Ratgeber - Ernährung


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Gütesiegel für Fische Im Meer der Fischsiegel

Beim Blick in die Kühltheke fragt sich der Kunde: Welches Fischsiegel bedeutet eigentlich was? Kann ich mein Gewissen damit beruhigen, dass ich ein Fischfilet mit Siegel kaufe? Nun, es ist zumindest ein Anfang ...

Stand: 22.10.2014

Tiefkühlfisch mit Fschsiegel MSC: Das Siegel wirbt für nachhaltigen Fischfang. Aber garantiert es wirklich ökologisch korrekt gefangenen Fisch? | Bild: picture-alliance/dpa

"Jedes Gütesiegel ist nur so gut, wie die Standards, die ihm zugrunde liegen." Aus der Sicht von Greenpeace gibt es derzeit kein Gütesiegel, dem man uneingeschränkt trauen könnte, obwohl es immer mehr zertifizierte Fischprodukte gibt. Dennoch sind Gütesiegel wichtige Hilfestellungen für Kunden, wenn sie vor der Fischtheke stehen und die Qual der Wahl haben.

Was Fischkäufer beachten sollten:

  • Fisch sollte als eine besondere Mahlzeit gelten und als nicht alltägliche Nahrungsmittel.
  • Der Käufer sollte auf Bio- und Umweltsiegel achten.
  • Fischsiegel ist nicht gleich Fischsiegel. Sie unterscheiden sich in ihren Kriterien und Anforderungen an die Hersteller und stehen oft auch nur für bestimmte Produkte wie Fische aus Aquakulturen oder Wildfisch.
  • Beim Kauf eines Produkts sollte der Kunde darauf achten, ob es sich wirklich um ein Siegel handelt oder um ein Markenlabel, das aussieht wie ein Siegel.
  • Hilfreich sind bei der Entscheidung auch Einkaufsratgeber und "Fisch-Apps" für das Smartphone.

Unterschiedliche Fischsiegel

MSC – Wildfisch

Das Marine Stewardship Council (MSC)-Siegel ist das weit verbreitetste Fischsiegel, das ausschließlich auf Produkten des Wildfangs zu finden ist.

Weltweit gibt es derzeit 20.000 Produkte mit dem blauen MSC-Siegel. In Deutschland sind inzwischen über 5.000 Fischerzeugnisse mit dem MSC-Siegel erhältlich. Derzeit sind nach eigenen Angaben 216 Fischereien zertifiziert, weitere 102 befinden sich in der Bewertung.

MSC zertifiziert Fischereibetriebe, die das Meer nachhaltig befischen. Zu diesem Zweck hat die Organisation mit Wissenschaftlern, Fischereiexperten und Umweltschutzorganisationen einen Umweltstandard für die Beurteilung und Auszeichnung von Fischereien entwickelt.

Alle verarbeitenden Betriebe, Restaurants, Fischfachhändler und anderen Unternehmen, die MSC-zertifizierten Fisch verarbeiten, umpacken oder als unverpackte Frischware anbieten und mit dem MSC-Siegel kennzeichnen möchten, müssen nach dem MSC-Rückverfolgbarkeits-Standard zertifiziert sein.
Unabhängige Gutachter prüfen, ob die Fischereien die MSC-Kriterien einhalten.

Kritik an dem Siegel gab es von Greenpeace, weil auch hoch industrialisierte Fischerei, wie die Alaska-Seelachs-Fischerei, zertifiziert wurde. Allerdings erkennt die Umweltorganisation an, dass das Siegel zu einem Umdenken in der Fischerei und Fischindustrie geführt hat und dass die Kontrollen transparent und professionell sind.

Die internationale, unabhängige, gemeinnützige Einrichtung wurde von der Umweltorganisation WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever 1996 gegründet.

Naturland Wildfisch

Naturland Wildfisch zertifiziert nur Wildfische. 2009 startete das Siegel mit Viktoriabarsch aus Tansania. Hinzugekommen sind mittlerweile Flusskrebse, Skipjack-Thunfische, Nilbarsch und Hering aus der Ostsee – alle aus speziell zertifizierten Betrieben.
Die zertifizierten Fischer unterliegen ökologischen Standards, die strenger sind als die der EG-Öko-Verordnung.
Die Standards gelten sowohl für die Erzeugung als auch für die Verarbeitung. Sie erzeugen ohne Gentechnik.
Naturland hat strenge Richtlinien für die Zertifizierung aufgestellt:
- die schonende Nutzung der Fischbestände und des gesamten Ökosystems;
- der Verzicht auf kritische und umweltschädigende Fangmethoden;
- die Einhaltung von Sozialrichtlinien für Fischer und Angestellte in der Fischverarbeitung;
- die ökologische Weiterverarbeitung ohne künstliche Zusätze und Gentechnik;
- ein öffentlich einsehbares, transparentes Anerkennungsverfahren für alle Teile der Wertschöpfungskette.

