Ratgeber - Ernährung


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Flossen weg! Diese Fische gehören nicht auf den Teller

Ökologisch korrekter Fischkauf ist manchmal kompliziert. Bei einigen Arten sind sich Umweltorganisationen und -experten einig: Diese Fische sollten im Wasser schwimmen und nicht im Kochtopf!

Stand: 14.11.2013

Roter Thunfisch | Bild: picture-alliance/dpa

Europäischer Aal

Die Rote Liste für bedrohte Tierarten der Weltnaturschutzunion (IUCN) führt den Europäischen Aal (Anguilla anguilla) unter "vom Aussterben bedroht". Er ist besonders anfällig für Überfischung, denn am Anfang und am Ende seines Lebens unternimmt er lange Reisen. Diese finden aber oft an Wasserkraftwerken und Stauwehren ein jähes Ende. Die Aale, die es weiter schaffen, enden oft in den Netzen oder an der Angel eines Fischers.

Die lange Reise der Aale

Aale beginnen ihr Leben in der Sargasso-See südlich der Bermuda-Inseln. Nach dem Schlüpfen wandern sie als "Weidenblattlarven" über den Atlantik. Auf der Reise nach Europa verwandeln sie sich in rund sieben Zentimeter lange "Glasaale". Im Frühjahr schwimmen die Fische dann als "Steigaale" die Flüsse hinauf. Dort wachsen sie in den folgenden Jahren in Binnengewässern zur vollen Größe heran. Wenn sie geschlechtsreif sind, stellen die Fische die Nahrungsaufnahme ein, wandern als "Silberaale" die Flüsse wieder hinunter und schwimmen durch den Atlantik in die Sargasso-See. Dort paaren sie sich und sterben nach dem Ablaichen.

Europäischer Aal

Schon die ganz jungen, kleinen Glasaale werden gefangen. Sie landen auf dem Teller oder in Aquakulturen, wo sie gemästet werden. Diese Zuchtfarmen reduzieren nicht nur den Aalnachwuchs. Sie belasten auch die Bestände an anderen Fischen. Die Aquakulturen benötigen mehr als fünf Kilogramm Fisch als Futter, um ein Kilo Aal zu produzieren. Obendrein verbrauchen die Zuchtanlagen viel Energie, um das Wasser aufzuheizen.

Dornhai alias "Schillerlocke" und "Seeaal"

Dornhai

Der Dornhai wird hierzulande kaum unter seinem wahren Namen verkauft. Stattdessen wird sein Bauchlappen unter dem Namen"Schillerlocke" und der Rücken als "Seeaal" angeboten. In Großbritannien findet er sich als "Fish" im Nationalgericht "Fish and Chips" oder wird als "Rock Salmon" (Steinlachs) verkauft.

Langes Leben, wenig Nachwuchs

Der Dornhai (Squalus acanthias) wird knapp einen Meter lang und kann über zwanzig Jahre alt werden. Seine Geschlechtsreife erreicht er erst mit zehn Jahren. Dornhai sind lebend gebärende Fische. Nach einer Tragezeit von eineinhalb bis knapp zwei Jahren werden bis zu zwanzig Junge geboren. Aufgrund dieser langsamen Form der Fortpflanzung und der geringen Zahl an Nachkommen ist der Dornhai schnell von Überfischung bedroht. Zudem haben geschlechtsreife Weibchen, die in der Regel Junge tragen, die Angewohnheit, sich in Gruppen zu sammeln. Das macht die Art zusätzlich anfällig für Überfischung.

Der Dornhai wurde in den vergangenen Jahrzehnten stark überfischt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) steht er unter "gefährdet". Der Bestand im Nordwestatlantik gilt als "stark gefährdet" und der im Nordostatlantik "als vom Aussterben bedroht". Seit 2010 wird in europäischen Gewässern nicht mehr gezielt nach Dornhaien gefischt. Sie landen aber trotzdem in den Netzen, nämlich beim Fang anderer Fischarten, die am Meeresboden leben. Diese Beifänge sollten vermieden werden, damit sich die Dornhai-Bestände erholen können.

Schwertfisch

Schwertfisch

Schwertfische werden meist mit Langleinen oder Treibnetzen gefangen. Dabei kommt es zu großen Mengen an Beifang: Meeresschildkröten, Seevögel, Delfine, Haie und andere Fischarten machen als Rückwurf bis zu einem Drittel der gesamten Fangmenge aus. Einige dieser Arten sind bedroht und werden durch den Schwertfischfang zusätzlich in ihrer Existenz gefährdet. Außerdem können ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten, wenn große Raubfische wie der Schwertfisch dezimiert werden.

