Ratgeber - Ernährung


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Greenpeace-Fisch-Führer Fisch ökologisch korrekt kaufen

Karpfen und Afrikanischer Wels: Das sind die einzigen Fische, die man laut Greenpeace-Fischführer 2013 völlig bedenkenlos essen kann. Auf Makrele sollte man verzichten, von Aal, Dornhai und Rotbarsch wird völlig abgeraten.

Stand: 11.12.2014

Karpfen können Sie mit ökologisch gutem Gewissen kaufen: Seine Zucht ist nachhaltig und belastet die Umwelt nicht. | Bild: picture-alliance/dpa

Link-Tipp

Den Greenpeace-Fischratgeber 2013 finden Sie unter folgendem Link:

Im Einkaufsratgeber von Greenpeace werden knapp 50 Fisch-Arten hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet. Karpfen und Afrikanischer Wels könnten demzufolge auch weiterhin ohne Bedenken gegessen werden. Eingeschränkt gilt das auch für Hering und Forelle. Unterm Strich sind nur knapp zehn Prozent aller Arten für den Konsum geeignet

Nicht empfehlenswert

"Aal, Dornhai und Rotbarsch haben auf unserem Teller nichts verloren ... Lachs, Schellfisch oder Dorade können wir mit Einschränkungen empfehlen, sofern sie aus nachhaltiger Wildfischerei oder Aquakultur stammen"

Dr. Iris Menn, Meeresbiologin von Greenpeace

Mithilfe der Verpackungsangaben können Verbraucher ermitteln, ob der Fisch aus nachhaltiger Fischerei stammt oder nicht. Eine Schlüsselposition nimmt dabei das Fisch-Siegel Marine Stewardship Council (MSC) ein, das für nachhaltige Fischerei steht. Es ist das hierzulande wohl bekannteste Fischsiegel - wobei es unter Fischereiexperten allerdings nicht unumstritten ist:

Umstrittene Fisch-Siegel

Das MSC ...

1997 riefen Fischstäbchenproduzent Unilever und WWF zusammen das "Marine Stewardship Council" (MSC) ins Leben. Obwohl es hohe Auflagen für das Fisch-Siegel gibt, wollen immer mehr Fischverarbeiter ihre Produkte damit zieren. Bewirbt sich ein Unternehmen, wird es von einem Prüfer besucht, der Schiffe und Fangmethoden in Augenschein nimmt. Außerdem müssen die Firmen ihre Fänge genauestens dokumentieren, damit zurückverfolgt werden kann, dass der Fisch nicht aus einem gefährdeten Bestand stammt.

... und andere Siegel

Neben dem MSC gibt es noch das "Global G.A.P." für Produkte ökologischer Aquakulturen und "Friend of the Sea (FOS)", das sowohl nachhaltige Wild-Fischereien als auch Aquakulturen zertifiziert. Allerdings schreibt Greenpeace: "Jedoch kann der Verbraucher bei keinem der Siegel bedenkenlos auf nachhaltige Produkte vertrauen."

Das Lebensmittel-Logo "100 % Nachhaltig" ist übrigens nicht geschützt und sagt daher nichts Verbindliches aus.

Kritik ...

Das Kieler Geomar-Institut überprüfte rund 130 vom MSC bzw. FOS zertifizierte Fisch-Bestände. Fischereibiologe Rainer Froese: "Etwa ein Drittel der MSC-zertifizierten Fischbestände war zu klein und wurde gleichzeitig zu hart befischt, sodass sich die Bestände nicht erholen können und schrumpfen." Nur zwei der 31 Kriterien für das MSC-Siegel beschäftigen sich mit der Frage, wie es den Fischen geht, moniert Froese in einem Zeitungsinterview.

Für die FOS-zertifizierten Produkte hätten laut Froese oft zu wenig belastbare Informationen vorgelegen, um überhaupt eine Aussage treffen zu können.

