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South By Southwest Obama adelt das Tech-Musik-Film-Fest

2.000 Bands, Hunderte Filme und Diskussionen mit der Creme de la Creme aus Wissenschaftlern, Künstlern und Netzdenkern – und dazu ein amtierender US-Präsident: Das SXSW-Festival, der härteste interdisziplinäre Festivalmarathon der Welt, läuft noch bis 19. März. Neben vielen spannenden Konzerten und Filmen stellt dort auch die Internet-Wirtschaft sich und ihre Zukunftsentwürfe vor.

Von: Michael Bartle

Stand: 11.03.2016

US-Präsident Barack Obama bei der Eröffnung der SXSW 2016 | Bild: picture-alliance/dpa

Noch eine Schippe draufzulegen – das war für die Veranstalter des Festivals South By Southwest nicht so ganz einfach. Das South By, wie es von Insidern liebevoll abgekürzt wird, ist ohnehin eine weltweit einzigartige, ziemlich bunte und vorbildlich interdisziplinäre Veranstaltung: es ist Film-, Musik- und Internetfestival in einem. Ein großes Zukunftslabor obendrein, auf dem Denker, Manager und Künstler über die kommenden Herausforderungen der Gesellschaft nachdenken und Entwürfe anbieten – seien sie musikalischer, filmischer, technischer oder gesellschaftspolitischer Natur.

Die Keynote hielt der Präsident persönlich

Der noch amtierende Präsident Barack Obama hielt die Eröffnungs-Keynote beim South By in Austin.

Aber 2016 in Austin, Texas, wo das Festival vom 11. bis 19. März zum 30. Mal stattfindet, wollten sich die traditionell liberalen Macher des South By dann doch – zumindest ganz subtil – in den gerade tobenden amerikanischen Wahlkampf einmischen. Aber weder die republikanischen noch die demokratischen Präsidentschaftskandidatinnen und Kandidaten dürfen aufs Podium. Es ist der noch amtierende Präsident Barack Obama, der die Eröffnungs-Keynote in Austin halten durfte – vor einem für ihn eher bunten und ungewöhnlichen Publikum aus Nerds, Wissenschaftlern, Künstlern und Musikern.

Obama hat ein Ohr für neue Ideen

Snapchat Logo von der SXSW | Bild: BR zum Artikel South by Southwest 2016 PULS Snapchat-Tagebuch vom SXSW

Die nächsten Tage berichte ich von der South By, dem internationalen Tech-Festival in Texas. Direkt aus dem Herzschlag der digitalen Innovation, vom Who is Who der Kreativwirtschaft. Hier oder auf snapchat puls_br. [mehr]

Schade nur, dass die Berater ihrem Präsidenten ein zwar sehr gutherziges und verdienstvolles, aber kaum atemberaubendes Thema an die Hand gegeben haben. Barack Obama redete über zivilgesellschaftliches Engagement im 21. Jahrhundert und darüber, wie politische Teilhabe für die Bürger einfacher und zielführender gestaltet werden kann. Immerhin – es war eine interaktive Geschichte: Das Weiße Haus hatte die Zuhörerschaft aus Entrepreneuren, Ingenieuren, Start-ups, Wissenschaftlern und Künstlern dazu aufgefordert, dem Präsidenten ihre Vorschläge, Ideen und Lösungen zu präsentieren, wie neue Technologien soziales Engagement befördern können. Und ja, es waren auch Wortmeldungen per Twitter und Facebook möglich, wir befinden uns schließlich auf einem Festival mit Zukunft.

Hier kann man in die Zukunft sehen

Auf Hunderten Panels wird auf der Interactive, dem Internet-Arm der South By, Zukunft verhandelt

Die Zukunft, sie wird noch stärker viel ausgeleuchtet dann in den darauffolgenden Tagen in Austin. Auf über 1.000 Panels werden auf der Interactive, dem Internet-Arm der South By, eine ganze Menge spannender (Zukunfts-)Fragen verhandelt: Wer macht das Rennen um die selbst fahrenden Autos? Audi, BMW, oder Google? Hat sich der Internet-Riese von seinem missglückten Elchtest erholt? Oder werden die Google-Autos von selbst fahrenden Kapseln überholt, in denen wir in die Zukunft steuern. Werden uns Roboter das Leben erleichtern oder werden sie uns auslöschen? Wo fangen im Netz Bedrohungen an und wo hört Meinungsfreiheit auf? Wer sind die Hetzer – wer die Opfer, und wie kann freie Rede im Netz gewährleistet werden? Intellektuelle, Wissenschaftler, Ingenieure, Designer und Entwickler von Adidas bis BMW, von den Think Tanks von Apple bis Google: Die South By gibt einem das Fernrohr zur Hand, mit dem man in die Zukunft blicken kann.

Willkommen in der "Live Musical Capital Of The World"

Aber auch die unmittelbare Gegenwart ist in Austin – pardon – auf der Überholspur. Schon am Bergstrom-Airport wird man mit einem eher ungewöhnlichen Empfangsschild darauf eingestimmt, was da auf einen zukommt:  "Welcome To The Live Musical Capital Of The World" heißt es und zumindest das South By Festival macht mit diesem Versprechen ernst:

David Bowies Produzent Tony Visconti wird die Music Keynote auf der South By Southwest halten.

2.000 Bands spielen eine laute Woche lang in Austin und reden darüber, darunter auch viele lebende Legenden: Iggy Pop, der langjährige Weggefährte des in diesem Jahr verstorbenen David Bowie, stellt sein neues Album mit einem Livekonzert vor. 68 Jahre alt ist der legendäre Punk Rocker, aber Iggy ist eben noch lange nicht „to old to rock’n’roll“. Tony Visconti, noch mal drei Jahre älter als Iggy, und viele Jahrzehnte lang – auch auf seinem letzten Album „Blackstar“ – David Bowies Produzent, referiert über seine Arbeit mit Bowie. Aber Austin ist natürlich nicht nur ein Platz für Rock’n’Roll-Nostalgiker. Eine ganze Menge neue und hoffnungsvolle Künstler präsentieren sich live in der selbst ernannten Musikhauptstadt der Welt in den Clubs, darunter auch eine Handvoll Bands aus Bayern. Unter anderem traten Aloa Input, Beißpony und die Kytes den langen Weg nach Texas an.

South By die Nummer 4 aller Filmfestivals

Und wer nicht hören will, der darf sehen: Zum Beispiel auf dem South By Filmfestival, vom Branchenblatt „indiewire“ weltweit auf Nummer 4 der Filmfestivals gerankt. Dort stellt unter anderem Richard Linklater seinen neuen Film "Everybody wants some" vor, es sind aber auch viele Regisseure und Hauptdarsteller(innen) der schönen neuen Netflix-, HBO- und Amazon-Serienwelt vor Ort.

Bayern ist mit Start-ups und Bands vertreten

Wie wichtig die Messe geworden ist, hat sich mittlerweile auch in Deutschland und in Bayern herumgesprochen. Das bayerische Wirtschaftsministerium unterstützt bereits zum zweiten Mal eine ganzen Reihe von bayerischen Musikern und Start-ups, die in Austin ihre Kunst und ihre Ideen präsentieren, um internationale Investoren zu finden.

Das letzte Wort aber, das hat der Präsident: "Yes, they can!"

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P.S. Täglich neue SXSW-Storys im Puls-Snapchat-Account mit Usernamen "puls_br"


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