Räuber mit langer Nase

Der Schwertfisch (Xiphias gladius) ist einer der größten Raubfische der Meere und kommt rund um den Globus vor. Er wird rund zwei Meter lang, kann aber auch mehr als doppelt so groß werden. Seine Nahrung sind Sardinen, Makrelen und Tintenfische. Auffälliges Kennzeichen ist das lange Schwert an seiner Schnauze, das etwa ein Drittel der Körperlänge ausmacht.

Die Menge an gefangenen Schwertfischen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen. Die Bestände gelten als auf der ganzen Welt als überfischt oder bis an die Grenzen ihrer biologischen Belastbarkeit befischt. Allerdings ist die Datenlage insgesamt unsicher. Im Nordwestatlantik hat sich der Bestand in jüngster Vergangenheit erholt. Dort haben kanadische und US-amerikanische Fischer den Beifang deutlich reduziert. Die Harpunenfischerei auf Schwertfisch dort wurde mit dem MSC-Siegel ausgezeichnet. Fische von dort sind in Deutschland aber nicht erhältlich.

Blauflossenthunfisch

Fang von Blauflossenthunfisch in Japan

Der Blauflossenthunfisch (Thunnus thynnus) wird auch Großer, Nordatlantischer oder Roter Thunfisch genannt. Er kann bis zu 4,5 Meter lang und fast 700 Kilogramm schwer werden. Besonders beliebt ist der Blauflossenthunfisch in Japan. Dort wird er zu Sushi oder Sashimi verarbeitet. Auch Blauflossenthunfische aus dem Mittelmeer landen oft in Tokio auf dem Fischmarkt. Stattliche Exemplare können dort fünfstellige Dollar-Preise erreichen, manchmal sogar deutlich mehr. Diese Nachfrage sorgt dafür, dass die Bestände des Blauflossenthunfischs weiter geplündert werden, obwohl im Atlantik und im Mittelmeer nur noch einen Bruchteil der Fische lebt, die dort noch vor einigen Jahrzehnten zu finden waren. Der Bestand im Ostatlantik steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) unter "stark gefährdet". Im Westatlantik gilt der Blauflossenthunfisch bereits als "vom Aussterben bedroht".

Roter Thunfisch aus dem Dokumentarfilm "Sushi - The Global Catch"

Der Blauflossenthunfisch wird oft mit Langleinen oder Ringwaden gefangen. Dabei fällt viel Beifang an, darunter andere Fischarten wie Haie und Schwertfische, aber auch Meeresschildkröten, Seevögel und Defline. Der Thunfischfang bedroht die Meeresbewohner zudem, weil er ganze Ökosysteme durcheinander bringen kann: Große Raubfische wie der Blauflossenthunfisch stehen im Meer an der Spitze der Nahrungskette. Wenn sie rigoros gefangen werden, können sich andere Arten unkontrolliert vermehren.

Darf ich Thunfisch aus der Dose kaufen?

Thunfischdosen in einem italienischen Supermarkt

Blauflossenthunfisch ist für Konserven viel zu teuer. In den Thunfischdosen steckt daher meistens gar kein "richtiger" Thunfisch (das heißt, aus der Gattung Thunnus). Eingedost wird meist ein enger Verwandter, der sogenannte Echte Bonito (Katsuwonus pelamis), auch "Skipjack" genannt. Seine Bestände gelten zumeist noch nicht als überfischt, allerdings ist die Datenlage unsicher. Um Fangmethoden mit wenig Beifang zu unterstützen, sollte man beim Kauf aber darauf achten, dass der Bonito nicht mit Stellnetzen oder mit Ringwaden und Lockbojen gefangen wurde.

Blauflossenthunfisch gibt es auch aus Zuchtanlagen. Für den Besatz werden allerdings Jungfische gefangen, was die Zahl der wild lebenden Exemplare zusätzlich reduziert. Die Zuchtfische werden in großen Netzgehegen gemästet. Da der Thunfisch ein Raubfisch ist, braucht er große Mengen an Futter. Für ein Kilogramm Blauflossenthun sind bis zu zwanzig Kilogramm Fisch als Futter notwenig. Das belastet wiederum die Bestände an diesen Fischen. Futterreste und Fischkot im Wasser verunreinigen zudem die Umgebung der Fischzuchtanlagen.


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