Einmal zertifiziert, wird das Unternehmen jährlich überprüft.

Naturland ist der Verband für ökologischen Landbau und hatte nach eigenen Angaben 2012 weltweit über 53.000 Bauern, die seine Richtlinien anerkennen.
Nachhaltigkeit wird bei Naturland, so der Verband, ganzheitlich verstanden und beinhaltet ökologische, soziale und ökonomische Komponenten.
Nachhaltigkeit in der Fischerei bedeutet, dass Fischbestände auf Dauer erhalten werden und die Erzeugnisse hochwertig und gesunde Nahrungsmittel bleiben, wobei die Umwelt intakt bleibt.

FOS – Wildfisch und Aquakulturen

"Friend of the Sea" (FOS) zertifiziert Wildfisch und Fisch aus Aquakulturen.
Kriterien für Wildfisch:
- Nur nicht überfischte Arten dürfen gefangen werden;
- Fischfang darf den Meeresboden nicht beeinträchtigen;
- Die Beifangmenge muss unter acht Prozent der Gesamtfangmenge bleiben – was durchaus viel ist.
Kriterien bei Aquakulturen:
- Schutz kritischer Habitate (Mangroven, Feuchtgebiete);
- Einhaltung der Wasserparameter;
- Reduzierung von Fischflucht und Rückwürfen auf ein geringfügiges Maß;
- keine Verwendung von schädlichen Korrosionsmitteln,
- keine gentechnisch veränderten Organismen und Wachstumshormone im Fischfutter;
- soziale Verantwortung;
- schrittweise Reduzierung des CO2-Fußabdrucks;
Nach eigenen Angaben haben rund 75 Aquakultur-Erzeuger weltweit eine Prüfung nach den Kriterien von Friend of the Sea angefordert, von denen etwa 50 eine Zertifizierung erhalten haben.

FOS ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich zur Aufgabe gestellt hat, das Meereshabitat zu erhalten. Gegründet wurde die Organisation 2006 vom US-Amerikaner Pablo Bray, der auch für das Delfinrettungsprojekt Dolfin-Safe verantwortlich zeichnet.

Naturland – Aquakulturen

Naturland zertifiziert Aquakulturen für Salz- und Süßwasserfische und Meerestiere.
Mittlerweile zertifiziert Naturland mehr als 15 verschiedene Fisch-, Garnelen-, Muschel- und Algenarten.
Kriterien:
- die Fische wachsen langsam und artgerecht in naturnahen Teichanlagen und haben ausreichend Platz.
- die Fische pflanzen sich natürlich fort und auch die Laichgewinnung verläuft natürlich.
- der Einsatz von Hormonen zur Stimulierung ist verboten;
- nach Möglichkeit sollten verschiedene Fischarten gemeinsam gehalten werden;
- die Fische bekommen Futter aus pflanzlichen Zutaten und Resten, die bei der Speisefischverarbeitung anfallen, ergänzt von Kleinkrebsen.

Meeresfischarten aus der Aquakultur mit dem Naturland Zeichen: Dorade, Wolfsbarsch, Kabeljau
Süßwasserfische: Regenbogenforellen, Bachforellen, Saiblinge, Karpfen, Lachs, Pangasius, Tilapia
Meeresfrüchte und Algen: Western White Garnelen, Black Tiger Garnelen, Süßwassergarnelen, Muscheln, Meeresalgen, Shrimps

Naturland, der Verband für ökologischen Landbau, hat Mitte der 90er-Jahre begonnen, Richtlinien für die ökologische Aquakultur zu entwickeln. Vertreter von Naturland haben auch an den EU-Bio-Siegel-Standards mitgearbeitet.

EU-Biosiegel – Aquakulturen

Seit Juni 2009 gibt es in der EU-Ökoverordnung verbindliche Richtlinien für Bio-Aquakulturen. Sie gelten für Fische wie Lachs, Forelle, Seebarsch und Karpfen, aber auch für Krebstiere, Muscheln und Algen in Salz- und Süßwasser.
Grundsätzlich darf nur Fisch aus kontrollierter Zucht als Bio-Fisch bezeichnet werden, Fischprodukte aus Wildfang dürfen nicht als Bio-Fisch verkauft werden.
Kriterien:
Bei Fütterung und Haltung nach ökologischen Gesichtspunkten sind die Vorschriften der EU-Bio-Verordnung zur ökologischen Aquakultur zu berücksichtigen. Dazu zählen:
- die Einhaltung von maximalen Besatzdichten (Anzahl von Fischen je Volumen);
- das Verbot künstlicher Hormone und Medikamente;
- Einsatz von Bio-Fischfutter, ergänzt durch Fischfutter aus nachhaltig bewirtschafteten Fischereien.

