammenarbeiten.
Von Protest bis Zustimmung
Die Entsiegelungsaktion der Gepa stößt auf ein geteiltes Echo. Verbraucherschützer und TransFair kritisieren, dass damit die Flut an Siegeln für Verbraucher noch unübersichtlicher wird: "Die Verbraucher können nicht Hunderte von Kriterien von unterschiedlichen Firmen lernen, das kann man nicht erwarten", sagt Claudia Brück, Sprecherin von TransFair. Die Entwicklungsorganisation Oxfam sieht das Fair-Trade-Siegel in Gefahr - und entsprechend die Produzenten: "Jedes Produkt mit Siegel trägt zur Bekanntheit und Verbreitung bei", sagt die Arbeitsrechtsexpertin der Organisation, Franziska Humbert. Den Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika sei nur durch eine größtmögliche Ausbreitung der Produkte geholfen.
Klick-Tipp
Der Geschäftsführer der Handelsorganisation El Puente, Stefan Bockemühl, befürwortet dagegen die Entscheidung der Gepa: "Es ist auch wichtig zu kommunizieren, dass es Firmen gibt, die zu 100 Prozent fair sind." Das TransFair Siegel sei sinnvoll, vor allem im Supermarkt, es habe den fairen Handel bekannt gemacht, aber die Kriterien wurden mehr und mehr aufgeweicht, je größer Transfair wurde, so Bockemühl. Transfair-Sprecherin Brück weist aber darauf hin, dass der Marktanteil einiger Produkte aus fairem Handel noch unter einem Prozent liege. "Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass sich das ändert."
Was heißt Fairtrade?
Produkte, die mit einem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet wurden, müssen nach den Standards der Fairtrade International (FLO), also nach bestimmten sozialen, ökonomischen und ökologischen Vorgaben, produziert worden sein. Zu den Standards zählen zum Beispiel: der Hersteller muss zertifiziert sein, Zahlen eines Mindestlohns, langfristige Arbeitsverträge, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, nachhaltige und umweltschonende Herstellverfahren und keine illegale Kinderarbeit.
Link-Tipps
Hintergrund-Informationen zu den erwähnten Organisationen finden Sie hier:

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