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Windows 10 Cortana und Bing telefonieren nach Hause

Erst vor wenigen Tagen hatte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Microsoft 10 als regelrechte „Abhöranlage“ bezeichnet. Viele der Schnüffelfunktionen kann der Nutzer zwar in den Datenschutzeinstellungen abschalten, doch offenbar spioniert das Betriebssystem auch dann einfach weiter.

Von: Christian Schiffer

Stand: 15.08.2015

Ein Teilnehmer macht ein Foto während der Vorstellung von Windows 10 | Bild: Reuters (RNSP)

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, da sorgte Microsoft für große Empörung. Damals brandmarkten Datenschützer die Spielkonsole Xbox One aufgrund der mitgelieferten Kamera "Kinect" als ausgewachsenes Überwachungsgerät. Ja, es war sogar die Rede von einem Wiedergänger des "Telescreens" aus George Orwells dystopischen Überwachungsroman "1984".

Windows 10 schnüffelt munter weiter

Windows 10 | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Datensammelwut bei Microsoft So hindern Sie Windows 10 am Schnüffeln

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt vor Windows 10. Sie sagt, das neue Betriebssystem verwandelt den PC in eine regelrechte "Abhöranlage". Aber die Datensammelwut lässt sich einschränken. Christian Schiffer zeigt wie. [mehr]

Offenbar hat der Softwaregigant aus Redmond aus der damaligen Kritik nichts gelernt: Windows 10 steht schon seit Tagen in der Kritik, da das Betriebssystem als besonders datenhungrig gilt. Und um die Schnüffelei einzudämmen, muss sich der Nutzer erst einmal ausgiebig mit den Datenschutzeinstellungen beschäftigen. Doch sogar, wenn er genau das tut, telefoniert Windows trotzdem nach Hause, das hat das Techblog Ars Technica herausgefunden.

Bing und Cortana heißen die Plaudertaschen

Das gilt insbesondere die Microsoft-Suchmaschine Bing und die Sprachsteuerung Cortana. Auch wenn Bing nicht benutzt wird, werden Daten an Microsoft gesendet. Dabei handelt es sich nicht um Details zu Suchanfragen, sondern um Daten, die dazu dienen sollen, neue Funktionen für die Suche bereit zu stellen – das sagt zumindest Microsoft.

Anfragen lassen sich zurückverfolgen

Auch der Sprachassistent Cortana verschickt weiterhin munter Daten, und zwar auch dann, wenn man die Funktion ausgeschaltet hat. Besonders pikant: Die Daten sollen eine ID des Computers enthalten, sodass Microsoft, alle Anfragen an Cortana einem einzelnen Windows-Account zuzuordnen kann.

Daten landen in der Wolke

Zudem fanden die Technik-Experten heraus, dass Windows 10 immer wieder Kontakt aufnahm mit einem Server, auf dem OneDrive-Daten verwaltet werden. OneDrive ist der Cloud-Speicher von Mircosoft, vergleichbar etwa mit Google Drive. Allerding wurde auf dem Rechner OneDrive gar nicht verwendet, die Blogger hatten noch nicht einmal ein Microsoft-Konto eingerichtet. Welche Daten dabei gesendet werden, ist bislang völlig unklar.

Schnüffelfrei nur ohne Internet

Insgesamt bleibt dem Nutzer kaum eine Möglichkeit den Austausch zwischen Windows und Microsoft zu unterbinden, es sei denn, er kappt die Internetverbindung. Vor zwei Jahren übrigens gab Microsoft dem Druck der Öffentlichkeit nach und erlaubte die Xbox auch ohne die umstrittenen Überwachungsfeatures zu verwenden. Möglicherweise stellt sich auch diesmal beim Konzern aus Redmond ein Umdenken ein.


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