Damit Produkte das Bio-Siegel tragen dürfen, müssen mindestens 95 Prozent ihrer Zutaten aus ökologischem Landbau stammen, bei verarbeiteten Fischprodukten also beispielsweise auch Öl, Panade oder Tomatensoße.

Seit 1. Juli 2010 müssen die Hersteller verpackter Bio-Lebensmittel das neue EU-Bio-Logo verwenden. Daneben kann auch das deutsche Bio-Siegel genutzt werden, muss aber nicht.

ASC – Aquakulturen

Das Aquaculture Stewardship Council (ASC)-Siegel zertifiziert ausschließlich nachhaltig arbeitende Fisch- und Meeresfrüchtezuchten.

Noch immer werden Standards für die Zertifizierung bestimmter Aquakulturen erarbeitet, denn noch wird daran gearbeitet, welche Lebensbedingungen in der Zucht für die einzelnen Fischarten am geeignetsten sind.

Bei den Standards für die Aquakulturen wird nach eigenen Aussagen Wert darauf gelegt, dass
- die Herkunft des Fischfutters klar sein muss;
- die Wasserqualität und Fischdichte der Kulturen festgelegt sind;
- Antibiotika nur kranken Tieren gegeben wird;
- es müssen soziale Standards für die Mitarbeiter der Zuchtbetriebe eingehalten werden.
- viele der Zuchtfische sind Raubfische. Sie werden selbst mit Fischen gefüttert, deshalb werden Fische zu Fischfutter verarbeitet oder zum Verfüttern gefangen. So werden für ein Kilogramm Lachs vier bis sieben Kilogramm Fisch als Fischfutter benötigt. Das ASC setzt Standards wie viel Wildfisch an Zuchtfische verfüttert werden darf. So sollen pro Kilogramm Lachs maximal 1,3 Kilogramm Wildfisch im Futter stecken. Im Fall von Pangasius sind es zum Beispiel 500 Gramm.

Es gibt keine Einschränkungen bei gentechnisch verändertem Futter.

Das Label wurde vom WWF auf den Weg gebracht, ist aber seit 2009 eine eigenständige, unabhängige, nicht profitorientierte Organisation.

Global G.A.P. - Aquakulturen

Das Global G.A.P. Qualitätssicherungs- und Zertifizierungssystem für die Landwirtschaft wurde 1999 gegründet und hieß bis 2009 EuroGAP.

Seit 2004 gibt es auch Standards für Aquakulturen. In diesem Bereich deckt es eine große Artenvielfalt von Fisch, Schalen- und Weichtieren ab und schließt alle auf Fischfarmen gezüchtete Arten sowie Setzlinge mit ein.

Die Standards decken vom Laichfischbestand, den Setzlingen, Futtermittellieferanten und den Züchtern bis zum Abfischen und Weiterverarbeiten den gesamten Prozess ab. Sie beinhalten soziale Komponenten, Qualitätstests, aber auch Tierschutz.

Die Standards sollen wie ein Handbuch für Fischzüchter funktionieren. Es werden auch individuelle Lösungsvorschläge für erzeugende Betriebe entwickelt, um die Standards zu erreichen.

Nach Angaben der Organisation soll das Siegel generell dazu dienen, dass die Lebensmittelqualität gesichert wird und Mindeststandards eingehalten werden.

Bioland – Friedfische

Der Bioanbauernverband zertifiziert nur Friedfische wie den Karpfen, die sich pflanzlich und ohne Fischfutter ernähren. Dabei hat Bioland strengere Öko-Vorgaben als die EU.

Kriterien:
- niedrige Besatzdichte;
- keine mineralische Düngung der Teiche;
- natürlicher Bewuchs als Futtergrundlage der Karpfen;
- es wird bei Bedarf nur pflanzliches Zusatzfutter verwendet;
- Fischmehl und Fischöl sind bei Bioland ohnehin verboten. Forellenhaltung, in der tierisches Eiweiß benötigt wird (Forellen sind Raubtiere), ist daher nach Bioland-Richtlinien nicht möglich;
- die Teiche für die Fischzucht sind natürlich oder naturbelassen.

Bioland arbeitet nach sieben Grundprinzipien: Im Kreislauf wirtschaften; die Bodenfruchtbarkeit fördern; Tiere artgerecht halten; wertvolle Lebensmittel erzeugen; biologische Vielfalt fördern; natürliche Lebensgrundlagen bewahren; Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern.

Der Verein hat derzeit über 4.700 Mitglieder, die Landwirte sind, die sich vertraglich verpflichten die Bioland-Richtlinien einzuhalten.

