Social-Media-Banking Likes steigern Zinsen in der Facebook-Bank
Zocken, Schmökern, Glotzen: In sozialen Netzwerken kann man so ziemlich alles machen, nun auch Online-Banking. Geld fließt zwischen Mitgliedern, Likes erhöhen Zinsen. Eine Münchner Bank will so das Vertrauen der Kunden gewinnen.
Stand: 02.10.2012
Das öffentliche Ansehen von Banken und ihren Bankern hat in den vergangenen Jahren etwas gelitten. Nun versuchen die Geldinstitute auf der persönlichen Schiene, Vertrauen zurückzugewinnen. So scheint es zumindest, betrachtet man den neuesten Trend Social Media Banking. Um per Internet Geld zu überweisen, braucht es keine Bankwebsite mehr. Neue Anwendungen ermöglichen Finanztransaktionen direkt via sozialem Netzwerk ermöglichen - die Wohlfühlatmosphäre bei Facebook und Twitter gibt's gratis dazu, nicht nur für den Kunden, auch für die Bank.
Kunde und Bank profitieren vom "Like-Zins"
Die deutsche Fidor-Bank aus München setzt auf Social Media Banking. Im Angebot finden sich Apps für Überweisungen an Twitteraccounts oder auch E-Mailadressen und Handynummern. Das Institut hat auf seiner Website den eigenen Youtube-Kanal mit Image- und Infofilmchen verlinkt. Fidor-CEO Matthias Kröner twittert "aktuelle, hilfreiche & unterhaltsame Geld-News" plus Stellenanzeigen seines Unternehmens. Man will mit den Kunden kommunizieren: "Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen", ist in Kröners Twitter-Account außerdem zu lesen. Ganz offen geht die Bank auch mit dem offensichtlichen Imageproblem der Branche und dem mutmaßlichen Wunsch der Verbraucher nach Veränderung um: "Gegründet in den Wirren der Finanzkrise setzen wir auf Offenheit, Fairness und die Einbindung unserer Kunden" verlautet unter dem Punkt "Über uns" auf der Firmenwebsite.
Um zu zeigen, dass man es wirklich ernst meint mit dieser Einbindung, gibt es bei der Bank einen "Like-Zins". Das bedeutet: Je mehr "Likes" - also Klicks auf den "Gefällt mir"-Button - auf der Facebook-Seite der Bank, umso höher der Zins, den man für das auf dem Konto befindliche Geld bekommt. Das Kalkül dahinter ist, dass die Kunden die Fidor-Bank ihren Freunden zum liken empfehlen, damit ihr eigener Zins steigt. Bis zu 1,5 Prozent sind möglich. Zwangsläufig steigt dadurch auch der Bekanntheitsgrad der Bank.
Neue Möglichkeiten für Online-Shops
Auch in Australien testet die Commonwealth Bank laut chip.de derzeit eine App, mit der Kunden Geld direkt überweisen können sollen. Besitzen beide Transaktionspartner sowohl ein Facebook-Konto als auch ein Konto bei der Bank, können sie demnach über "Pay to Facebook" untereinander Geld bezahlen und empfangen. Derartige Modelle könnten auch neue Möglichkeiten für Unternehmen und ihre Facebook-Präsenzen eröffnen - alle Voraussetzungen für die Online-Bestellung von Produkten inklusive derer Bezahlung allein über Facebook scheinen so gegeben.
Die neuseeländische ASB-Bank testet laut heise.de sogar eine komplett über Facebook bedienbare virtuelle Filiale. Die Sicherheit der Bankdaten sei laut einer Firmensprecherin dadurch gewährleistet, dass weder Facebook noch sonst eine Drittpartei diese Daten speichern, sondern lediglich die Bankmitarbeiter darauf Zugriff hätten. Zum Service gehört außerdem: Ein Beratungs-Chat zu den normalen Banköffnungszeiten als Facebook-App. Die Kunden müssen nicht mehr in die Bank kommen, sondern werden - sofern ihnen das lieber ist - im Chat beraten. Die Vorteile gegenüber dem Telefongespräch mit dem Kundenbetreuer werden dabei allerdings nicht wirklich klar, Hauptsache: Social Media!
Social-Media-Anbindung schlägt Zinsen
Ob die Social-Media-Anbindung und die daraus entstehenden Möglichkeiten neben den nackten Bankangeboten - also den Finanzprodukten und zugehörigen Konditionen wie Zinsen, Laufzeiten und Risiken - für die Kunden zu einem echten Kriterium bei der Auswahl der Bank wird, muss die Praxis zeigen. Den maximalen Zinssatz haben die Liker der Fidor-Bank jedenfalls noch nicht erreicht: Derzeit ist mit knapp 12.000 gut die Hälfte der erforderlichen 22.000 Likes beisammen.

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