... mit Einschränkungen

Trotzdem sollten die Verbraucher weiterhin auf die Siegel achten, "weil trotz aller Fehler der Anteil gesunder Bestände hier höher ist als bei nicht-zertifizierter Ware", so Froese.

Laut Geomar sei die Studie MSC und FOS vorab zugänglich gemacht worden. FOS habe daraufhin drei Beständen sein Siegel entzogen, MSC habe die Zertifizierung von vier Beständen vorübergehend ausgesetzt.

Studie des Geomar-Instituts Kiel, veröffentlicht am 17. April 2012

Finger weg vom Pangasius

Der Pangasius, vor wenigen Jahren noch ein Exot, ist zu einem der beliebtesten Fische avanciert. Vor allem die Pangasius-Aquakulturen in Vietnam sind rasant gewachsen. Untersuchungen der Verbraucherzentrale Hamburg im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks haben 2011 jedoch ergeben, dass Pangasius häufig mit Phosphaten, Nitraten oder Zitronensäure angereichert ist. Dadurch bindet er Wasser, was seine Verkaufsmasse um bis zu zwanzig Prozent vergrößert, heißt es. Entsprechende Verpackungs-Hinweise würden fehlen.

Aquakulturen fördern Überfischung

Auquakulturen werden immer mehr zum Umweltproblem.

Auch die Aquakulturen selbst werden mehr und mehr zum Umweltproblem, unter anderem deshalb, weil sie zur Überfischung beitragen. Denn die Zuchtfische fressen selbst Fisch. Zwanzig Millionen Tonnen Fisch werden jedes Jahr in Aquakulturen verfüttert. Ein weiteres Problem sind die eingesetzten Chemikalien und Medikamente, ebenso der immense Einsatz an Süßwasser. Daher stuft Greenpeace den Verzehr von Pangasius als "grundsätzlich nicht vertretbar" ein.

Deutsche Fischerei in Zahlen

Import

Der deutsche Markt hat einen Bedarf von 1,2 Millionen Tonnen Fisch im Jahr. 122.000 Tonnen liefert die Küsten- und Hochseefischerei, 20.000 Tonnen die Binnenfischerei.
Mehr als 1,8 Millionen Tonnen werden importiert.

Export

Von diesen Importen werden 909.000 Tonnen exportiert, nachdem sie zu Fischstäbchen oder Tiefkühlware weiterverarbeitet wurden. Somit verbleiben knapp 1,2 Millionen Tonnen Fisch in Deutschland.

Verbrauch

2012 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch bei 14,5 Kilogramm. Das ist ein Rückgang von acht Prozent im Vorjahresvergleich.

Umsatz

Mehr als 45.000 Menschen sind in der deutschen Fischereibranche beschäftigt, inklusive Handel und Gastronomie. Die Umsatz der deutschen Fischereiwirtschaft wird auf knapp sechs Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Flotte

Die deutsche Fischereiflotte bestand 2012 aus 1.551 Fahrzeugen. In der Hochseefischerei fuhren neun Schiffe unter deutscher Flagge.
Quelle: Deutscher Fischerei-Verband, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, BLE (Stand: Dezember 2012)

Links

Fischkonsum in Deutschland

Die Deutschen verzehren laut Angaben des WWF rund 16 Kilogramm Fisch pro Jahr und Kopf. Fisch ist gesund - aber die meisten Fischarten sind überfischt und daher in ihrem Bestand bedroht. In der Nordsee und Ostsee sind rund achtzig Prozent der Fischbestände überfischt, dasselbe gilt für die Fischbestände weltweit. Weit über 80 Prozent der in Deutschland verkauften Fische werden importiert, so die Umweltorganisation Greenpeace. Experten warnen, dass bei weiterhin gleichbleibendem Fischkonsum damit zu rechnen sei, dass in 40 Jahren die meisten kommerziell genutzten Fischarten in ihren Beständen gefährdet oder nicht mehr vorhanden sind.


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