WWF-Pandabär

Das WWF-Logo mit dem Pandabär auf einer Packung bedeutet, dass die Umweltorganisation World Wide Fond for Nature befürwortet, wie der Fisch gefangen wurde.

Allerdings zertifiziert die Umweltorganisation nicht nach eigenen Kriterien oder Standards. Mittlerweile ist der WWF auch Partner von Handelsketten wie Edeka, die er auf dem Gebiet des nachhaltigen Fischeinkaufs und Sortiments unterstützt.

Das MSC-Siegel wurde vom WWF gemeinsam mit dem Nahrungsmittelkonzern Unilever 1996 begründet.

Zudem hat der WWF einen Fischratgeber erstellt, der als kostenloses App oder online verfügbar ist.

Dolphin Safe - Schutz der Delfine

Das Label bezieht sich nur auf den Thunfischfang und entsprechende Delfinschutzmaßnahmen.

Seit Anfang der 90er-Jahre setzt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) das internationale Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch (SAFE) des amerikanischen Earth Island Institute in Deutschland um. SAFE kontrolliert derzeit fast 400 Thunfischproduzenten in 52 Ländern.

Die dem Label angeschlossenen Unternehmen haben sich verpflichtet, nur Thunfisch anzubieten, der nicht mit Treibnetzen oder durch das Setzen von Netzen um Delfinschulen gefangen wurde. Sie tragen das Safe-Umwelt-Label.

Unterstützt werden die SAFE-Kriterien von Greenpeace (USA), Human Society of the US (HSUS), Humane Society International (HSI), Defenders of Wildlife, Animal Welfare Institute (AWI), Friends od the Earth, Sierra Club, Marine Connection (UK) etc.

Das Logo von SAFE gilt nur in Bezug auf die Delfinsicherheit. Es trifft keine Aussage über die Nachhaltigkeit oder Selektivität der eingesetzten Fangmethode.

SAFE lehnt zudem den Einsatz von FADs (Fischsammlern) in der derzeitigen Form ab, da bei dieser Fangmethode viel Beifang von Haien, anderen Fischen und auch zu junge Exemplaren der Zielfischart anfällt.

Handelsketten als wichtige Partner

Das Fischsortiment der Handelsketten verändert sich nach und nach ...

Über die großen Lebensmittelketten werden die meisten Fische verkauft, deshalb sind sie für einen nachhaltigen Fischfang enorm wichtig. Wenn die Rewes, Aldis, Reals, Edekas, Lidls und Kauflands auf vom Aussterben bedrohte Fische verzichten oder nur nachhaltige Produkte aufnehmen, üben sie damit Druck auf die Produzenten und Fischereien aus. Viele Handelsketten sind dabei bezüglich der Nachaltigkeit ihr Einkaufsverhalten und ihre Ziele zu ändern. Diese sind zumeist auf den Webseiten der Unternehmen nachzulesen.

Marken, die mit Nachhaltigkeit werben

Daneben git es auch eigene Marken und Kooperationen von Handelsgruppen, die dem Streben nach Nachhaltigkeit des Unternehmens Ausdruck verleihen sollen. Hier einige Beispiele: Die Rewe-Handelsgruppe hat das Label "Pro Planet" für eigene Produkte entwickelt – zu finden auf Fischpackungen, die ebenfalls das MSC-Logo tragen. Zur Vergabe des Labels erklärt das Unternehmen auf seiner Webseite, "wird ein transparenter mehrstufiger Prozess durchgeführt." Daran beteiligt sind auch Umweltorganisationen und externe Experten. Edeka arbeitet gemeinsam mit dem WWF an einer nachhaltigen Einkaufsstrategie. Auf Produkten, die schon ein MSC-Siegel haben, findet man deshalb auch das WWF-Logo. Daneben etablieren sich auch Marken wie "follow-fish". Das Label wurde 2007 in Friedrichshafen am Bodensee von Fischhändlern gegründet. Auf der Webseite kann der Verbraucher mittels eines Tracking-Codes die Herkunft des angebotenen Produkts zurückverfolgen.

Fischführer kann bei Entscheidung helfen

Doch gerade, wenn so viele Labels auf einem Produkt prangen, verliert der Kunde leicht den Überblick. Da ist es sinnvoll, sich vor allem auch nach dem Fisch und der Fischart zu orientieren, die man kaufen möchte. Und da kann ein Blick in einen Fischratgeber die Entscheidung erleichtern. Zudem kritisiert Greenpeace, dass alle Gütesiegel Schwächen hätten. So fehle oft eine vollständige Kennzeichnung. So werden auch Fische zertifiziert und ausgelobt, die – wie bei MSC – auch aus Grundschleppnetzfischerei stammen können.


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